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INTERNET: Hüterin des Heiligen Grals

Seit Jahrzehnten betreibt die Stiftung Switch die kritische Infrastruktur für Schweizer Internetadressen. Nun kommt sie erneut zum Handkuss. Die Verlierer geben aber nicht auf.
Maurizio Minetti
Hier laufen auch in Zukunft die Fäden zusammen: im Switch-Hauptgebäude in Zürich. Die Stiftung verwaltet weiter alle .ch-Internetadressen. (Bild: PD)

Hier laufen auch in Zukunft die Fäden zusammen: im Switch-Hauptgebäude in Zürich. Die Stiftung verwaltet weiter alle .ch-Internetadressen. (Bild: PD)

Maurizio Minetti

Das Internet ist ein undurchsichtiges Gebilde. Wer sich ins WWW einloggt, taucht in eine Welt voller Videos, Bilder und Texte. Was sich aber hinter der bunten Fassade versteckt, bleibt in der Regel verborgen. Eine für das Funktionieren des Internets wesentliche Infrastruktur ist die Verwaltung der Domainnamen. Eine Domain ist nichts anderes als eine Adresse wie zum Beispiel luzernerzeitung.ch oder google.ch. Von diesen Adressen gibt es weltweit über 300 Millionen. Pro Quartal kommen 3 Millionen neue Domains hinzu. Angesichts dieser Zahlen ist klar, dass es eine Instanz braucht, welche diese Adressen in einer Datenbank verwaltet.

Switch gewinnt Ausschreibung

In der Schweiz übernimmt diese Rolle seit 1987 die Stiftung Switch. Sie verwaltet derzeit rund 2 Millionen registrierte Internetadressen, die mit .ch enden (siehe Grafik). Diese nationale Datenbank der .ch-Domainnamen zu betreiben, ist keine einfache Aufgabe. Es geht darum, die elektronische Verknüpfung mit dem weltweiten Domainnamen-System (DNS) sicherzustellen. Die Anforderungen zur Sicherstellung der Stabilität und der Sicherheit sind sehr hoch; es braucht Personal für den Betrieb der entsprechenden technischen Infrastruktur. Die Registerbetreiberin ist ausserdem verpflichtet, Massnahmen zur Bekämpfung der Cyberkriminalität zu treffen und die Sicherheit des Systems sicherzustellen. Der Verkauf von Domains generiert jedes Jahr einen Umsatz von 15 bis 20 Millionen Franken. Unter dem Strich verdient Switch aber nicht viel daran. Ausserdem ist es wichtig, zu verstehen, dass Switch seit 2015 nicht mehr die Endkunden direkt bedient, sondern nur noch Grosshändler ist (siehe Box).



Vertrag bis 2022

Über Jahre hinweg erfüllte die Stiftung Switch diese sogenannte Registry-Funktion zufriedenstellend. Anfang dieses Jahres hat das Bundesamt für Kommunikation (Bakom) die Aufgabe aber erstmals öffentlich ausgeschrieben, weil der Vertrag mit Switch im Sommer 2017 ausläuft. An der Ausschreibung durften nur in der Schweiz ansässige Unternehmen teilnehmen, die in keinem Abhängigkeitsverhältnis zu einem fremden Rechtssystem stehen, «das eine exzessive Datenherausgabe verlangt», so das Bakom. Gewonnen hat die Ausschreibung wiederum die Stiftung Switch, wie das Bakom vor einer Woche bekannt gegeben hat. Switch habe die höchste Gesamtpunktzahl erreicht. Ihr Angebot habe sich «durch ein ausgezeichnetes Konzept zur Bekämpfung der Cyberkriminalität und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis von den übrigen Offerten» abgehoben. Sie bleibt nun für die Verwaltung der .ch-Domains bis 2022 verantwortlich. Der Vertrag kann danach um fünf weitere Jahre verlängert werden.

Mitbewerber geht über die Bücher

Unerwähnt bleibt in der entsprechenden Mitteilung des Bakom, dass neben der Stiftung Switch auch die Registrar Alliance ein Angebot eingereicht hatte. Dabei handelt es sich um eine 2013 gegründete Allianz von Schweizer Internetprovidern wie etwa Hostpoint, Infomaniak, MHS Internet oder Cyon. Geschäftsführerin der Registrar Alliance ist die Zuger Rechtsanwältin Nicole Beranek. «Wir bedauern, dass der Community-Gedanken nicht stärker gewichtet wurde. Offenbar hatten Security-Aspekte und Nationalkolorit Vorrang», sagt Beranek. Man werde demnächst eine ausserordentliche Generalversammlung durchführen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Die als Genossenschaft organisierte Allianz hätte nicht über die nötige Infrastruktur verfügt. Sie hätte für den Betrieb der Registry auf den irischen Internetdienstleister Afilias als technischen Partner gesetzt. «Wir hätten die Software aber in einem Schweizer Rechenzentrum betrieben, damit wäre es eine hundertprozentige Schweizer Lösung gewesen», sagt Matthias Hertzog, Präsident der Registrar Alliance und Chef des St. Galler Providers MHS Internet. Seinen Aussagen zufolge hat das Angebot der Allianz in den Kernpunkten die volle Punktzahl erreicht. Ungenügend sei die eigene Offerte aber bei Security-Dienstleistungen gewesen. Damit ist zum Beispiel gemeint, dass ein Domainnamen-Verwalter Schadsoftware auf Websites entdecken und entfernen muss.

Das Bakom bestätigt auf Anfrage, dass Switch mit den Massnahmen zur Bekämpfung der Cyberkriminalität gepunktet habe. «Hier müssen wir für das nächste Mal nachbessern», sagt Hertzog selbstkritisch. Ob es ein «nächstes Mal» geben wird, ist allerdings noch unklar. Das Bakom formuliert es so: «Die Modalitäten einer erneuten Delegation der Registerfunktion nach fünf oder zehn Jahren werden zum gegebenen Zeitpunkt entsprechend den geltenden gesetzlichen Bestimmungen festgelegt.» Auch kann der Entscheid von vergangener Woche nicht angefochten werden, da es sich nicht um eine klassische Beschaffung von Gütern oder Dienstleistungen, sondern um die Übertragung einer öffentlichen Aufgabe handle, erklärt das Bakom.

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