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Insiderhandel: Jahrzehntelang nur ein Kavaliersdelikt

Roman Schenkel

Gesetzesverschärfung Sanktionen wegen Insiderhandels sind selten: Bei der gestern bekannt gewordenen Massnahme hat die Finma aber hart durchgegriffen. Vieles deutet darauf hin, dass es sich dabei um Hans Ziegler handelt (siehe oben). Es ist damit einer der spektakulärsten Fälle, der an der Insiderstrafnorm hängen bleibt. Insiderfälle haben in der Schweiz immer wieder für Furore gesorgt. Verurteilungen blieben aber meist aus. Der prominenteste Fall von Insiderhandel in der Schweiz, der zu einer Verurteilung führte, betraf den ehemaligen Schweiz-Chef von Ernst & Young, Marcel Maglock. Er erhielt Anfang 2005 eine bedingte Gefängnisstrafe von zwei Monaten und musste 11 000 Franken des unerlaubt erzielten Gewinns abgeben. Maglock hatte von einer Transaktion beim Baukonzern Hilti erfahren. Über seinen Vermögensverwalter erwarb er Papiere. Diese stiess er nach einem starken Kursanstieg mit Gewinn ab.

Zahlreiche andere Fälle mit prominenten Personen endeten jedoch mit Freisprüchen, so etwa eine Anklage wegen Insiderhandels gegen den Financier Martin Ebner im Jahre 2003 oder der Fall des von den Zürich-Versicherungen entlassenen Finanzchefs Markus Rohrbasser im Jahr 2000. Im Ausland hingegen kamen Wirtschaftsführer wegen Insiderhandels an die Kasse: Der Zementindustrielle Thomas Schmidheiny etwa wurde 2003 in Spanien zu einer Busse von knapp 1,5 Millionen Euro verurteilt. Ende der Achtzigerjahre wurde der Schwede Christian Norgren als ABB-Verwaltungsrat des Insiderhandels überführt. Er wurde damals als Präsident der Bank in Liechtenstein und bei der Fürst-von-Liechtenstein-Stiftung, die das Privatvermögen des Fürsten verwaltet, fristlos entlassen.

In der Schweiz galt Insiderhandel jahrzehntelang als Kavaliersdelikt und wurde gar nicht geahndet. Die erste Strafnorm von 1988 war ein Papiertiger. Die Schweiz führte diese nur auf Druck der USA ein. Diese verfolgten US-Bürger, die über Schweizer Banken Insidertransaktionen tätigten. Sie drohte den Schweizer Banken mit Geschäftsverbot in Übersee. Erst 2008 wurde die Gesetzgebung verschärft. Seitdem ist das Ausnützen von vertraulichen kursrelevanten Informationen verboten.

Bundesanwaltschaft erhöht Tempo

Börsendelikte aufzudecken, bleibt aber schwierig. Zu oft gibt es lediglich Indizien, die nötigen Beweise fehlen. Geahndete Börsendelikte gab es deshalb wenige. Zwischen 1998 und 2011 gab es lediglich elf Insider-Urteile. Seit 2013 sind nicht mehr die Kantone für die Strafverfolgung zuständig, sondern die Bundesanwaltschaft. Diese hat das Tempo erhöht: Laut Bundesanwaltschaft wurden seit 2013 acht Verfahren wegen Insiderhandels rechtskräftig abgeschlossen. Es handelt sich dabei um sechs Strafbefehle und zwei Urteile des Bundesstrafgerichts.

Dass die Fälle überhaupt zur Anklage kommen, dafür sorgt unter anderem die Überwachung der Börsentransaktionen. Die von der Schweizer Börse unabhängige Handelsüberwachungsstelle SIX Exchange Regulation investiert viel in das Auffinden von verdächtigen Transaktionen. 15 Personen arbeiten in der Einheit Handelsüberwachung. Eine Software prüft sämtliche Transaktionen, die an der Schweizer Börse getätigt werden, dahingehend, dass zum Beispiel das Ausnützen von Insiderinformationen oder Marktmanipulationen aufgedeckt werden können. «Hinweise können dabei insbesondere auffällige Käufe und Verkäufe in Kombination mit Ankündigungen von Unternehmensnachrichten liefern», sagt SIX-Sprecher Stephan Meier.

Roman Schenkel

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