Italien
Italiener können sich Ferien im eigenen Land nicht mehr leisten

Das Land ist ein beliebtes Reiseziel – die Italiener selber können sich Ferien nicht leisten. Umso erwünschter sind da Touristen aus dem Ausland. Doch auch deren Zahl nimmt immer mehr ab.

Katie Kahle, Rom
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Immer weniger Italiner können sich noch Ferien leisten

Immer weniger Italiner können sich noch Ferien leisten

Keystone

Der Sommer hat in diesem Jahr auch in Italien auf sich warten lassen. Doch nun ist er da. Es ist heiss in der italienischen Hauptstadt Rom, und eine brennende Julisonne an strahlend blauem Himmel lässt die Römer das ungewöhnlich schlechte Wetter der vergangenen zwei Monate vergessen. Dennoch will keine Ferienstimmung aufkommen. Schuld daran ist der Würgegriff der Wirtschaftskrise, der Italien fest umklammert. Ferien können sich viele Italiener nicht mehr leisten.

Umso erwünschter sind da Touristen aus dem Ausland. Doch auch deren Zahl nimmt immer mehr ab. «Die sommerliche Hochsaison kündigt sich an wie eine griechische Tragödie», leitete denn auch der nationale Tourismusverband kürzlich seinen letzten Bericht zur Lage ein. Die Zahlen sind dramatisch: Über die Hälfte der Italiener will den Umfragen der Branche zufolge 2013 auf die Sommerferien ganz verzichten. 18 Millionen von ihnen sind schlicht dazu gezwungen. «Wir machen Ferien zuhause», erzählt etwa Ivanka. Die 47-jährige Römerin arbeitet an der Kasse eines Kindertheaters, ihr Mann als Sozialarbeiter. Gemeinsam kommen sie in guten Monaten auf knapp 1500 Euro. Genug, um mit ihren zwei halbwüchsigen Söhnen zu überleben. Zu wenig für eine Ferienreise.

Ferienbudget um 12 Prozent gekürzt

Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zufolge kürzten die Italiener ihr Sommerferienbudget im Vergleich zum Vorjahr im nationalen Durchschnitt um 12 Prozent. Nur die Spanier schnallten den Gürtel noch enger mit 16 Prozent weniger Sommerspesen. Von ungefähr kommt das nicht: Der kriselnde Stiefelstaat steckt seit Mitte 2011 in der längsten Rezession seiner Nachkriegsgeschichte, und ein absehbares Ende verschiebt sich in den Prognosen von Monat zu Monat nach hinten. Erst in der vergangenen Woche warnte der Unternehmerverband Confindustria erneut vor einer weiteren Verschlimmerung der Lage.

Das Bruttoinlandsprodukt der drittgrössten Volkswirtschaft der Eurozone werde 2013 um 1,9 Prozent schrumpfen, hiess es, und nicht – wie bislang angenommen – um 1,1 Prozent. Die Arbeitslosigkeit ist mit 12,2 Prozent die höchste seit 36 Jahren. Umso erwünschter sind die Touristen aus dem Ausland.

Doch während in anderen europäischen Krisenstaaten – etwa in Griechenland – mit einem Zuwachs an Besuchern gerechnet wird, sieht die italienische Tourismusbranche schwarz. Mit einem Minus von weiteren 1,8 Prozent im Vergleich zum ohnehin bereits negativen Vorjahr rechnet der Verband mittelständischer Betriebe Confesercenti. «Damit droht der Tourismusbranche und allem, was an Produktion und Verkauf dazugehört, ein Sommerflop von 5 Milliarden Euro Verlust», lautete das düstere Urteil des Landwirtschaftsverbands Coldiretti im Juni. Woran liegt es?

Touristen scheuen hohe Preise

«Verändert haben sich eigentlich nur die Preise», erzählen Erika und Gerd aus Berlin. Das Paar sitzt mit Hut, Sonnencreme und Reiseführer bewaffnet in einer kleinen römischen Bar unweit des Vatikans. Die Berliner machen seit Jahren Sommerferien in Italien. Diesmal wollten sie sich die Ewige Stadt und den neuen Papst noch anschauen, um dann in die Badeferien in die Toskana zu starten. «Es ist einfach alles viel teurer geworden als noch vor einigen Jahren», meint Gerd. Sabine und Julia aus Hamburg sehen das ähnlich. «Die Strände hier in der Nähe sind fast alle von Badeanstalten besetzt», erzählen die Mädchen. «Allein für Liege und Sonnenschirm wird man da pro Tag schon 15 Euro los.»

Dabei dürfte es, was Wasserqualität und Serviceleistungen an den Stränden des Belpaese anbelangt, ein guter Sommer werden. 248 italienische Strände in 135 italienischen Küstenorten erhielten die «Bandiera blu», die Blaue Flagge, mit der die Umweltorganisation FEE neben der Wasserqualität auch Umweltschutz, Infrastruktur und Service beurteilt. Und freundlich bleiben die Italiener auch in der Misere, wenn man denn den Touristen Glauben schenken mag.