INTERNET: So werden Bewerber durchleuchtet

Wer sich um einen neuen Job bewirbt, sollte auch seinen Auftritt im Internet herausputzen. 70 Prozent aller Schweizer Unternehmen überprüfen die Onlineprofile ihrer Bewerber.

Daniel Schriber
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Um sich ein Bild von ihren Bewerbern zu machen, durchforsten immer mehr Firmen auch Karriere- und soziale Netzwerke im Internet. (Bild: Getty)

Um sich ein Bild von ihren Bewerbern zu machen, durchforsten immer mehr Firmen auch Karriere- und soziale Netzwerke im Internet. (Bild: Getty)

Wer sich bei der Luzerner Kantonalbank (LUKB) um eine Stelle bewirbt, sollte besser keine dunklen Geheimnisse haben. Zumindest nicht solche, die per Mausklick ans Tageslicht kommen können. So fordert die Bank von einem potenziellen Arbeitnehmer nicht nur einen aktuellen Strafregisterauszug, sie informiert sich auch im Internet über den Bewerber. Wie Daniel von Arx, Leiter Kommunikation, erklärt, sucht die Personalabteilung der LUKB regelmässig via Google und soziale Netzwerke nach Informationen zum persönlichen Hintergrund der Stellenkandidaten. Laut von Arx beschränkt sich dieser Backgroundcheck auf frei zugängliche Websites und Business-Netzwerke wie Xing oder Linkedin – «auf Facebook oder Twitter suchen wir in der Regel nicht nach Informationen».

Schlechtes Foto, schlechte Chancen

Die Recherche im Internet sei im Bewerbungsprozess ein Puzzleteil von vielen, so von Arx. Eines aber, das immer entscheidender werden dürfte. «An einen Bankmitarbeiter werden hohe Anforderungen im Bezug auf die persönliche Integrität gestellt.» Das heisst im Klartext: Findet die LUKB im Netz unpassende Fotos, heikle Blog-Einträge oder andere unpassende Informationen über einen Kandidaten, verringern sich dessen Chancen auf die Wunschstelle wesentlich. Gemäss von Arx gehe es bei der Internetrecherche jedoch nicht nur darum, heikle Einträge zu finden. «Bewirbt sich jemand bei uns als Webmaster, schauen wir uns natürlich seine eigene Website an.» Überzeugt diese nicht, hat der Kandidat schlechte Karten.

Roche schaut sich die Profile an

Die Luzerner Kantonalbank steht mit ihren Internetrecherchen längst nicht allein da. Gemäss dem aktuellen Trendreport der Prospective Media Services AG überprüfen rund 70 Prozent aller Unternehmen in der Schweiz mindestens gelegentlich die Profile von Bewerbern in sozialen Netzwerken. So setzt zum Beispiel auch die Roche Diagnostics International AG in Rotkreuz auf Backgroundchecks.

Oliver Frei ist Talentscout bei Roche und als solcher zuständig für die Rekrutierung neuer Mitarbeiter. «Die meisten Kandidaten verfügen heute über ein ausführliches Profil auf Xing oder Linked­in. Diese Plattformen prüfen wir deshalb regelmässig.» Andere Netzwerke wie Facebook würden nicht systematisch gecheckt. «Wir respektieren die Privatsphäre der Bewerber», so Frei. Dieser Eingriff in die Privatsphäre der Bewerber ist auch der Grund, weshalb Backgroundchecks nicht überall einen guten Ruf haben und mancherorts als Ausdruck einer Misstrauenskultur gelten.

Emmi und Swisscom verzichten

Bei der Swisscom etwa sind Onlinerecherchen kein Thema. «Backgroundchecks sind nicht die Art, wie wir mit Bewerbern umgehen wollen», sagte dazu kürzlich Alexander Senn, der Verantwortliche für die Swisscom-Mitarbeiterrekrutierung, gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Senn stellt unter anderem die Aussagekraft der Infos aus dem Netz in Frage. «Ich kenne ja die Umstände nicht, unter denen sie entstanden sind.»

Ähnlich sieht es beim Luzerner Milchverarbeiter Emmi aus. Facebook-Profilen werde in der Rekrutierungsarbeit wenig Bedeutung geschenkt, erklärt Mediensprecherin Sibylle Umiker auf Anfrage. «Emmi vertritt die Haltung, dass die Aussagekraft dieser privaten Inhalte für die Rekrutierungsarbeit sehr bescheiden ist.» Nur in Ausnahmefällen werde nach dem ersten Gespräch allenfalls ein privates soziales Netzwerk wie Facebook angeschaut.

Kandidaten werden informiert

Auch die Luzerner Stadtverwaltung verzichtet «in den allermeisten Fällen» auf Backgroundchecks im Netz, wie André Fallet, Personalbereichsleiter bei der Stadt Luzern, erklärt. «Nur bei allfälligen Unsicherheiten bezüglich eines Bewerbers werden Backgroundchecks durchgeführt. Dies jedoch aus Datenschutzgründen in vorheriger Absprache mit den Bewerbenden», so Fallet.

Mit Backgroundchecks ist man auch bei der Jörg Lienert AG vertraut. Das Luzerner Unternehmen sucht und selektioniert Fach- und Führungskräfte im Mandat für andere Unternehmen. Bei der Besetzung verantwortungsvoller Führungspositionen setzt die Jörg Lienert AG systematisch auf solche Onlinerecherchen. Gemäss Geschäftsführer Markus Theiler sei dies durchaus ein adäquates Mittel, um an zusätzliche Informationen über einen potenziellen Kandidaten zu gelangen.

Vor Gespräch selber googeln

«Die Kandidaten werden jedoch in jedem Fall über mögliche Internet­recherchen aufgeklärt», sagt Markus Theiler. Er empfiehlt zudem jedem Bewerber, sich im Vorfeld eines Vorstellungsgesprächs einmal selber zu googeln. «So finden die Kandidaten heraus, welche Inhalte über sie im Netz gefunden werden und welchen Eindruck sie vermitteln.»

Die Unternehmen nutzen die sozialen Netzwerke aber nicht nur, um potenzielle Kandidaten zu durchleuchten, sondern auch, um aktiv nach Fachkräften zu suchen. Emmi und Roche bestätigen auf Anfrage, dass sie im Internet aktiv potenzielle Mitarbeiter ansprechen. «Wir suchen gezielt potenzielle Mitarbeitende, beispielsweise für administrativ orientierte Funktionen, via Xing», sagt dazu Emmi-Sprecherin ­Sibylle Umiker. Bei produktionsinternen Berufsbildern würden die Social-Media-Netzwerke jedoch kaum eine Rolle spielen.

Bewerber sind bestens informiert

Übrigens: Es sind längst nicht mehr nur die Unternehmen, die sich im Internet über ihre möglichen Kandidaten informieren. Auch viele der Bewerber wissen dank Netzwerken wie Kununu, Xing, Linkedin, Facebook oder aus den mittlerweile informativen Firmen-Websites heute sehr genau, für wen sie in Zukunft möglicherweise arbeiten. «Die heutigen Bewerber, vor allem im Kadersegment, sind in der Regel hervorragend informiert», sagt dazu André Fallet von der Stadt Luzern. «Dadurch kann man sich bereits im ersten Gespräch aufs Wesentliche konzentrieren.»