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INNOVATIONEN: Schweizer Erfinder brauchen einen langen Atem

Würfelzucker, Klettverschluss, Sparschäler und das World Wide Web – in der Schweiz wurden viele revolutionäre Produkte entwickelt. Wer eine gute Idee umsetzt, muss aber früh auf potenzielle Kunden hören und den richtigen Zeitpunkt erwischen.
Andreas Lorenz-Meier
Er macht das Kartoffelschälen einfacher: der von Alfred Neweczeral aus Davos im Jahre 1948 entwickelte Sparschäler. Das Rüstgerät ist patentiert, und man findet es weltweit in Haushalten und Restaurantküchen. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 14. Juni 2016))

Er macht das Kartoffelschälen einfacher: der von Alfred Neweczeral aus Davos im Jahre 1948 entwickelte Sparschäler. Das Rüstgerät ist patentiert, und man findet es weltweit in Haushalten und Restaurantküchen. (Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 14. Juni 2016))

Andreas Lorenz-Meier

Batterien, auch Akkus genannt, werden im digitalen Zeitalter immer beliebter und verbreiteter. Man findet sie in Notebook-Computern und Smartphones – und immer öfter auch in Fahrzeugen. Bei den E-Mobiles ist es ein grosser Nachteil, dass das Aufladen des Akkus viel mehr Zeit in Anspruch nimmt als das Auftanken herkömmlicher Benzin- und Dieselfahrzeuge. Innovationen, die Batterien schneller ladbar machen, sind deshalb heiss begehrt. In diesem Bereich forscht auch die novoMOF AG.

Die Technologiefirma des Paul- Scherrer-Instituts (PSI) ist auf die Synthese und Produktion von Metal-Organic Frameworks (MOF) spezialisiert. MOFs sind neuartige Materialien, die leistungsfähige Anwendungen ermöglichen. So lassen sich mit MOFs die Ladezeiten von Batterien auf Minuten reduzieren. «Es gibt kein Material, das poröser ist als MOFs», erklärt Daniel Steitz, CEO und Mitgründer von novoMOF. Ein Gramm besitzt eine Oberfläche vergleichbar mit einem Fussballfeld. Wie ein Schwamm grosse Mengen Wasser aufnimmt, kann ein MOF Moleküle wie CO2 und Wasserstoff oder Medikamente aufnehmen, lagern und wieder freisetzen. Für Marktführer in verschiedenen Industrien stellt das Aargauer Unternehmen massgeschneiderte MOFs her. Um die Materialien schneller produzieren zu können, hat man sich ein neues Verfahren ausgedacht. Zentral dabei: die optimierte Wärmezufuhr. Sie ermöglicht die Produktion von MOFs innerhalb von Minuten. Mit den üblichen Prozessen benötigt man Stunden oder Tage. Zudem ist die Produktionsmenge je nach Kundenwunsch einfach anpassbar. Und man kann schnell von einem Material zum anderen wechseln.

Doch wie wird aus einer guten Idee ein erfolgreiches Produkt? «Je früher man das Problem seiner Kunden kennt, desto früher kann man ihnen auch eine Lösung bieten», antwortet Steitz. Deswegen sei es unglaublich wichtig, mit potenziellen Kunden über eine Idee zu reden und auf ihre Rückmeldungen zu hören. Wenn die Lösung keine Kunden findet, gibt es keinen Markt und kein erfolgreiches Unternehmen. Auch für die Finanzierung sollte man den Markt kennen. Die Schweiz ist ein unglaublich vernetztes und organisiertes Ökosystem für Unternehmer und Selbstständige, findet Steitz. Dieses System unterstütze einen von der Idee bis zum Markteintritt.

Schweiz ist in Sachen Erfindungen breit aufgestellt

Wer sich wie novoMOF etwas Neues ausdenkt, lässt es patentieren. Das ist häufig der Fall. Auf 847,6 Patente pro eine Million Einwohner kommt die Schweiz – das ist europäische Spitze. Um die wirkliche Innovationskraft eines Landes zu messen, reicht die reine Zahl angemeldeter Patente aber nicht, erklärt Alban Fischer, beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum in Bern für Patente zuständig. Wichtig sind auch Faktoren wie die Höhe der jährlichen Forschungsinvestitionen und die Bildungslandschaft.

81 Indikatoren berücksichtigt der Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum. Auch hier liegt die Schweiz mit 67,7 Punkten an erster Stelle. «Wir haben starke Universitäten und eine lebhafte Start-up-Szene», sagt Fischer. Das muss auch so sein, denn für eine Nation ohne Bodenschätze gibt es zwei Möglichkeiten, im internationalen Wettbewerb zu bestehen: Qualität und Innovation. «Uns bleibt gar nichts anderes übrig, also innovativ zu sein.» Im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Schweiz in Sachen Erfindungen auch «breit aufgestellt» – mit Maschinenbau, Pharma, Elektrotechnik, Telekommunikation. Fischer sieht den Trend zu interdisziplinären Erfindungen. Im Pharmabereich etwa gehe es nicht mehr primär um das Herstellen klassischer Medikamente, sondern um Datenverarbeitung und personalisierte Medizin.

Start-up-Firmen fehlt oftmals das nötige Geld

Die Lage der Start-ups beurteilt Fischer so: Sie ziehen zwar innovative Leute an, und in der Innovationsphase läuft auch alles prima. Aber irgendwann braucht es viel Geld, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Etwa im Bereich Biotechnologie sind die nötigen Studien sehr teuer. An dieser Stelle springen grosse Firmen ein. Die haben ihrerseits das Problem, aufgrund ihrer Strukturen nicht innovativ genug zu sein. Daher kaufen sie Start-ups auf und holen sich die fehlende Innovation ins Haus. Es braucht eine Kombination aus Erfindungs- und Unternehmergeist. Manchmal fehlt es in der Schweiz an Risikobereitschaft.

Die Idee selbst macht nur 10 Prozent des Erfolgs aus, der Rest ist harte Arbeit. «Ausserordentlicher persönlicher Einsatz steht am Anfang vieler Innovationen in KMU», sagt Eric Sulzer, CEO von ­Baswa, Zentralschweizer Spezialist für raumakustische Produkte. 2016 war Baswa für den Swiss Technology Award in der Kategorie Innovation Leaders nominiert. Dabei ging es um das System Baswa Core. Genauer: um die Verwendung der schalldämmenden Platten in Ver­bindung mit TABS-Decken. TABS steht für thermisch aktives Bauteilsystem. «TABS-Decken funktionieren nur, wenn die in der Betonstruktur gespeicherte thermische Energie in den Raum abstrahlen kann», erklärt Baswa-CEO Eric Sulzer. Jedoch waren TABS-Decken und akustische Absorber bisher nicht vereinbar, da absorbierende Materialien in irgendeiner Form porös sein müssen.

Poröse Materialien sind aber auch immer wärmedämmend, sodass sie die Wärmeabstrahlung unterbinden. Daher wurden TABS-Decken nicht gerne im privaten Sektor verbaut, da dort die Komfortansprüche höher sind als etwa in Industriebauten. Baswa Core beseitige diesen Widerspruch. «Jetzt bestehen keine Hindernisse mehr, TABS-Decken auch in Wohnräumen einzusetzen.» Vor dem Produkt steht viel Entwicklungsarbeit, erläutert Sulzer. «Eine Idee kann von Anfang an klar sein oder sich erst im Lauf der Entwicklung herauskristallisieren. In beiden Fällen besteht die langwierige Arbeit darin, das Produkt in die Realität zu transportieren.» Die wichtigsten Voraussetzungen dafür: Intelligenz, Offenheit, Durchhaltevermögen, ein gewisses Mass an finanzieller Stabilität – und natürlich ein bisschen Glück. Ein gutes Produkt könne auch daran scheitern, dass es zu früh oder zu spät auf den Markt komme. Beides bedeute nicht endgültiges Scheitern, denn im Laufe der Entwicklungsarbeit wird ­wertvolles Wissen angereichert. Man kann dieses Wissen einsetzen, um ein Produkt auszudifferenzieren, falls jemand schneller war. Ist das Produkt zu früh auf dem Markt, muss man fähig sein, dies zu erkennen, und weiterhin an das Produkt glauben.

«Die geplante Finanzierung einer Innovation ist wohl Grosskonzernen vorbehalten», erklärt Sulzer weiter. Die können es sich leisten, auf mehreren Entwicklungen Kapital einzusetzen, um mit einer Entwicklung den Durchbruch zu erreichen. Für KMU sei die planmässige Finanzierung von Innovationen eher schwierig. Innovation bedeutet ja gerade, dass man sich auf Neuland begibt. Schwierig, da Prognosen aufzustellen.

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