Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Industriefirmen setzen wieder auf Kurzarbeit – vor allem in Luzern

Neben Schurter führt auch Swiss Steel wieder Kurzarbeit ein. Im Kanton Luzern steigt die Zahl der Unternehmen mit Kurzarbeit überdurchschnittlich stark an.
Maurizio Minetti
Aus diesen sogenannten Coils von Swiss Steel in Emmenbrücke werden Stäbe oder Drähte gemacht. (Bild: PD)

Aus diesen sogenannten Coils von Swiss Steel in Emmenbrücke werden Stäbe oder Drähte gemacht. (Bild: PD)

Trübt sich die Auftragslage kurzfristig ein, können Unternehmen auf Kurzarbeit zurückgreifen. Am Montag ist bekannt geworden, dass der Luzerner Industriebetrieb Schurter ab September Kurzarbeit einführen wird. Begründet wird dies mit der generellen Abkühlung der Konjunktur und insbesondere der schwächelnden Autobranche.

Historisch gesehen haben derzeit landesweit wenig Unternehmen Kurzarbeit angemeldet, heisst es beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf Anfrage. Ein Blick in die Statistik zeigt aber, dass der Kanton Luzern im letzten halben Jahr einen starken Anstieg der Kurzarbeit verzeichnet hat. Das Seco erfasst die tatsächlich ausbezahlte Kurzarbeit. Demnach haben im Kanton Luzern im Mai 14 Unternehmen Auszahlungen erhalten – im Fe­bruar waren es nur fünf gewesen (siehe Grafik). Damit hat der Kanton Luzern aktuell zusammen mit dem Kanton St.Gallen schweizweit die höchste Zahl von Betrieben mit Kurzarbeit. In den anderen Kantonen liegt die Zahl tiefer, in der Zen­tralschweiz waren es im Mai jeweils höchstens zwei. Aktuellere Daten sind nicht verfügbar.

Swissmem befürchtet Verschlechterung der Lage

Neben Schurter musste dieses Jahr auch der Emmenbrücker Stahlhersteller Swiss Steel Kurzarbeit anmelden. Beide Unternehmen sind von der negativen Entwicklung in der Autoindus­trie überrascht worden. Ulrich Steiner, Sprecher des Mutterkonzerns Schmolz+Bickenbach: «Unsere Geschäftseinheit Swiss Steel in Emmenbrücke hatte im Mai für rund zwei Wochen Kurzarbeit eingeführt und plant für September nochmals eine rund zweiwöchige Periode mit Kurzarbeit. Ob und wann danach noch reduziert gearbeitet wird, hängt stark von der weiteren Entwicklung der Nachfrage ab.» Betroffen seien je drei Viertel der knapp 500 Angestellten. Steiner betont, dass die Nachfragesituation noch deutlich besser sei als 2009, als Swiss Steel das letzte Mal Kurzarbeit anordnete.

Ivo Zimmermann vom Industrieverband Swissmem sagt, das Thema Kurzarbeit sei in den letzten Wochen innerhalb der Swissmem-Mitgliedschaft aktueller geworden: «Zwar erleben wir derzeit keine Welle von Anfragen zur Kurzarbeit. Sie haben aber spürbar zugenommen.» Die Auftragslage in der Schweizer Industrie habe sich zuletzt eingetrübt; die Firmen arbeiten zum Teil noch die Bestellungen des Vorjahres ab. «Wir befürchten, dass sich die Lage im Verlauf des Jahres verschlechtern wird», sagt Zimmermann.

Gewerkschaften: Kurzarbeit ist gutes Mittel

Auch Felix Howald, Direktor der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz, stellt eine gewisse Eintrübung der Nachfrage fest: «Die konjunkturelle Lage in der Region präsentiert sich schlechter als Anfang Jahr.» Er sieht die Ursache in den politischen Wirren wie dem Handelsstreit zwischen China und den USA. So schnell wie die Krise gekommen sei, könne sie aber auch wieder verschwinden, meint Howald: «Ich glaube, wir sehen hier eine Delle und nicht den Beginn einer grossen Rezession.»

Bei den Gewerkschaften stösst die Anwendung der Kurzarbeit grundsätzlich auf Wohlwollen. Kurzarbeit sei «ein legitimes Mittel, wenn die Kriterien dazu stimmen», sagt Giuseppe Reo, Regionalleiter Zentralschweiz der Gewerkschaft Unia. Auch Hansjörg Schmid von Angestellte Schweiz sagt: «Es ist ein sehr gutes Instrument, um einen Konjunktureinbruch zu überbrücken. Das Instrument hat sich bisher sehr bewährt und geholfen, Stellen und Know-how zu erhalten.» Kurzarbeit sei die bessere und ökonomischere Lösung als der Abbau von Stellen: «Denn der Abbau und später wieder erforderliche Aufbau von Stellen ist sehr teuer», sagt Schmid.

So funktioniert Kurzarbeit

Die Idee hinter der Kurzarbeit ist, dass Firmen die Arbeitszeit der Mitarbeitenden vorübergehend reduzieren können, um so langfristig Arbeitsplätze zu erhalten. Der Arbeitgeber muss die Kurzarbeit vom Kanton bewilligen lassen. Die Angestellten haben das Recht, die Kurzarbeit abzulehnen. In diesem Fall muss der Arbeitgeber weiterhin den vollen Lohn auszahlen. Stimmen die Angestellten der Kurzarbeit zu, müssen sie eine Lohneinbusse in Kauf nehmen. Beispiel: Kann eine Mitarbeiterin statt 100 Prozent nur noch 50 Prozent arbeiten, werden die 50 Prozent wie üblich vom Arbeitgeber ausbezahlt. Von der anderen Hälfte des Lohnes bekommt die Mitarbeiterin nur 80 Prozent in Form von Kurzarbeitsentschädigung ausbezahlt. In diesem Beispiel beträgt die Lohneinbusse also 10 Prozent.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.