IT: Rudolf Fehlmann verlässt Bison

Bison-CEO Rudolf Fehlmann hat seine Ämter niedergelegt. Auslöser ist die vollständige Übernahme der Bison Holding durch die Fenaco. Dabei spielt auch ein Millionendarlehen eine gewichtige Rolle.

Vasilije Mustur
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Rudolf Fehlmann hat die Bison-Gruppe bereits verlassen und seine Anteile an dem Unternehmen verkauft. (Bild Nadia Schärli)

Rudolf Fehlmann hat die Bison-Gruppe bereits verlassen und seine Anteile an dem Unternehmen verkauft. (Bild Nadia Schärli)

Rudolf Fehlmann suchte sein Büro am vergangenen Dienstag schon gar nicht mehr auf: Der 57-Jährige hat alle seine Firmenanteile an das Landwirtschafts- und Lebensmittelunternehmen Fenaco verkauft. Fehlmann legt im Zuge dieser Vereinbarung sein Amt als CEO und Delegierter des Verwaltungsrates des Zentralschweizer IT-Unternehmens mit sofortiger Wirkung nieder. Der Bison-Verwaltungsratspräsident und ehemalige Fenaco-Finanzchef Werner Beyer wird den scheidenden Firmenchef deshalb interimistisch ersetzen. Das geht aus einem internen Dokument an die Mitarbeitenden der Bison-Gruppe hervor, welches unserer Zeitung vorliegt. Sowohl die Fenaco als auch Rudolf Fehlmann bestätigen den beschriebenen Sachverhalt auf Anfrage übereinstimmend. Auf die Hintergründe seiner frühzeitigen Pensionierung wollte Fehlmann zwar nicht eingehen. Allerdings zeigen unsere Recherchen, dass der Innerschweizer auch nach seinem Firmenaustritt während sechs Monaten ein Salär erhält.

Angebote an Aktionäre unterbreitet

Auslöser für Fehlmanns Rücktritt ist die Absicht von Fenaco, das Surseer IT-Unternehmen vollständig zu übernehmen. Bislang hielt die mächtige Genossenschaft eine Bison-Minderheitsbeteiligung in Höhe von 48,6 Prozent. Fenaco begründet denn auch seinen strategischen Schritt mit den engen technologischen Verflechtungen: In den vergangenen Jahren hat Bison für Fenaco die IT-Lösung Bison-Process entwickelt und mit Erfolg etabliert.

«Bison-Process steht heute im täglichen Einsatz im Departement Landesprodukte der Fenaco sowie in den Tochtergesellschaften Agrola und Landi Schweiz», sagt Fenaco-Sprecher Hanspeter Kurzen. Nach erfolgreich verlaufenen Pilotprojekten komme jetzt das IT-System in verschiedenen landwirtschaftlichen Genossenschaften der Landi und in anderen Tochtergesellschaften der Fenaco zum Einsatz.

Dieser Roll-out geht laut Hanspeter Kurzen ausserdem einher mit «weiteren Investitionen zur langfristigen Stabilisierung und stetigen Modernisierung dieser IT-Lösung über die nächsten Jahre». Angesichts dieses Plans will Fenaco seine Minderheitsbeteiligung auf 100 Prozent aufstocken. Zu diesem Zweck hat Fenaco «den Aktionären ein vom Verwaltungsrat der Bison als fair und angemessen eingestuftes Angebot» unterbreitet. Für die Bewertung der Bison-Aktien wurden demnach zwei externe Gutachter herangezogen.

Ob die geplante Übernahme Auswirkungen auf die Bison-Belegschaft haben wird, wollte der Fenaco-Sprecher nicht sagen. «Es geht nun in erster Linie darum, Bison-Process als praxiserprobtes Resultat der Entwicklungsarbeit der vergangenen Jahre sowie die für den Betrieb, den Support und die stetige Modernisierung und Weiterentwicklung dieser IT-Lösung wichtigen Mitarbeitenden und ihre spannenden Jobs in den sicheren Hafen der Fenaco zu holen und dann die nötigen wirtschaftlichen Optimierungen voranzutreiben», sagt Kurzen.

Bison und das Millionendarlehen

Derweil ist die Genossenschaft Fenaco nicht nur technologisch, sondern auch finanziell mit Bison eng verflochten. So gewährte das Landwirtschafts- und Lebensmittelunternehmen dem IT-Unternehmen in den vergangenen Jahren ein Darlehen in dreistelliger Millionenhöhe. Die Finanzhilfe diente in erster Linie dazu, die Entwicklung der erwähnten IT-Lösung Bison-Process voranzutreiben. Obwohl Fenaco stets betonte, dass Bison diesen Kredit zurückzahlen muss, hat sich dieser ausstehende Betrag laut Fenaco derzeit bereits auf 250 Millionen Franken summiert.

Bild: Quellen: Bison, Fenaco / Grafik: Janina Noser

Bild: Quellen: Bison, Fenaco / Grafik: Janina Noser