INVESTITIONEN: Bereit sein für den Aufschwung

Die Stimmung bei den Firmen hat sich etwas aufgehellt. Aufgeschobene Investitionen sollen jetzt umgesetzt werden. Das zeigt das Beispiel des Zahnbürstenherstellers Trisa in Triengen.

Lukas Scharpf
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Trisa-Chef Adrian Pfenniger will in Triengen 10 Millionen Franken in ein neues ­Hochregallager investieren. Das Bild zeigt ihn in der Zahnbürstenproduktion des Unternehmens. (Bild: Archiv Neue LZ)

Trisa-Chef Adrian Pfenniger will in Triengen 10 Millionen Franken in ein neues ­Hochregallager investieren. Das Bild zeigt ihn in der Zahnbürstenproduktion des Unternehmens. (Bild: Archiv Neue LZ)

«Man muss in der Krise mit den ­Investitionen beginnen, um beim Aufschwung bereit zu sein», sagt Adrian Pfenniger. Der Chef der Trisa AG in Triengen blickt im laufenden Jahr deutlich optimistischer in die Zukunft als 2012. Die Hälfte der Krise, glaubt Pfenniger, habe man hinter sich. Diese Einschätzung schlägt sich bei den geplanten Investitionen deutlich nieder. Bereits Ende Januar gab der Hersteller von Zahnbürsten bekannt, ein im Sommer 2011 auf Eis gelegtes Projekt für ein neues Hochregallager im Wert von 10 Millionen Franken wieder anzu­stossen.

10 Prozent mehr Investitionen

Trotz der grossen Unterschiede zwischen den Unternehmen und Branchen wollen die Schweizer Firmen 2013 generell mehr investieren als im letzten Jahr. Das zeigen die Antworten von Unternehmen auf eine Umfrage der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH Zürich (siehe Grafik). Gemäss den Planungen der Unternehmen könnten die Investitionen um etwa 10 Prozent steigen, nachdem sie 2012 um 1 Prozent gesunken waren. An der Investitionsumfrage beteiligten sich rund 1800 Firmen aus der ganzen Schweiz.

In der Industrie und auch im Dienstleistungssektor erwartet man ein Plus von rund 9,5 Prozent. Der Zuwachs sei vor allem auf das Nachholen aufgeschobener Investitionen zurückzuführen, so das KOF in seiner Erklärung. Im Baugewerbe wird ein Rückgang von 4,5 Prozent der Investitionen erwartet, nachdem diese letztes Jahr um 8 Prozent zunahmen. Grundsätzlich gelte, so das KOF, dass die Unternehmen ihre Investitionen in Ausrüstungen stärker erhöhen wollen als die in Bauten.

Geplant ist nicht gebaut

Zugenommen haben aber nicht nur die geplanten Investitionen, sondern auch die Unsicherheit, ob diese tatsächlich realisiert werden können. Das bestätigt auch Michael Fahrni von der Credit Suisse. «Es wird sich im Laufe des Jahres weisen, ob die geplanten Investitionen tatsächlich getätigt werden», sagt der Leiter KMU-Geschäft der Region Zentralschweiz. Als Kreditgeber haben die Banken einen guten Einblick in die geplanten Investitionen der Unternehmen. «Die Zentralschweizer Unternehmen dürften 2013 gemäss unseren Informationen mehr Investitionen tätigen als im Vorjahr. Oft sind diese konkret auftragsbezogen», sagt Fahrni.

«Zweiklassengesellschaft» hält an

«Wir beobachten eine insgesamt zurückhaltende Investitionsneigung in allen Branchen» sagt Flavio Ciglia, Leiter Firmenkunden National der Luzerner Kantonalbank, zur bleibenden Unsicherheit. «Es wird nur gemacht, was wirklich notwendig ist», sagt Ciglia. Anders gesagt werden nur betriebsnotwendige, nicht aufschiebbare oder produktivitätssteigernde Investitionen ausgelöst. Investitionen zur Kapazitätsausweitung würden meist aufgeschoben, so Ciglia.

Binnenorientierte investieren mehr

Viele Unternehmen würden Liquidität horten und abwarten. Die Zweiklassengesellschaft hält weiterhin an. Starke Firmen, die der Krise trotzen, können investieren. So kündete der Lifthersteller Schindler einen Neubau und Umbauten in der Höhe von 70 bis 80 Millionen Franken an.

«In binnenorientierten Bereichen wie im Bau und in der baunahen Industrie herrscht weiterhin eine hohe Investitionsneigung mit vielen geplanten Bauprojekten», sagt Reto Wangler, Regionaldirektor der UBS Zentralschweiz. Das tiefe Zinsniveau und speziell für die Zentralschweiz die Attraktivität als Wohnregion würden diese Entwicklung stützen, sagt Wangler. Aber auch der Immobilienmarkt zeigt erste Anzeichen für eine Verlangsamung. Laut Wangler dauert es im hohen Preissegment länger, bis ein Objekt verkauft wird. Beim Kauf ab Planung seien immer noch genügend Interessenten vorhanden, pro Wohnung sei die Zahl der Interessierten jedoch merklich zurückgegangen.

Lichtblicke in der MEM-Industrie

Schwierig bleibt die Situation insbesondere in der Metall-, Elektro- und Maschinenindustrie. Wie die LUKB sieht auch die UBS hier einen Fokus auf notwendige Ersatzinvestitionen und nur vereinzelt Investitionen in den Ausbau von Kapazitäten.

Auch die Credit Suisse weist auf die weiterhin rückläufigen Zahlen der in der Zentralschweiz stark vertretenen Maschinen- und Metallindustrie hin. Aber auch in dieser Branche zeigen sich erste Lichtblicke, wie die Umfrage des Branchenverbandes Swissmem bei ihren Mitgliedern zeigt. «Die Geschäftserwartungen für die nächsten 12 Monate sind, verglichen mit der letzten Umfrage vom Herbst, deutlich besser», sagt Ivo Zimmermann, Leiter Kommunikation der Swissmem. Rund 40 Prozent der Unternehmen rechnen mit mehr Aufträgen aus dem Ausland, verglichen mit 25 Prozent im Herbst. «Ein gewisser Optimismus ist spürbar», sagt Zimmermann.