INDUSTRIE: V-Zug rettet in Arbon 100 Stellen

Der Zuger Haushaltgerätehersteller übernimmt seinen Kühlschrankproduzenten. Damit wächst V-Zug um 100 Mitarbeiter und plant weitere Investitionen.

Ernst Meier
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Blick in die Produktion der AFG Arbonia Forster. (Bild: Michel Canonica/St.Galler Tagblatt)

Blick in die Produktion der AFG Arbonia Forster. (Bild: Michel Canonica/St.Galler Tagblatt)

Bei den Feierlichkeiten zum 100-Jahr-Jubiläum vor zwei Wochen erläuterte V-Zug-Chef Jürg Werner seine Strategie. «Wir wollen weiter wachsen, vor allem mit Verkäufen im Ausland», sagte der ETH-Ingenieur. Gestern folgten diesen Worten eine weitere Tat. Der Zuger Hersteller von Haushaltgeräten für Küche und Waschraum übernimmt den Kühlschrankproduzenten Forster Kühltechnik AG. V-Zug kauft das Unternehmen mit 100 Mitarbeitern von der AFG Arbonia-Forster Holding (AFG). «Der Geschäftsbereich Kühlgeräte ist für uns von strategischer Bedeutung», kommentierte Jürg Werner die Übernahme.

Im Kaufpreis – zu dem beide Unternehmen keine Angaben machen – sind neben den Mitarbeitern alle Produktionsanlagen sowie Werkzeuge und Lager am Standort im thurgauischen Arbon inbegriffen. Nicht dabei sind die Immobilien, die weiter bei der AFG bleiben. V-Zug will als Mieterin in den Räumlichkeiten in Arbon produzieren. Dafür wird der Name des Unternehmens in V-Zug geändert und der Geschäftsbereich als Tochterfirma in den Konzern integriert. «Der Vollzug der Übernahme dürfte bis Anfang des zweiten Quartals 2013 abgeschlossen sein», ist Jürg Werner überzeugt.

Stellen in Arbon bleiben erhalten

Beruhigt zeigte man sich gestern nach Bekanntgabe des Deals im Kanton Thurgau. Die Forster Kühltechnik AG ist ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Seit über 60 Jahren produziert das Unternehmen als einziger Hersteller der Schweiz Einbaukühlgeräte und beliefert verschiedene Grosskunden. Auch V-Zug lässt seit 40 Jahren ihre Kühlschränke in Arbon produzieren. Zu schaffen gab AFG immer mehr der starke Schweizer Franken. So sprang letztes Jahr ein Grosskunde ab, der sich entschied, seine Geräte künftig im Ausland produzieren zu lassen. Darauf wurden bei Forster Kühltechnik im Herbst 27 Mitarbeiter entlassen. Das Indus-triekonglomerat AFG, das in verschiedenen Baubereichen tätig ist, befindet sich im Umbruch. Nach dem rasanten Ausbau zum Mischkonzern durch den ehrgeizigen Chef Edgar Oehler vor zehn Jahren geriet AFG mit dem Ausbruch der Finanzkrise arg ins Schlingern. So verkaufte man letzten August den erst vor wenigen Jahren erstellten Hauptsitz – mit 40 Millionen Franken Baukosten das Prestigeprojekt des ehemaligen Patrons Oehler – an einen Immobilienfonds der Credit Suisse. Weiter läuft hingegen mit der AFG-Arena das Stadionsponsoring in St. Gallen.

Fokus auf Kernbereiche

Unter der Leitung des neuen CEO Daniel Frutig soll das Ostschweizer Unternehmen nun auf wenige Kernbereiche fokussiert werden. Der Verkauf der Geschäftseinheit «Kühltechnik» war deshalb erwartet worden. International gesehen ist die Einheit ein Nischenplayer. Die Forster-Kühltechnik produzierte in Spitzenjahren gegen 85 000 Kühlschränke. Zum Vergleich: Global tätige Mitbewerber wie Whirlpool verkaufen 12 Millionen Kühlschränke pro Jahr, Liebherr rund 7,5 Millionen Geräte. Gemäss AFG-Chef Daniel Frutig ist der Verkauf an V-Zug «die für alle Beteiligten beste Lösung, die industriell Sinn macht».

Kein Umsatzsprung erwartet

Trotz der geringen Grösse und der Herausforderungen am Standort Arbon ist man bei V-Zug überzeugt, das Geschäft in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. «Wir werden unsere Innovationskraft darauf verwenden, das Premium-Segment weiterzuentwickeln und fokussiert auszubauen», sagte Jürg Werner. Auch in Analystenkreisen erachtet man die Akquisition als sinnvoll. Christian Arnold von der Bank Vontobel sagt: «Das Unternehmen sichert sich damit seine Kühlschrankproduktion in der Schweiz.» Arnold ist überzeugt, dass V-Zug für die Forster Kühltechnik AG nicht tief in die Tasche greifen musste. «Ich gehe von einem Kaufpreis im tiefen einstelligen Millionenbereich aus», vermutet er. Beim Kühlschrankhersteller würden in den nächsten Jahren nämlich Investitionen in neue Anlagen, aber auch in die Forschung und Entwicklung anstehen, weiss der Analyst. V-Zug-Chef Werner bestätigt dies: «Wir werden einen zweistelligen Millionenbetrag in Entwicklung und Produktion investieren.» «So können wir mit Swiss Made auch im Premiumsegment im Ausland konkurrenzfähig bleiben.» Obwohl V-Zug durch den Zukauf um 100 Mitarbeiter wächst, erwartet das Unternehmen kurzfristig keinen Umsatzsprung. Werner: «Da wir bisher schon einen Teil der Kühlgeräte von AFG beziehen, wird sich der Kauf umsatztechnisch kaum auswirken.» Man plane aber, die Position im Bereich Kühlen zu stärken und wolle dank dem Ausbau des Auslandgeschäftes mittelfristig wachsen. Wie hoch der Umsatz ist, den die Forster Kühltechnik AG erzielt, ist in der Öffentlichkeit nicht bekannt, denn die AFG gibt Geschäftszahlen nur auf Divisionsebene bekannt. Im Geschäftsjahr 2012 schrieb die Division Küchen und Kühltechnik einen Umsatz von 247,2 Millionen Franken.

An der Börse wurde die Übernahme gestern positiv aufgenommen. So stiegen die AFG-Titel um 1,41 Prozent und die Aktien der V-Zug-Mutter Metall Zug legten um ein halbes Prozent zu.