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Italienische Regierung will Steuer für Verbrennungsmotoren und erwischt Fiat damit auf dem falschen Fuss

Mit einer neuen Ökosteuer will die italienische Regierung den Kauf verbrauchsarmer Autos fördern – und schadet damit dem Fiat-Chrysler-Konzern. Industrie und Gewerkschaften laufen Sturm.
Dominik Straub, Rom
Der Fiat-Chrysler-Konzern hat den Trend zu Elektromobilität verschlafen. Im Bild ein Mitarbeiter im Alfa-Romeo-Montagewerk im italienischen Cassino. (Bild: Matthew Iloyd/Bloomberg (24. November 2016)

Der Fiat-Chrysler-Konzern hat den Trend zu Elektromobilität verschlafen. Im Bild ein Mitarbeiter im Alfa-Romeo-Montagewerk im italienischen Cassino. (Bild: Matthew Iloyd/Bloomberg (24. November 2016)

Die neue «Ecotassa» (Ökosteuer) ist im Grunde keine Steuer, sondern ein Bonus-Malus-System beim Kauf neuer Autos: Wer sich ein rein elektrisch angetriebenes Fahrzeug anschafft und gleichzeitig sein altes verschrottet, erhält vom Staat einen Beitrag von 6000 Euro; beim Kauf eines Hybrid-Fahrzeuges und gleichzeitiger Verschrottung beträgt die Subvention noch 2500 Euro. Wer sich dagegen für grosse und schwere Autos mit Diesel- oder Benzinantrieb entscheidet, bezahlt je nach Höhe des Schadstoffausstosses zwischen 1100 und 2500 Euro an Strafsteuern in die Staatskasse.

Das Bonus-Malus-System tritt im März in Kraft. Insgesamt hat die Regierung für das neue Anreizsystem im laufenden Jahr 60 Millionen Euro bereitgestellt; in den kommenden Jahren sollen es 70 Millionen Euro werden. Die Idee der Ökosteuer, mit welcher der Kauf verbrauchsarmer Autos gefördert und jener der Benzinsäufer vermindert werden soll, ist eine alte politische Forderung der regierenden Fünf-Sterne-Protestbewegung, die ihre Wurzeln in der Umweltbewegung und bei den Globalisierungsgegnern hat. Das Problem ist nur: Die Steuer schadet einseitig der einheimischen Autoindustrie. Der italienisch-amerikanische Fiat-Chrysler-Konzern (FCA) hat die Entwicklung von Elektro- und Hybridantrieben gründlich verschlafen. Und so befindet sich unter den insgesamt 28 Modellen, die mit dem neuen System gefördert werden, kein einziges aus italienischer Produktion. Gefördert wird vielmehr die ausländische Konkurrenz, insbesondere Toyota und der französische PSA-Konzern, aber zum Beispiel auch das Model 3 von Tesla. Und gleichzeitig werden ab März 14 FCA-Modelle zusätzlich besteuert: Für die gesamte Modellpalette von Maserati sowie für diverse stark motorisierte Alfa Romeos, Jeeps und Fiats müssen die Käufer in Zukunft Ökosteuern bezahlen.

Gewerkschaften fürchten Verlust von 100000 Stellen

Entsprechend ungnädig waren die Reaktionen aus der FCA-Konzernzentrale und von Seiten der Arbeitnehmerverbände. Sollte die Ökosteuer nicht zurückgenommen werden, dann müssten die Investitionspläne für Italien «überprüft» werden, erklärte der neue FCA-Boss Mike Manley, der seit dem Tod von Sergio Marchionne den Konzern führt. Die Gewerkschaften warnten, dass in Italien wegen der Steuer rund 100000 Arbeitsplätze gefährdet seien. «Die Ökosteuer droht die italienische Autoindustrie zu zerstören», warnte Marco Bentivoglio von der Gewerkschaft Cisl.

Manley hatte Ende November in Italien Investitionen von 5 Milliarden in den Jahren 2019 bis 2021 angekündigt. In diesem Zeitraum sollen nicht weniger als 13 neue oder überarbeitete Modelle vorgestellt werden. Im Rahmen dieses Investitionsplans sollte auch der Rückstand bei den Elektro- und Hybrid-Modellen aufgeholt werden – unter anderem hat der FCA-Boss eine elektrische Version des Fiat 500 in Aussicht gestellt, die wahrscheinlich in der ersten Jahreshälfte von 2020 auf den Markt kommen soll. Die Zahl der in Europa verkauften Fahrzeuge des FCA-Konzerns ist im vergangenen Jahr um 2,3 Prozent zurückgegangen; der Marktanteil sank von 6,7 auf 6,5 Prozent.

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