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INFRASTRUKTUR: Monopoly im Zahlkartengeschäft

Die Six Group spielt offenbar mit dem Gedanken, ihr Kartengeschäft abzuspalten. Dabei geht es auch um die Auslastung der Informatik-Anlagen.
Daniel Zulauf
Ob mit Karte oder Handy: Wer bargeldlos bezahlt, nutzt die Infrastruktur der Six Group. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 8. Juli 2014))

Ob mit Karte oder Handy: Wer bargeldlos bezahlt, nutzt die Infrastruktur der Six Group. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 8. Juli 2014))

Daniel Zulauf

Die den Banken gehörende Six Group erwägt offenbar, ihren grössten Geschäftsbereich abzuspalten oder gar zu verkaufen. Dies behaupten Nachrichtenagenturen unter Bezugnahme auf nicht näher bezeichnete Quellen. Die Rede ist vom sogenannten Acquiring-Geschäft. Dabei geht es um eine technische Dienstleistung, welche die Six Payment Services, eine Division der Six Group, erbringt, wenn ein Kunde in einem Laden oder ein Gast in einem Restaurant seine Konsumation per Karte bezahlt.

Die Abwicklung der Transaktion, das heisst die Verrechnung zwischen dem Karteninhaber (Konsument) und dem Kartenher­ausgeber (Bank), läuft über das Rechenzentrum der Six Group. Gemäss Six wird ein jährlicher Detailhandels- und Gastroumsatz von 75 Milliarden Franken abgewickelt. Diesem liegen 3,7 Milliarden Transaktionen mit 27 Millionen Karten zu Grunde.

In diesen Dimensionen lohnt sich offensichtlich auch ein Rappengeschäft. 2016 resultierten bei Six Payment Services ein Umsatz von 885 Millionen Franken und ein Betriebsgewinn von 92 Millionen Franken. Mit der im August angekündigten Übernahme des Acquiring-Geschäftes des Konkurrenten Aduno hat die Six Group ihre marktbeherrschende Stellung weiter ausgebaut. Obwohl die Six und ihre Vorgängerfirma Telekurs schon seit 35 Jahren in der Abwicklung von Kartenzahlungen im Einzelhandel tätig ist, hat das Geschäft erst vor wenigen Jahren so etwas wie den Status einer Kernaktivität erhalten. Der Grund dafür ist einfach: Eine direkte Kundenbindung entsteht für die Banken nur über die Karte, die typischerweise mit einem Konto verbunden ist. Daraus zieht die Bank wichtige Kundeninformationen. Die technische Abwicklung der Transaktionen zwischen dem Handel und dem Kunden war für die Banken lange Zeit von zweitrangiger Bedeutung. Doch dies hat sich mit dem explosiven Volumenwachs-tum im Kartengeschäft sukzessive verändert. Inzwischen leisten die Abwicklungsvolumina aus dem Acquiring-Geschäft einen wesentlichen Beitrag zur Auslastung der IT-Anlagen von Six. Ein hoher Auslastungsgrad der teuren Infrastruktur wird mit dem seit Jahren anhaltenden Druck auf Gebühren und Preise zunehmend wichtig. So verlangen die Eigentümerbanken von ihrer Six laufend Tarifreduktionen auf Börsentransaktionen. Die Konkur-renz und der Preisüberwacher schauen dem Koloss gemeinsam auf die Finger. Im Mai einigte man sich darauf, dem Einzelhandel eine Reduktion der Gebühren für Zahlungen via Debitkarte zu gewähren. Vor der Tür wartet die Konkurrenz auf ihre Chance, mit attraktiven Preismodellen den Druck weiter zu erhöhen. Vor diesem Hintergrund stehen die Eigentümerbanken der Six Group vor einem Dilemma. Der Wettbewerb im Kartengeschäft erzwingt langfristig immer noch grössere Volumen, was die Six zu weiteren Akquisitionen zwingen würde. Stattdessen würden die Banken ihre Ressourcen lieber auf ihre Kernaktivitäten, den Börsenhandel, die Wertschriftenabwicklung und den Zahlungsverkehr, konzentrieren. Aber diese drohen ohne die Volumina aus dem Kartengeschäft teurer zu werden.

Wenig überraschend ventilieren Brancheninsider gegenüber Nachrichtenagenturen, die wahrscheinlichste Lösung für Six Payment Services sei der Zuzug eines Drittinvestors für das Acquiring-Geschäft oder die Schaffung eines Gemeinschaftsunternehmens mit einem Mitbewerber. So müsste die Six ihre Erträge aus dem Kartengeschäft mit einem Dritten teilen, hätte aber vermutlich die Option, die Abwicklungsvolumina im eigenen Haus zu behalten. Entsprechende Entscheide soll der Verwaltungsrat noch im November fällen, heisst es.

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