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Isoglukose boomt – wenn Freihandel dick macht

Der in der US-Nahrungsmittelindustrie verwendete Maiszucker gilt als ungesund. Trotzdem wächst die Nachfrage.
Raphael Bühlmann

US-Amerikaner sind zu dick. Ein vielleicht etwas hart formuliertes, aber doch unleugbares Verdikt. Der Anteil fettleibiger Menschen jenseits des Atlantiks ist rund 20 Prozent höher als in Europa. Experten machen dafür in erster Linie das Essen der US-Bürger verantwortlich. Die vermeintliche Vorliebe der Amis für Pizza oder Burger ist jedoch nur die halbe Wahrheit. Die andere findet sich in der Zutatenliste der US-Nahrungsmittelindustrie.

Maiszucker findet sich vor allem in süssen oder stark verarbeiteten Lebensmitteln. Bild: Getty

Maiszucker findet sich vor allem in süssen oder stark verarbeiteten Lebensmitteln. Bild: Getty

Um Süssigkeiten süss oder Fertigprodukte lange haltbar zu machen, verwendet die Lebensmittelindustrie auf der ganzen Welt Zucker. In der EU und in der Schweiz stammt dieser meist von Zuckerrüben – in den USA vom Maisfeld. Der Fachausdruck für den US-Maiszucker ist Isoglukose. Diesen erachten Experten zwar als für die Gesundheit bedenklich, dennoch erfreut er sich einer steigenden Nachfrage – auch in der Schweiz.

EU-Schokoladen-Import in 18 Jahren verdoppelt

Isoglukose ist rund 40 Prozent günstiger als EU-Rübenzucker. Um gegenüber den Vereinigten Staaten keinen Wettbewerbsnachteil zu erleiden, hat die EU-Kommission im Oktober 2017 der eigenen Lebensmittelindustrie die unbeschränkte Verwendung erlaubt. Vorher war der Anteil auf 5 Prozent limitiert. Dies aus gesundheitlichen Bedenken und um die europäische Zuckerindustrie zu schützen.

Nun, zwei Jahre nach dem Brüsseler Entscheid werden dessen Folgen auch in der Schweiz immer augenfälliger. Die Eidgenössische Zollstatistik weist zwar die Einfuhren von Zuckerarten nicht aus. Was aber massiv zugenommen hat, sind die Importe von Fertigprodukten oder Süssigkeiten. Allein der Import von Schokolade aus der EU hat sich seit dem Jahr 2000 auf heute 34000 Tonnen verdoppelt. Darüber hinaus liebäugelt Bern selbst mit einem Freihandelsabkommen mit Washington. Käme ein solches zu Stande, würden die heute erhobenen Zölle auf US-Zucker wohl fallen. Welchen Einfluss dies konkret hätte, bleibt schwer einzuschätzen. In der EU gehen Experten davon aus, dass aufgrund des Wegfalls der limitierten Verwendung bis sechsmal mehr Isoglukose in europäischen Lebensmitteln verwendet wird.

Teure Zuckersteuer für Mexiko

Fakt ist, dass sobald die Grenzen für den US-Billigzucker einmal geöffnet sind, fortan die Nachfrage die verwertete Menge bestimmt. Nachträgliche Regulierungsversuche können böse enden, wie der Fall Mexikos zeigt.

Das Land Mittelamerikas hat seit dem Jahr 1994 ein Freihandelsabkommen mit den USA. Wie die USA selbst, verzeichnet auch Mexiko eine starke Zunahme übergewichtiger und an Diabetes Typ 2 erkrankter Menschen. Deshalb erhob die mexikanische Regierung im Jahr 2001 eine Steuer von 20 Prozent auf sämtliche Isoglukose-Produkte. Dies sehr zum Missfallen von US-Farmern und der Industrie. Sie verklagten den Staat Mexiko, weil dieser mit der Steuer gegen die Bestimmungen des Freihandels verstiess. Mexiko musste dem US-Zuckerunternehmen 58 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen.

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