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INSIDERHANDEL: Obersanierer Hans Ziegler in Nöten

Der gefallene Starmanager ist anscheinend der bisher grösste Insiderfall der Finanzmarktaufsicht (Finma). Jetzt ermittelt die Bundesanwaltschaft. Das Strafverfahren könnte für Ziegler mit einigen Jahren Gefängnis enden.
Daniel Zulauf
Hans Ziegler scheint sein Wissen als Sanierer konsequent zum privaten Börsenhandel genutzt zu haben. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Hans Ziegler scheint sein Wissen als Sanierer konsequent zum privaten Börsenhandel genutzt zu haben. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone)

Daniel Zulauf

Für den perfekten Skandal fehlte in der gestrigen Medienmitteilung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) nur noch ein Name. Wer ist dieser «ehemalige Verwaltungsrat verschie­dener bekannter Schweizer Industrieunternehmen», der in den Jahren 2013 bis 2016 «wiederholt und systematisch» privilegierte Informationen aus den Unternehmen, in denen er als Organ tätig war, ausgenützt hatte, um von den zu erwartenden Kursbewegungen der Titel zu profitieren? Eigentlich kann es sich bei dieser Person fast nur um den 64-jährigen Zürcher Hans Ziegler handeln.

Gegen den umtriebigen Manager, der sich vom Buchhalter zum Obersanierer der Schweizer Firmenlandschaft hochgearbeitet hatte, läuft bereits seit dem vergangenen November eine Strafuntersuchung der Bundesanwaltschaft. Die Behörde wurde aufgrund einer Strafanzeige der Finma wegen Insiderhandels aktiv. Und das in der Medienmitteilung der Finma beschriebene Täterprofil passt so exakt auf Ziegler, dass eine Verwechslung wohl eher in den Bereich der theoretischen Möglichkeit gehört.

Sofortiger Rücktritt aus Unternehmen

Ziegler sass bis im November in den Verwaltungsräten der beiden vom russischen Investor Viktor Vekselberg und dessen Renova Management AG kon­trollierten Gesellschaften OC Oerlikon und Schmolz+Bickenbach, und an beiden Orten gab er sofort den Rücktritt bekannt. Auch beim Augsburger Roboterhersteller Kuka verliess Ziegler am 2. Dezember per sofort seinen Sitz im Aufsichtsrat. Auf diesen Posten kam er 2015 über das Verwaltungsratspräsidium der Logistikfirma Swisslog, die von Kuka übernommen wurde. Von 2012 bis 2015 war Ziegler auch Verwaltungsratspräsident beim gescheiterten Kleiderhändler Charles Vögele, der inzwischen für einen Pappenstiel in die Hände des italienischen Modekonzerns OVS übergegangen ist. Und schliesslich besitzt Ziegler mit der in Feusisberg ansässigen Beratungsfirma Think & Act auch eine eigene Aktiengesellschaft – genauso wie dieser behördlich anonymisierte «ehemalige Verwaltungsrat», der eine solche AG kontrollierte, die ebenfalls «Gegenstand des Verfahrens» war.

Auch das Beratungsgeschäft gibt ­bekanntermassen Raum für Insider­geschäfte, und Ziegler scheint sich dort ebenso grosszügig seines Informationsvorsprungs gegenüber gewöhnlichen Anlegern bedient zu haben wie in seinen ehemaligen Organfunktionen. Die ­Finma fand jedenfalls «zahlreiche ­Hinweise» darauf, dass die Person auch ­Insiderinformationen aus dem eigenen beruflichen Netzwerk ausnützte, um ­damit «beträchtliche Investitionen und damit verbundene Gewinne» zu erwirtschaften.

Maximierung des eigenen Profits

In welchen Titeln Ziegler sein Unwesen getrieben haben könnte, ist nicht bekannt. In Finanzmarktkreisen kursiert ein Gerücht, der Finanzspezialist habe sich im Vorfeld der im vergangenen Jahr erfolgten Übernahme des Industrieunternehmens Looser durch den Ostschweizer Bauausrüster Arbonia mit ­Titeln eingedeckt und damit die vom ­Käufer bezahlte Prämie zum damaligen Börsenkurs von nahezu 40% eingestrichen. Solche Transaktionen gehörten jedenfalls zu seinem Programm: Er habe vor der Bekanntgabe von Ereignissen wie Übernahmen, positiven Geschäftsergebnissen oder dem Verkauf von Unternehmensteilen Positionen aufgebaut und damit positive Kursverläufe vorweggenommen, schreibt die Finma. Gelegenheiten dazu gab es in der frag­lichen Zeit einige. OC Oerlikon und Schmolz + Bickenbach mussten tiefgreifende Sanierungsprogramme ergreifen, die auch zu grossen Ausschlägen in den Börsenkursen führten. Auch die Kuka-Kurse schlugen kräftig aus, nachdem im Mai 2016 die chinesische Firma Midea ein Übernahmeangebot angekündigt hatte. Doch der Insider trachtete als Verwaltungsrat auch dann nach der Maximierung seines persönlichen Profits, wenn die Kurse seines Unternehmens fielen. Gelegenheiten dazu hätte es auch im Fall Charles Vögele viele gegeben.

Aufenthalt? Irgendwo im Schwarzwald

Elfmal soll der ehemalige Verwaltungsrat seiner Gier freien Lauf gelassen haben und mit Insidergeschäften in sechs verschiedenen Titeln insgesamt 1,4 Millionen Franken an Gewinnen eingefahren haben. Diese Gewinne hat die Finma nun eingezogen. Jetzt droht ein Straf­verfahren der Bundesanwaltschaft, das auch mit einigen Jahren Gefängnis ­enden könnte. Ziegler soll sich, so hört man, irgendwo jenseits des Rheins im Schwarzwald aufhalten.

Auf die Frage, ob ein Rechtshilfeverfahren hängig sei, wollte die Schweizer Bundesanwaltschaft keine Antwort geben. Seit der Verschärfung der Schweizer Insiderstrafnorm im Jahr 2013, in deren Zusammenhang auch die Zuständigkeit für die Strafverfolgung in Bern zentralisiert wurde, hat die Bundesanwaltschaft acht Insiderverfahren rechtskräftig abgeschlossen, es kam zu sechs Strafbefehlen und zu zwei Urteilen.

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