INNOVATION: Hochwasserschutz made in Katon Luzern

Mobile Barrieren statt Sandsäcke: Mit dieser Idee will der Ingenieur Heinz Aeschlimann den Hochwasserschutz verbessern. Das Marktpotenzial ist gross.

Bernard Marks
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Heinz Aeschlimann aus dem luzernischen Roggliswil hat ein
Hochwasserschutzelement aus Kunststoff entwickelt. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Heinz Aeschlimann aus dem luzernischen Roggliswil hat ein Hochwasserschutzelement aus Kunststoff entwickelt. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Hochwasser verursachen Schäden in Milliardenhöhe. Gemäss einer Schätzung des Rückversicherers Swiss Re kommen allein durch das Hochwasser in diesem Jahr Zahlungen in der Höhe von etwa 4 Milliarden Franken auf die Versicherungen zu. «Wir müssen gegen diese Schäden etwas unternehmen», sagt Heinz Aeschlimann (66).

Seit elf Jahren ist der Luzerner mit verschiedenen Produkten auf den Hochwasserschutz spezialisiert. Doch die herkömmlichen Methoden, das Wasser von Häusern und Menschen fernzuhalten, schienen ihm nicht effektiv genug. Der findige Ingenieur aus Roggliswil hatte eine Idee. Gut war es bisher, wenn Feuerwehren bei einem Hochwasser Sandsäcke zur Hand hatten und diese aufstapelten. Sandsäcke gelten immer noch als Mittel Nummer eins gegen herannahende Wassermassen. Mit ihnen schützen Helfer die Häuser gegen die Fluten oder stützen Deiche ab.

Einer der Gründe für ihre gute Wirksamkeit ist ihre Flexibilität. Die Sandsäcke können sich zum einen gut an den Untergrund anpassen, lassen sich aber auch leicht transportieren. Aber Sandsäcke haben entscheidende Nachteile: Sandsäcke sind schwer und lassen sich in der Regel nur einmal verwenden. Wenn die Flüsse so stark über die Ufer treten, wie es in diesem Jahr in Deutschland geschehen ist, werden sie schnell zur Mangelware. Alternativen sind gefragt.

Nach vielen Jahren der Entwicklungsarbeit liess Heinz Aeschlimann sich kürzlich in der EU ein mobiles Barrieresystem patentieren, welches gegenüber Sandsäcken enorme Vorteile bietet. Es funktioniert wie ein künstlicher Damm. Die Kunststoffelemente werden mit Schaumstoffelementen verbunden auf Matten platziert und dann mit Wasser gefüllt. Mit Wasser gefüllte Plastikelemente sind schnell aufgebaut und wiederverwendbar.

Vertrieb in Deutschland aufgebaut

Um einen 300 Meter langen Damm mit einer Höhe von 60 Zentimetern mit diesen Elementen zu errichten, brauchen 5 Männer nur 3 bis 4 Stunden. Mit Sandsäcken dauert es deutlich länger, zudem müssten bis zu 150 Tonnen Sandsäcke transportiert und verlegt werden. Das Marktpotenzial für die mobilen Elemente ist gross. «Wir haben für unsere Produkte einen Vertrieb in der Schweiz, aber auch in Nachbarländern wie Deutschland aufgebaut », erzählt Heinz Aeschlimann. Die Hoffnungen, dass sich zahlreiche Feuerwehren mit den mobilen Schutzwänden aus Roggliswil eindecken, sind berechtigt. Denn die Vorteile des AE Hochwasserschutzsystems überwiegen.