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Iran-Geschäft steht auf der Kippe

Die Sanktionen der USA gegen den Iran haben auch Schweizer Firmen aufgeschreckt. Wer mit dem Gottesstaat handelt, behält die politische Situation im Auge. Oft wird das Engagement bewusst heruntergespielt.
Thomas Griesser Kym
Am iranischen Hafen von Shahid Rajaee werden Container zum Verladen bereit gemacht. (Bild: Behrouz Mehri/AFP (21. Februar 2016)

Am iranischen Hafen von Shahid Rajaee werden Container zum Verladen bereit gemacht. (Bild: Behrouz Mehri/AFP (21. Februar 2016)

So viel lässt sich sagen: Das Iran-Geschäft von Schweizer Firmen ist akut gefährdet. Seit US-Präsident Donald Trump das Atomabkommen mit der Islamischen Republik gekündigt und neue Sanktionen beschlossen hat, droht der Handelsstrom verschiedener Länder mit dem Iran ins Strudeln zu geraten. Dabei hatte dieser erst so richtig Fahrt aufgenommen, als vor zwei Jahren als Folge des Atomabkommens die Sanktionen aufgehoben worden waren.

«Das Iran-Geschäft hat sich gut entwickelt», sagt Daniel Meier, Managing-Partner bei der NZ Group. Diese Firma mit Sitz in Zug berät unter anderem Unternehmen, die Geschäfte mit dem Iran machen wollen. «Die Kundenanfragen wurden monatlich mehr, und ganze Berufs- und Verbandsgruppen haben sich regelmässig auf Iran-Reise begeben», sagt Meier rückblickend. «Kunden haben Beratung gesucht sowie Markt- und Mitbewerberstudien erstellen lassen.» Wenn es in die strategische Ausrichtung eines Betriebs gepasst habe, «dann wurde investiert».

Tempi passati. Nun verlangen die Amerikaner von ausländischen Unternehmen, ihren Betrieb im Iran und/oder ihre Handelstätigkeit mit dem Land einzustellen. Dazu wollen die USA den Firmen gewisse Fristen von ein paar Monaten gewähren, je nach Art der Geschäftstätigkeit. Die EU protestiert und hat schon im Vorfeld einen Schutzschild für Firmen angekündigt, die, falls sie an ihrem Iran-Geschäft festhalten, von allfälligen Sanktionen der USA betroffen sein könnten.

«Noch kein Ersatz für USA-Geschäft»

Ob das im Ernstfall aufgeht? Meier hat da so seine Zweifel: «Schweizer Firmen, die ein grösseres US-Geschäft führen, werden vorsichtig handeln oder sich dem Druck respektive der Drohung beugen.» Dies auch, «weil das Iran-Geschäft mengenmässig häufig noch keinen Ersatz für das bestehende Geschäft mit den USA darstellt». Mit anderen Worten: Kaum ein Unternehmen wird wirtschaftliche Nachteile in den USA riskieren wollen, bloss um mit dem Iran im Geschäft bleiben zu können. Meier findet es einerseits zwar «schade, dass man sich diesem Druck beugt», doch andererseits «aus geschäftspolitischer Sicht auch verständlich».

Aus der Zentralschweiz haben sich bereits vor Jahren Firmen aufgemacht, um von der wirtschaftlichen Öffnung im Mittleren Osten zu profitieren, so zum Beispiel Sika. Der Baarer Baustoffkonzern ist bereits seit 1976 im Iran präsent, und seit 2006 ist Sika Parsian eine 100-Prozent-Tochter der Sika AG. Laut früheren Angaben produziert die Gesellschaft Baustoffe für den lokalen Infrastrukturmarkt. Heute sei das Engagement «klein», wie Sika-Sprecher Dominik Slappnig gegenüber unserer Zeitung erklärt. Auch habe man keine Produktionsstandorte mehr, sondern sei nur noch mit ein paar Leuten im Handel tätig, so Slappnig.

Ähnlich äussert sich Burkhard Böndel vom weltgrössten Mühlenbauer Bühler in Uzwil SG. «Wir verfolgen die Entwicklung und analysieren, was das für uns bedeutet. Anschliessend legen wir uns auf weitere Schritte fest.» Auch Bühler ist seit 1976 im Iran präsent. Neben dem Sitz in Teheran unterhält man eine eigene Fabrik in Astara, die für den iranischen Markt vor allem Anlagen zur Nahrungsmittelherstellung und Getreideverarbeitung fertigt und Servicedienstleistungen anbietet. «Um die 100 Mitarbeitende» sind derzeit dort beschäftigt, so Böndel. Müsste der Konzern sein Engagement abwickeln, falls es mit den USA eskaliert? Daniel Meier sagt: «Bühler war kontinuierlich vor Ort, und sie werden es hoffentlich auch bleiben.» Meier schöpft die Zuversicht auch für andere Firmen, die im Iran langjährig präsent sind. «Solche Firmen werden wohl kaum mit denselben Ellen gemessen wie neu anberaumte Geschäfte.»

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