Griechenland
Ist eine Staatspleite von Griechenland noch zu verhindern?

Ein Staatsbankrott Griechenlands wird immer wahrscheinlicher. Vor allem Deutschland ist nicht mehr bereit, die Athener Regierung über die bisherigen Zusagen hinaus zu unterstützen. Und auch der IWF ist skepisch. Morgen ist die Troika in Athen.

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Über Griechenland braut sich ein gewaltiges Unwetter zusammen

Über Griechenland braut sich ein gewaltiges Unwetter zusammen

Keystone

Morgen besucht die Troika von Europäischer Zentralbank (EZB), EU-Kommission und Internationalem Währungsfonds (IWF) Griechenland. Sie wil sich bei ihrem Besuch vor Ort vergwiessern, wie ernsthaft es die Griechen mit den Sparauflagen wirklich nehmen.

Im Vorfeld des Besuchs gibt es nun ernsthafte Zweifel daran. Der «Spiegel» wess bereits, dass sich der IWF nicht an weiteren Hilfen beteiligen will. Und der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) hält einen Austritt Griechenlands aus der Eurozone angesichts der Lage nicht mehr für unwahrscheinlich, wie der der ARD gestern Sonntagabend erklärte.

Börsen in Mailand und Madrid tauchen

Die Furcht vor einer Eskalation der Euro-Krise hat die Börsen in Italien und Spanien am Montag unter Druck gesetzt. Der Leitindex in Madrid gab in der Spitze um 3,6 Prozent nach, in Mailand ging es um 2,9 Prozent bergab. Der italienische Aktienmarkt notierte damit so schwach wie seit März 2009 nicht mehr.

Neben Valencia hat mit Murcia eine zweite spanische Provinz um Finanzhilfen der Zentralregierung in Madrid nachgesucht. Die europäischen Bankenwerte reagierten besonders sensibel auf die neuen Hiobsbotschaften. Einige italienische Titel wie die UniCredit, Mediobanca oder die Intesa Sanpaolo wurden gar vorübergehend vom Handel ausgesetzt.


Der europäische Bankendindex fiel im frühen Handel um mehr als drei Prozent, der griechische Finanzindex um 4,4 Prozent. Im deutschen Aktienindex Dax gehörten die Deutsche Bank und die Commerzbank mit 3,7 und drei Prozent zu den grössten Verlierern.

In Athen lag die Börse 2,8 Prozent im Minus. «Die Angst, dass eine Pleite Griechenlands auch Spanien und Italien mit in den Abgrund zieht, ist wieder da», sagte ein Händler.

Loch in zweistelliger Milliardenhöhe

Im Sanierungsprogramm der Griechen klafft laut der «Süddeutschen Zeitung SZ» erneut ein Loch in zweistelliger Milliardenhöhe. Grund sei, dass während des Dauer-Wahlkampfs im Frühjahr fast alle Reformvorhaben liegen geblieben seien. Ausserdem entstehe durch die von der neuen Regierung geforderte verlängerte Zeitspanne zur Umsetzung der Reformen ein erhöhter Finanzbedarf. Die im zweiten EU-Hilfspaket zugesagten Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro reichten somit nicht mehr aus.

Das wird nun offenbar auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu viel. Es sei «undenkbar, dass Kanzlerin Angela Merkel noch einmal vor den Bundestag tritt und um Zustimmung für ein drittes Griechenland-Paket bittet», zitiert die «SZ» aus Regierungskreisen.

Schäuble: Griechenland muss aufholen

Ähnlich äussert sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). «Wenn es Verzögerungen gegeben hat, muss Griechenland diese aufholen», sagt er am Montag der «Bild»-Zeitung. Eine Prognose zum Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone lehnte Schäuble ab. «Ich werde der Troika nicht vorweggreifen. Wenn der Troika-Bericht vorliegt, wird die Euro-Gruppe beraten.»

Athen braucht dringend Geld. Das Land hofft, im August und September Gelder in Höhe von 12,5 Milliarden Euro zu bekommen. Oder wohl bald noch mehr. Denn laut «Spiegel» brauchen die Griechen zwischen 10 und 50 Milliarden Euro mehr, sollten sie tatsächlich mehr Zeit zur Schuldensanierung bekommen. Das Szenario gilt alledings als wenig wahrscheinlich bis augsgeschlossen.

Griechenland aus Eurozone?

Für FDP-Chef Rösler hat ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone «längst seinen Schrecken verloren». Zwar müsse zunächst der Troika-Bericht abgewartet werden. Er sei aber mehr als skeptisch, dass Athen die Auflagen erfüllen könne, sagte Rösler am Sonntag gegenüber der ARD. «Wenn Griechenland seine Auflagen nicht mehr erfüllt, dann kann es keine weiteren Zahlungen geben.» Griechenland sei dann zahlungsunfähig und vielleicht kämen die Griechen dann von selbst darauf, auszutreten.