INVESTOR: Hauptaktionär überrascht die Chefetage

Vom Interesse Vekselbergs am Stahlkonzern wurde auch die Konzern- leitung überrascht. Nun geht es auch um Schadensbegrenzung, andere Investoren könnten sich benachteiligt fühlen.

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Der Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach, hier ein Blick in die Produktion in Emmenbrücke, könnte finanzielle Hilfe vom Investor Victor Vekselberg bekommen. (Bild Pius Amrein)

Der Stahlkonzern Schmolz + Bickenbach, hier ein Blick in die Produktion in Emmenbrücke, könnte finanzielle Hilfe vom Investor Victor Vekselberg bekommen. (Bild Pius Amrein)

Schmolz + Bickenbach braucht Geld.Die hohe Verschuldung des Herstellers von Spezialstahl ist kein Geheimnis, wenn auch die Liquidität mit Kredit-linien von 930 Millionen Franken für die nächsten zwei Jahre gesichert ist. Analysten rechnen seit längerem mit einer Kapitalerhöhung, zudem gibt es Spekulationen über den Verkauf von Firmenteilen. Der Ausweg liegt nun anscheinend auf beiden Gleisen. «In den nächsten drei bis vier Monaten stehen Überlegungen sowohl für eine mögliche Kapitalerhöhung mit einem finanzstarken oder strategischen Investor als auch ein gruppenweites Kostensenkungsprogramm an», sagte CEO Johannes Nonn gegenüber der «Handelszeitung» am letzten Donnerstag.

Das gleichentags bekannt gewordene Interesse des russischen Investors Viktor Vekselberg an einer Beteiligung am Konzern Schmolz + Bickenbach müsste eigentlich Freude in der Chefetage auslösen. Aber nicht die Konzernleitung, sondern die Beteiligungsgesellschaft des Hauptaktionärs Schmolz + Bickenbach GmbH & Co. KG hatte den Deal eingefädelt. «Wir wurden im Vorfeld nicht informiert», stellt CEO Nonn im Gespräch mit unserer Zeitung klar. Die KG hat mit der Firma Renova von Investor Vekselberg eine Exklusivvereinbarung im Hinblick auf eine Kapitalerhöhung abgeschlossen. «Daher kennen wir auch die Details nicht», sagt Nonn. In der Medienmitteilung des Konzerns vom Donnerstag sagte man denn auch nicht mehr, als dass der Verwaltungsrat die Vereinbarung «zur Kenntnis nehme». Als «etwas unterkühlt» taxiert die «Finanz und Wirtschaft» die Medienmitteilung in ihrer gestrigen Ausgabe. Trotzdem legte die Aktie gegenüber Anfang Woche um rund 20 Prozent zu. Mit 2.87 Franken bleibt der Titel aber im Keller. (Ende 2007: 54 Franken.)

Investorensuche läuft weiter

Die Konzernleitung ist bereits im Gespräch mit mehreren Investoren. Das Vorpreschen der KG mit der Renova könnte im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich andere Interessenten benachteiligt fühlen. Denn Schmolz + Bickenbach versucht, unter den potenziellen Investoren einen Wettbewerb zu schaffen, damit man an ein möglichst attraktives Angebot kommt. «Wir werden nun sehr schnell mit der Renova Kontakt aufnehmen um zu sehen, wie wir sie in den laufenden Prozess einbinden können», sagt Nonn. An einem Einstieg von Investor Vekselberg, der seinen Wohnsitz im Kanton Zug hat, ist man nicht uninteressiert. «Grundsätzlich sind wir offen für einen Investor wie Herrn Vekselberg. Kapitalgeber mit einem Industriehintergrund haben einen längeren Atem und die Erfahrung, wie man ein solches Unternehmen führt», sagt Nonn. Vekselberg hat mit seinen Beteiligungen bei Sulzer und OC Oerlikon seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt.

Obwohl nicht alles geräuschlos über die Bühne ging, bewahrheiteten sich Befürchtungen nicht, er sei wie eine Heuschrecke und wolle nur die Filetstücke der Unternehmen veräussern, um sich dann mit einem Profit wieder vom Unternehmen zu trennen. Beide Industriefirmen sind heute solide aufgestellt. Aber Vekselberg sei nicht der einzige Investor mit Industrieerfahrung, der im Gespräch sei, sagt Nonn. «Unter den interessierten Investoren sind auch andere dabei, deren Erfahrung mindestens genauso gut ist», sagt Nonn. In der jetzigen Situation sei man aus der Sicht der Mitarbeiter und des Managements dankbar, dass es mehrere Investoren mit grösserem Interesse gäbe.

Warum sich die KG bereits im Vorfeld der sich abzeichnenden Kapitalerhöhung mit einem Investor zusammenschliesst, ist unklar. Gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» sagt der Sprecher des Geschäftsführers der KG, Oliver Thum, es sei noch zu früh für Antworten. Gemäss Analysten hat die KG nicht die finanziellen Mittel um eine Kapitalerhöhung voll mitzumachen und ihren Anteil zu halten. Dies geschah bereits in der Vergangenheit, darum ist ihr Anteil von über 70 Prozent im Jahr 2009 auf weit unter 50 Prozent gesunken. Weil ein weiterer Einflussverlust absehbar ist, könnte die KG versuchen mit Renova als Partner entsprechend abzusichern. Gemäss Angaben von Schmolz und Bickenbach kann die Beteiligungsgesellschaft nur einen Aktienanteil von 20,46 Prozent in einer Gruppe mit Renova geltend machen. Ein etwa gleich grosser Anteil ist mit den Anteilen des Schweizer Investors Gerold Büttiker gepoolt (Gebuka AG).

Schweizer Standort steht gut da

Der Standort in Emmenbrücke ist von Sparprogrammen und einem möglichen Personalabbau vorerst ausgeschlossen. Das bestätigt CEO Nonn: «Die Schweizer Kollegen haben in den letzten Jahren kontinuierlich an der Reduzierung der Kosten gearbeitet.» Daher gebe es hier kein so grosser Spardruck. Im Fokus für einen Verkauf stehen die weltweit rund 80 Vertriebsgesellschaften.