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INNOVATION: Schlaue Technik hilft Senioren

Im Luzerner iHomeLab wird erforscht, wie Menschen in Zukunft leben. Modernste Technik soll Senioren ermöglichen, länger zu Hause zu wohnen.
Bernard Marks
Alexander Klapproth, Leiter des iHomeLab inmitten der Technik in seinem Modellhaus in Horw. (Bild: Roger Grütter)

Alexander Klapproth, Leiter des iHomeLab inmitten der Technik in seinem Modellhaus in Horw. (Bild: Roger Grütter)

«Guten Tag», begrüsst eine sanfte Frauenstimme die eintretenden Gäste. Es ist die Stimme von Lisa, die durch die Zimmer des futuristischen Hauses hallt. Lisa ist ein Computer, der alles im Haus unter Kontrolle hat. «Die Technik soll nebst dem Wohnkomfort die Energieeffizienz und die Sicherheit verbessern», erklärt Alexander Klapproth (56). Denn erst wenn die Technik den Menschen unterstützt, sei sie fortschrittlich, sagt der Ingenieur weiter.

Notarzt kommt per Tastendruck

Klapproth ist Erfinder von Lisa und Leiter des iHomeLab, das zur Hochschule Luzern – Technik und Architektur in Horw gehört. Das Modellhaus, welches auf dem Gelände der Hochschule gebaut wurde, ist vollgestopft mit modernster Technologie. «Mit Hilfe eines ausgetüftelten Systems von Sensoren im Raum lässt sich zum Beispiel das Licht der Deckenlampe über dem Sessel mit Bewegungen der Hand dimmen», erklärt Klapproth. Von zentraler Bedeutung ist auch die Sicherheit der Bewohner. Als zum Beispiel die Seniorin Anna – eine lebensgrosse Puppe – stürzt, fragt Lisa: «Hallo Anna, alles in Ordnung, gib mir bitte Antwort.» Als die Antwort ausbleibt, schickt Lisa ein SMS auf das Natel von Dieter von Arx (52), Betriebsleiter des iHomeLab. Via Smartphone und Webcam kann von Arx den Ernst der Lage schnell beurteilen und könnte notfalls mit einem Tastendruck den Notarzt rufen.

Länger in gewohnter Umgebung

Der Blick hinter die Fassade des iHomeLab zeigt eine Welt, wie sie in Zukunft sein könnte. Das Besondere am iHomeLab ist aber nicht der Showroom allein. Die Kombination aus zahlreichen Forschungsprojekten, an denen rund 20 Wissenschaftler gleich nebenan in einer eher unscheinbaren Baracke beteiligt sind, macht das iHomeLab in ganz Europa einzigartig.

Spitex hat Hochkonjunktur

Bei der Forschung im iHomeLab geht es neben der Optimierung des Energieverbrauchs auch um die Fragestellung, wie Menschen länger und kostengünstiger in ihrer gewohnten Umgebung leben können. Denn die Schweizer werden immer älter. Damit steigt auch die Zahl der älteren Menschen in der Gesellschaft stetig an. Nach neuesten Ergebnissen das Bundesamtes für Statistik (BFS) kamen im Jahr 1900 auf 100 Bewohner in der Schweiz 76 Jugendliche unter 20 Jahren und 10 Personen ab 65 Jahren. Dieses Verhältnis hat sich seither stark verändert: 2012 sind es nur noch 33 Jugendliche und schon 28 Personen ab 65 Jahren.

Die Ursachen dafür liegen auf der Hand: sinkende Geburtenraten und die gleichzeitige kontinuierliche Zunahme der Lebenserwartung. Immer mehr ältere Menschen wohnen aus diesem Grund im Alter länger daheim und nutzen statt des Pflegeheims die Angebote der Spitex (siehe Grafik). In den letzten Jahren sind die Kosten für die Spitex aus diesem Grund stetig angestiegen. Allein bis September 2013 stiegen die Ausgaben der Krankenkassen für Leistungen der Spitex um 5 Prozent.

Computer erinnert an Medikament

Unter anderem auch, um diese steigenden Kosten in den Griff zu bekommen, forschen in der Denkfabrik des iHomeLab Wissenschaftler an neuen Technologien und Methoden, die das Wohnen und Leben in Zukunft einfacher, sicherer und effizienter machen sollen. Dabei soll der Computer bei der Suche nach verlorenen Gegenständen wie Schlüsseln oder Brillen helfen. Es geht so weit, dass der Computer daran erinnert, die Medikamente rechtzeitig einzunehmen.

Forschung will finanziert sein

Eine Gruppe von Wissenschaftlern forscht im iHomeLab an einem digitalen Trainer. Dieser soll Menschen im Haus dazu animieren, aktiv zu bleiben und dabei gleichzeitig bei der Verrichtung alltäglicher Dinge wie beim Einkauf unterstützen. Der Computer könnte sogar den aktuellen Gesundheitszustand der Bewohner ermitteln. Das Projekt «Relaxed-Care-System» sucht zum Beispiel nach Lösungen, wie das aktuelle Befinden einer betreuungsbedürftigen Person den Angehörigen mitgeteilt werden kann. Das Projekt «Care4Balance» hat zum Ziel, die Zusammenarbeit professioneller Pflege mit der Betreuung durch Angehörige zu optimieren und somit die Lebensqualität der älteren Personen zu verbessern.

Dazu wird ein Statusbildschirm entwickelt, welcher den Pflegebedarf einer älteren Person anzeigt und Aufgaben an die verschiedenen betreuenden Personen verteilt. «An diesen Projekten sind Partner des iHomeLab aus ganz Europa involviert», erzählt Klapproth. «Es gibt heute keine Daniel Düsentriebs mehr», erzählt Klapproth. Forschung sei mehr denn je schwere Kleinstarbeit. Vor allem beschäftigt sich der Forscher deshalb damit, wie er seine Ideen und seine 20 hoch qualifizierten Mitarbeiter finanzieren kann. «Für Forschung bleibt mir wenig Zeit», sagt der studierte Ingenieur, der seit über 15 Jahren neue Ideen entwickelt und umsetzt. Forschung sei eine komplexe Disziplin mit vielen Hürden. «Man muss sein Handwerk verstehen», sagt er mit einem Lächeln. Das iHomeLab arbeitet deshalb mit zahlreichen Partnern aus der freien Wirtschaft zusammen. Zum Beispiel mit Schindler, Landis & Gyr, Phonak, mit der Swisscom, der Suva, mit Phillips oder Siemens. «Die Erkenntnisse aus unserer Forschung müssen sich im wirklichen Leben bezahlt machen. Das funktioniert bereits gut. Über 70 Prozent der finanziellen Mittel werden extern erwirtschaftet.

Tag der offenen Tür

Das iHome Lab zieht pro Jahr 2500 Besucher an. Anlässlich des 5-Jahr-Jubiläums lädt das Team des iHomeLab am Mittwoch, den 11. Dezember, in der Technikumstrasse 21 in 6048 Horw zu einem Tag der offenen Türe. Ab 14 Uhr stehen die Mitarbeiter des iHomeLab nicht nur für Fragen bereit. Es werden auch Führungen angeboten. Die Führungen finden um 15, 16.30, 18 und 19.30 Uhr statt. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Plätze werden in der Reihenfolge des Eintreffens vor dem iHomeLab vergeben. www.ihomelab.ch

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