Italo-Deal im Schweizer Fashionmarkt: Damenmode-Kette Anouk verkauft Mehrheit 

Die Basler Modekette Anouk mit 49 Filialen ist neu in italienischer Hand. Der Gründer und bisherige spricht exklusiv über den Deal - und rüstet sich für die baldige Öffnung seiner Geschäfte mit mehreren Massnahmen. 

Benjamin Weinmann
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Die Basler Modekette ist in der ganzen Schweiz mit knapp 50 Filialen präsent. Neu gehört die Mehrheit der Firma einem italienischen Modekonzern.

Die Basler Modekette ist in der ganzen Schweiz mit knapp 50 Filialen präsent. Neu gehört die Mehrheit der Firma einem italienischen Modekonzern. 

Georgios Kefalas / KEYSTONE

Übernahme im Schweizer Kleidermarkt: Der italienische Modekonzern Imperial hat die Mehrheit des Basler Modehändlers Anouk gekauft, wie die Firma gegenüber CH Media exklusiv bestätigt. Anouk bringt es in der Schweiz auf 49 Filialen. In Süddeutschland hatte man bis vor kurzem sieben Standorte, die Expansion scheiterte jedoch.

Der Basler Unternehmer François Rueff gründete das Damenmodegeschäft Anouk 2009. Rueff ist ein bekannter Name in der Schweizer Modebranche, hat er doch schon viele ausländische Marken in die Schweiz gebracht.

Imperial sei der logische Partner gewesen, sagt Rueff. Die italienische Firma ist seit längerem einer der wichtigsten Lieferanten von Anouk, zählt selber 700 Angestellte und verkauft ihre Mode weltweit in über 1500 Geschäften. Dank der Grösse von Imperial könne man dieses Jahr auch einen Onlineshop starten.

Der Name Anouk bleibt bestehen

Es ist nicht allzu lange her, da schickte sich ebenfalls ein italienischer Modekonzern an, eine Schweizer Kleiderkette zu kaufen – und scheiterte. Der grosse Flop von Oviesse nach der Übernahme von Charles-Vögele ist für Rueff aber überhaupt nicht vergleichbar. Anouk sei kerngesund. Das war bei Charles-Vögele nicht der Fall. Zudem dürften die Kundinnen keine Änderung bemerken, sagt Rueff. Der Name Anouk bleibe bestehen.

Doch warum der Verkauf? «Meine beiden Kinder waren zwar im Verwaltungsrat, aber sie sehen ihre Zukunft nicht im Modehandel», sagt der 69-jährige Rueff im Gespräch. Sohn Stéphane, 34, arbeitet als Investor, Tochter Jessica, 31, ist Ärztin. Der Entscheid eine auswärtige Nachfolgelösung zu suchen, sei ihm schwergefallen, sagt Rueff. Böse sei er seinen Kindern ab nicht. «Der Modehandel hat schwierige Jahre hinter sich und es wird nicht einfacher, da braucht es viel Passion.» Mit dem Verkauf an Imperial nach Italien sei die Zukunft von Anouk gesichert.

Ein Notverkauf sei es aber nicht, sagt Rueff, der weder zum Umsatz von Anouk noch zum Verkaufspreis Angaben macht. «Wir haben Stillschweigen vereinbart.» Man habe in den letzten Jahren zwar auch Umsatz verloren, aber weniger als die Konkurrenz. Kommt hinzu: Rueff bleibt Geschäftsführer der Firma. Mit dem Deal sei weder ein Stellenabbau noch eine Verkleinerung des Filialnetzes verbunden.

Den Händlern droht eine Rabattschlacht

Rueff schätzt, dass im Zuge der Corona-Krise Ende Jahr ein Umsatzminus zwischen 20 und 30 Prozent resultieren dürfte – sofern eine zweite Welle ausbleibt. Für die Öffnung der Geschäfte am Montag habe man mehrere Massnahmen geplant: Die Anzahl Kunden pro Filiale wird beschränkt, das Personal trägt Masken, und bei der Beratung wird das Social Distancing berücksichtigt. Und was ist mit anprobierten Kleidern? «Diese werden wir nach einer Anprobe beiseitelegen und über Nacht lüften lassen.»

Rund ein Drittel der Frühlingsware wird Anouk mit bis zu 40 Prozent Rabatt verkaufen. Bei der Konkurrenz erwartet Rueff noch grössere Abschläge: «Im Juni und Juli wird es im Schweizer Modemarkt wohl so hohe und so viele Rabatte wie noch nie geben, da viele Händler dringend Cash benötigen.» Immerhin: Von den meisten Vermietern habe er Mieterlasse erhalten, sagt Rueff. 

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