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Luzerner Insektenfirma steht zum Verkauf

Das Interesse war gross, als vor einem Jahr die ersten Grillen, Mehlwürmer und Heuschrecken in den Esswarenregalen standen. Die Produzentin Entomos kam dennoch nie richtig auf Touren. Jetzt soll sie verkauft werden.
Livio Brandenberg
Das Unternehmen Entomos AG züchtet unter anderem Mehlwürmer.Bild: Pius Amrein (Grossdietwil, 3. August 2016)

Das Unternehmen Entomos AG züchtet unter anderem Mehlwürmer.Bild: Pius Amrein (Grossdietwil, 3. August 2016)

80 Tonnen waren das Ziel. So viele essbare Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer wollte die En­tomos AG aus Grossdietwil pro Jahr verkaufen. Im Herbst vor einem Jahr ging es los, die ersten Insekten landeten in den Regalen. Der Hype war gross, doch bereits kurz nach dem Verkaufsstart nahm das Interesse ab. Nun gibt es erste Anzeichen einer Bereinigung in der noch jungen Branche: Der Mutterkonzern von En­tomos, die Andermatt-Gruppe, will das Unternehmen verkaufen.

Martin Andermatt, CEO der Andermatt-Gruppe, bestätigt auf Anfrage einen Bericht der Nachrichtensendung «10 vor 10». Mehr könne er zu den Plänen allerdings nicht sagen. Dies nachdem er Fragen zum geplanten Verkauf beantwortete, seine Antworten aber zurückzog, um möglichen Konflikten in Bezug auf die laufenden Verkaufsverhandlungen vorzubeugen. Gemäss eigenen Angaben hätten bereits «zahlreiche Firmen und Investoren ihr Interesse am Kauf bekundet». Man befinde sich mitten in den Verhandlungen und werde wieder informieren, sobald diese abgeschlossen seien.

Neu verkauft auch die Migros Insekten

Als offiziellen Grund für die Verkaufspläne gibt die Andermatt-Gruppe an, sie habe feststellen müssen, dass sie «zu wenig nahe an den richtigen Verkaufskanälen» sei. Man habe realisiert, dass die Produktion von Speiseinsekten nicht zu den Kerntätigkeiten der Firmengruppe gehöre. Die in Europa, Amerika und Südafrika tätige Andermatt-Gruppe ist spezialisiert auf biologischen Pflanzenschutz. Die Entomos AG hat im Jahr 2009 mit der Produktion von Tierfutter angefangen, seit gut einem Jahr produziert das Unternehmen auch Speiseinsekten. Damit nahm die Firma aus Grossdietwil im Bereich Lebensmittelinsekten die Pionierrolle ein und wurde rasch zur grössten Produzentin in der Schweiz.

Dabei hat Entomos stets auch auf die Unsicherheiten des neuen Marktes hingewiesen, ging aber davon aus, dass rund 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung an Speiseinsekten interessiert sind. Wenn also pro Person im Schnitt 100 Gramm konsumiert würden, ergäbe dies ein Marktvolumen von 80 Tonnen. Davon ist En­tomos weit entfernt. Ein Grund könnte der Preis sein: Von Anfang an war klar, dass die ausländische Konkurrenz die Mehlwürmer, Grillen und Heuschrecken deutlich günstiger anbieten kann. Ein Kilo Mehlwürmer aus der EU kostet rund 30 Franken. Der Kilopreis für Grillen liegt bei rund 120 Franken, für Heuschrecken bei rund 160 Franken.

Schweizer Insekten sind drei- bis fünfmal teurer. So kauft etwa die Migros – bei der seit zwei Tagen ebenfalls Würmer, Grillen und Heuschrecken in den Regalen grosser Filialen stehen – direkt bei einem holländischen Lieferanten ein. Und auch der zweite Schweizer Grossverteiler greift (indirekt) auf ausländische Produktion zurück: Coop ist seit rund einem Jahr Kunde beim Zürcher Start-up Essento. Dieses wiederum bezieht seine Ware bisher vorwiegend aus der EU, etwa Holland und Belgien, wie auch von Schweizer Produzenten.

Hohe Kosten wegen kleiner Nachfrage

Seit dem 1. Mai 2017 ist der Verkauf von essbaren Insekten in der Schweiz erlaubt. Absatzzahlen sind jedoch nicht in Erfahrung zu bringen. Bekannt ist, dass En­tomos stets nur einen Bruchteil der geplanten Mengen herstellen konnte. Weil die grosse Nachfrage ausblieb, konnten die Tiere auch nicht in grösseren Mengen produziert werden, was die Kosten höher hielt.

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