Ikea
Irreführende Internet-Preise bei Ikea

Ganz andere Preise im Laden als im Internet: Ikea lockte Kunden mit falschen Versprechen in ihre Filialen. Nun hat das Möbelhaus Korrekturen angeordnet.

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Keystone

Stefan Waldvogel

Die junge Mutter ist nicht schlecht gestellt, sie kann zusammen mit ihrem Mann das frühere Elternhaus umbauen und neu einrichten. Alles neu macht der Mai, und natürlich wird es immer teurer, als man eigentlich geplant hat. Die junge Mutter, nennen wir sie Esther*, entdeckt im Internet bei Ikea zwei edle weisse Sonnenschirme für den Garten. Je 119 Franken soll einer der Karlsö-Schirme mit 4 Meter Durchmesser kosten.

Kein Fehler, sondern «Frechheit»

Notfalls zur Gewerbepolizei

Falls Preise nicht oder nicht korrekt angeschrieben sind, sollte man bei der kantonalen Gewerbepolizei eine Klage einreichen, sagt Guido Sutter, Leiter Recht beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Dort kümmere sich die Rechtsabteilung auch um die Preisbekanntgabe- Vorschriften. Im Schaufenster und im Laden seien die Preise für den Verkäufer verbindlich. Das gelte aber nicht für die Werbung, die sehr viele Leute erreichen könne: «Die Preise in der Werbung gelten rechtlich nicht als verbindliche Offerte.» Sie seien erst eine Einladung für ein verbindliches Angebot. Mit Blick auf den «Fall Ikea» meinte Sutter, falls Preise in den einzelnen Filialen tatsächlich unterschiedlich seien, sollte man diese im Internet besser gar nicht angeben. Ein einklagbares Recht auf die im Internet angekündigten Preise habe man als Konsument allerdings nicht. (SW/MZ)

Aber online erfährt man nur, dass der Sonnenschirm wahrscheinlich verfügbar ist. Wie viel er wo kostet, weiss nur der Kundendienst, und den erreicht man nur mit Geduld. Zum grossen Erstaunen gibt es für den Schirm offenbar noch einen weiteren Preis: «In Dietlikon kostet er nur 89 Franken», heisst es auf Nachfrage. Jede Filiale könne selber entscheiden, zu welchem Preis sie verkaufe, das sei in anderen Läden auch so, beschied die Kundenberaterin. Sie müsse den Schirm halt zurückbringen, sagte man der verdutzten Käuferin, die 160 Franken zu viel zahlte und nun auch nochmals nach Spreitenbach hätte fahren sollen.

Nicht mit mir, sagte sich die resolute Mutter. Sie blieb hartnäckig und wollte das Geld zurück. Am Telefon reklamierte sie ein zweites Mal, und wenn nix hilft, hilft der oder die Vorgesetzte. Und siehe da, ein paar Tage später meldete sich eine nette Frau und liess sich den Fall nochmals schildern. Das sei tatsächlich so, die Filialen richteten ihre Preise auf die Region aus. Das heisst, in Basel orientiere man sich nach Deutschland, im Süden nach Italien und in Spreitenbach halt auf die kaufkräftigen Zürcher. Und irgendwo gebe es den Schirm tatsächlich für 119 Franken.

«Das ist und bleibt ein unseriöser Lockvogel», findet die frustrierte Kundin und lässt einfach nicht locker. Nach heftigem Austausch von Argumenten willigt die Verantwortliche von Ikea schliesslich ein, die Differenz von 160 Franken per Gutschein zu begleichen. Dem Banker wäre Bares lieber gewesen, doch weil seine Frau «sowieso wieder bei Ikea einkauft», nimmt sie auch die Kundenkarte im Wert von 160 Franken als Ausgleich. Ihr Mann hätte ein paar Zeilen des Bedauerns oder auch einen nüchternen Begleitbrief erwartet. Doch stattdessen gab es eine leicht zerknitterte Kassenquittung und sonst nix. «Nicht mal ein Post-it-Kleber zur Erledigung», ärgert sich der dreifache Familienvater.

Fehler wird korrigiert

Carlos Friedrich, Marketingleiter bei Ikea Switzerland, möchte sich auf Anfrage «bei der Kundin für unseren Fehler entschuldigen». Ikea werde nun genau analysieren, warum es dazu gekommen sei. Man werde «Massnahmen einleiten, damit ähnliche Fehler nicht mehr passieren». Friedrich hielt gegenüber der Mittelland Zeitung fest, die im Internet publizierten Preise seien verbindlich - und das seien sie grundsätzlich schon immer gewesen. Die Einrichtungshäuser dürften die online aufgeführten Preise nicht überschreiten. Hingegen könne es vorkommen, dass Internet-Preise von den Filialen unterboten würden. Nichts geändert wird an der Praxis, dass die Einrichtungshäuser frei sind, «in einer gewissen Bandbreite» regional unterschiedliche Preise festzusetzen. Ikea führt im stationären Handel rund 10 000 Artikel, online können gut 4000 bestellt werden. (* Name der Redaktion bekannt)