Internet
Internettraffic bricht nach Google-Kurzausfall ein

Die weltweiten Seitenaufrufe sind deutlich zurückgegangen, weil die Suchmaschine ein paar Minuten stillstand

Marc Fischer
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Weltweite Vernetzung: Rechenzentrum eines Cloud-Anbieters.HO

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In der Nacht auf Samstag ging bei Google plötzlich gar nichts mehr. Weder die Suchmaschine noch die Zusatzprogramme wie Googles kostenloses Mailprogramm Gmail machten einen Wank. Sämtliche Dienste des grössten Internet-Suchanbieters standen still.

Auf der Seite für Leistungsinformationen für Google Apps-Services wurde am Samstagmorgen, kurz nach halb zwei die Meldung aufgeschaltet, dass Fehlermeldungen angezeigt würden oder ein unerwartetes Verhalten auftrete.

Auch die übrigen 15 Dienste vermeldeten die gleichen Probleme. Der Ausfall geschah gemäss des Technologie-Newsportals «Venture Beat» um 00:50 Schweizerzeit und dauerte fünf Minuten. An der Pazifikküste in den Vereinigten Staaten war es zehn vor vier Freitagnachmittag. Das heisst: Der Internettraffic war im vollen Gang.

Der Ausfall hinterliess denn auch Spuren. Um 40 Prozent sind die globalen Seitenaufrufe eingebrochen. Dies zeigen Zahlen des britischen Internetanalyse-Unternehmens GoSquared (siehe Grafik). Gleichzeitig verfünffachten sich die Meldungen auf dem Nachrichtendienst Twitter, wie Daten des Analysedienstes Topsy zeigten.

70 Prozent Fehlermeldungen

Nach fünf Minuten war der Spuk vorbei. «Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und danken Ihnen für Ihre Geduld und fortwährende Unterstützung», so Google später. Gemäss dem kalifornischen Technologie-Unternehmen haben 50 bis 70 Prozent der Anfragen Fehlermeldungen erhalten. Die Dienste seien nach einer Minute grösstenteils behoben und nach vier Minuten komplett wieder hergestellt gewesen. Was genau das Problem war, wollte Google gestern auf Anfrage nicht sagen.

Gemäss einfachen Rechnungen von «Spiegel Online» könnte der Ausfall Google in vier Minuten einen Verlust von 432 000 Dollar beschert haben. Denn gemäss den Geschäftszahlen vom zweiten Quartal 2013 verdient der Internetgigant jede Minute 108 000 Dollar durch Seitenaufrufe.

Die Nutzergemeinde machte sich andere Sorgen: «Haben wir das Ende des Internets erreicht?», fragte eine Nutzerin auf Twitter. Angesichts der sich rapide ausweitenden Datenmenge, die die Nutzer von Computern, Smartphones, iPads und bald auch von Google-Brillen, die Ende 2013 auf den Markt kommen sollen, produzieren, scheint das gar nicht so abwegig.

Ein Insider winkt ab. Zwar habe der Internet-Adressraum 4 (IPv4) mit seinen 3,7 Milliarden Adressen, die Computer und andere Geräte verwenden, um miteinander zu kommunizieren, tatsächlich bald seine Grenze erreicht. Aber die Internet Protocol Version 6 (IPv6) wird so viele neue Adressen bringen, dass man auf jedem Quadratmillimeter der Erde mit 6,7 mal 1017 Geräten operiert kann – also mit sehr vielen Geräten.

Überflüssige Daten eliminieren

Zudem weiteten sich die Bandbreiten, auf denen digitale Daten durchs weltweite Netz geschickt werden, ständig aus. Auch sogenannte Cloud-Dienste würden helfen, überflüssigen Datenverkehr im globalen Datennetz zu eliminieren und das Internet effizienter zu machen. Wie der Überwachungsskandal beim US-Geheimdienst NSA zeige, würden die Grenzen des Internets derzeit sowieso mehr durch politische als durch technologische Dimensionen bestimmt.