INVESTMENTS: Vekselberg geht mehr Risiko ein

Millionen abschreiben oder von Grund auf neu starten: Nach langem Zögern hat Viktor Vekselberg seine Beteiligung an der Immobilienfirma Züblin ausgebaut. Jetzt geht es ans Aufräumen.

Hans-Peter Hoeren
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Der russische Milliardär Viktor Felixovich Vekselberg (57) mischt kräftig in der Schweizer Wirtschaft mit. Nicht alle Beteiligungen entwickeln sich aber zu seiner vollen Zufriedenheit. (Bild: Getty)

Der russische Milliardär Viktor Felixovich Vekselberg (57) mischt kräftig in der Schweizer Wirtschaft mit. Nicht alle Beteiligungen entwickeln sich aber zu seiner vollen Zufriedenheit. (Bild: Getty)

Das Strickmuster ist bekannt. Wieder einmal ist der Aktienkurs eines Unternehmens am Boden. Wieder einmal ist der russische Investor Viktor Vekselberg zur Stelle. Wieder einmal wird der Verwaltungsrat neu besetzt. Und wieder einmal wird ein enger Vertrauter Vekselbergs zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt. Es geht diesmal um den schlingernden Schweizer Immobilienkonzern Züblin. Dieser hat gestern an seiner ausserordentlichen Generalversammlung in Zürich den Vekselberg-Vertrauten Iosif Bakaleynik zum neuen Präsidenten gewählt. Drei Vertreter von Vekselbergs privater Holding Lamesa sitzen künftig mit drei unabhängigen Verwaltungsräten im Züblin-Verwaltungsrat.

Das erste Investment in der Schweiz

Manch einer mag sich an den Übernahmekampf beim Emmer Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach im vergangenen Jahr erinnert fühlen, doch der Vergleich hinkt. Anders als beim Stahlkonzern aus Emmen ist Vekselberg schon lange Investor bei Züblin. Es handelt sich um das erste Investment von Vekselberg in der Schweiz. Bei Züblin ist er nicht über seine Schweizer Beteiligungsgesellschaft Renova, sondern als Privatmann eingestiegen. Seit 2004 ist er an Züblin beteiligt. Lange Zeit mit rund 9,4 Prozent, dann waren es 16 Prozent. Im Juni hat er die Anteile auf 33 Prozent erhöht. Züblin ist eine der wenigen Schweizer Immobiliengesellschaften mit einem grösseren Immobilienportfolio im Ausland. Das Unternehmen kriselt seit längerem, sogar über eine Liquidation wurde nachgedacht. Die Aktie verlor zeitweilig über 80 Prozent an Wert, der SMI hingegen hat sich verdoppelt. Vekselberg hat mit seinem Züblin-Engagement viel Geld verloren. Entsprechend wurde deshalb über einen Ausstieg von Vekselberg im Frühjahr spekuliert.

«Züblin hat relativ viel Geld in Objekte in Frankreich investiert, die immer noch leerstehen. Um das zu kompensieren, sollte das Tafelsilber in der Schweiz verkauft werden. Das konnten wir nicht mittragen», erklärt Vekselberg-Sprecher Rolf Schatzmann. «Wir standen also vor der Frage, ob wir einen Totalabschreiber machen oder nicht. Letztlich haben wir uns entschieden, unseren Anteil aufzustocken.»

Züblin ist deutlich unterbewertet

Bei Züblin sei diese Aufstockung relativ geräuschlos über die Bühne gegangen – auch von Seiten der Aktionäre. Auch das ist ein Unterschied zu Schmolz+Bickenbach und manch anderen Schweizer Investments. Ob die Aufstockung der Anteile langfristig rentiert, muss sich weisen. Der innere Wert des Unternehmens ist allerdings um einiges höher als der aktuelle Börsenwert von rund 110 Millionen Franken. Der Buchwert der Anlageliegenschaften von Züblin lag Ende März diesen Jahres bei 791 Millionen Franken. «Züblin hat als international tätige Immobilien-Investitionsgesellschaft ein grosses Potenzial», betonte der neue VRP Iosif Bakaleynik denn auch gestern an der Generalversammlung. Allerdings werde der Weg dorthin lange und beschwerlich sein.

Der Erfolg vergleichbarer Mitbewerber zeige aber, dass man im Immobilienmarkt sehr gutes Geld verdienen könne, ergänzt Rolf Schatzmann. «Auf dem Schweizer Markt tut Züblin das im Übrigen auch», stellt Schatzmann klar.

Neben Züblin hält Vekselberg in der Schweiz auch Beteiligungen an den Industriekonzernen Oerlikon, Sulzer und Schmolz + Bickenbach. Auch bei Oerlikon und Sulzer kann Vekselberg mit der Entwicklung des Aktienkurses nicht zufrieden sein (siehe Grafik). Unstrittig ist aber, dass Oerlikon dank Vekselbergs Finanzspritzen vor einigen Jahren überlebt und operativ eine sehr erfreuliche Entwicklung genommen hat.

Schmolz + Bickenbach ist auf Kurs

Erfolgreich verlaufen ist allen Unkenrufen zum Trotz bisher auch die Entwicklung beim Emmer Stahlhersteller Schmolz + Bickenbach (S + B). Seit dem Einstieg von Vekselbergs Investmentvehikel Venetos legte die Aktie um 79 Prozent zu. Dank der Kapitalerhöhung im vergangenen Herbst konnten die Schulden reduziert werden. Die operativen Zahlen im ersten Quartal wurden deutlich verbessert, für das ganze Jahr werden erstmals seit längerem schwarze Zahlen angestrebt. Gemäss dem neuen CEO Clemens Iller hat S + B in den vergangenen Monaten grosse Fortschritte bei der Restrukturierung gemacht. Der Stahlkonzern habe sich komplett refinanziert. Die Laufzeit der neuen Kreditlinien liege bei 5 Jahren, zu deutlich verbesserten Kreditkonditionen.

«Die Zusammenarbeit zwischen dem Verwaltungsrat und dem Hauptaktionär ist in den vergangenen Wochen noch intensiver und vertrauensvoller geworden», ergänzt Edwin Eichler, der Verwaltungsratspräsident von Schmolz + Bickenbach. Venetos hält 2 der 7 Verwaltungsratsmandate. Der Verwaltungsrat und Venetos unterstützten die unternehmerische und strategische Ausrichtung voll. «Bei Venetos handelt es sich um sehr langfristig orientierte, strategische Investoren, die sich nicht ins operative Geschäft einmischen und der Konzernleitung vertrauen», sagt Eichler.

Weitere Akquisitionen geplant

Vekselbergs Appetit an Beteiligungen in der Schweiz ist indes noch lange nicht gestillt. Im März wurde der ehemalige Siemens-Chef Peter Löscher als operativer Chef von Renova vorgestellt. Er sitzt mit dem ehemaligen Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, auch im Verwaltungsrat von Renova. Löschers Aufgabe ist es, Wachstumschancen im Ausland und im Inland zu ergreifen und Akquisitionen zu tätigen. «Wir suchen Wachstumsmöglichkeiten in den Branchen, in denen wir schwerpunktmässig tätig sind», bestätigt Vekselberg-Sprecher Rolf Schatzmann. Dazu zählten die Industrie, die Energie- und die Telekombranche, aber auch Bereiche wie Städteplanung und Hightech-Unternehmen.