Itema Zuchwil
Itema: Jobabbau weniger gravierend als geplant

Gute Nachricht für den Industriestandort Zuchwil: Der Stellenabbau beim Textilmaschinenhersteller Itema (Ex-Sulzer) fällt weniger schlimm aus als ursprünglich angekündigt. Dagegen ist der Abbau von 70 Jobs bei der Bosch-Tochter Scintilla definitiv.

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Schweiz am Sonntag

Franz Schaible

Der Schock im vergangenen September in Zuchwil war gross: In derselben Woche kündigten die beiden grössten Arbeitgeber vor Ort, der Hersteller von Textilmaschinen Itema und der Elektrowerkzeughersteller Scintilla, den Abbau von insgesamt 190 Arbeitsplätzen an. Nach Abschluss des gesetzlich vorgeschriebenen Konsultationsverfahrens, in welchem die Sozialpartner jeweils nach Lösungen suchen, um den Stellenabbau zu verhindern oder zumindest abzudämpfen, hat sich die düstere Situation etwas aufgehellt.

«Die Sozialpartner haben zusammen mit den internen Arbeitnehmervertretungen entsprechende Lösungen gefunden», erklärt Rolf Siegrist, Personalchef von Itema Schweiz, auf Anfrage. Deshalb würden im Werk Zuchwil «nur» 87 statt 120 Arbeitsplätze gestrichen.

Es habe sich gezeigt, dass es auch nach der geplanten Umstrukturierung für die Fortführung des Betriebes in Zuchwil viel Know-how benötige, begründet Siegrist die Reduktion der Stellenstreichung. Einerseits soll in Zuchwil das Ersatzteilgeschäft der gesamten Gruppe - die ehemalige Sulzer gehört inzwischen zur italienischen Itema-Gruppe - zentralisiert werden, und die Herstellung von Projektil-Webmaschinen soll ein Standbein bleiben.

Für die trotzdem vom Abbau betroffenen und entlassenen 87 Angestellten ist die Situation schwierig, im jetzigen Umfeld auf dem Arbeitsmarkt eine neue Stelle zu finden. Deshalb habe man eine externe, auf Outplacement-Lösungen spezialisierte Firma mit dem Aufbau eines Jobzenters beauftragt.

Die Betroffenen würden aktiv und umfassend bei der Stellensuche während sechs Monaten unterstützt, versichert Siegrist. Zudem sei ein neuer Sozialplan ausgehandelt worden. Dieser stösst allerdings dem Vernehmen nach nicht bei allen Beschäftigten auf ungeteilte Zustimmung.

Mit einem weiteren Stellenabbau sei nicht zu rechnen. «Die Kapazitäten werden mit der aktuellen Anpassung auf das heutige tiefe Auslastungsniveau ausgerichtet», sagt Siegrist weiter. Die Kurzarbeit sei inzwischen in einigen Bereichen reduziert worden und werde künftig «situativ angepasst».

Das Werk in Zuchwil sei mit der laufenden Umstrukturierung wieder überlebensfähig. «Letztlich aber hängen wir am Tropf des Weltmarktes.» Der Personalbestand im Zuchwiler Werk wird sich nun von aktuell 235 auf rund 150 Beschäftigte reduzieren.

«Sehr erfreut» über den Ausgang des Konsultationsverfahrens zeigt sich Markus Baumann, Leiter der Regionalsektion Solothurn der Gewerkschaft Unia. «Es zeigt sich einmal mehr, dass diese Verfahren keine Schikane für die Arbeitgeber und auch keine Alibiübung sind.» Bei der ehemaligen Sulzer hätten immerhin über 30 Arbeitsplätze gerettet werden können.

Nebenan, bei der Scintilla, brachte das Konsultationsverfahren dagegen keine messbaren Erfolge. Der ebenfalls im September angekündigte Abbau von 70 Arbeitsplätzen beim Elektrowerkzeughersteller ist definitiv. Zwar seien im Rahmen des Verfahrens einige Möglichkeiten geprüft worden, um das Ausmass des Stellenabbaus zu mindern, erklärt Christoph Bärtschi, Personalchef bei der Zuchwiler Bosch-Tochter. Sie seien aber teilweise nicht realisierbar gewesen oder seien nicht genutzt worden, wie etwa das Angebot, Teilzeit zu arbeiten.

Der Abbau der Arbeitsplätze erfolge über 50 bereits ausgesprochene Kündigungen und 14 vorzeitige Pensionierungen. Für die restlichen hätten sich andere Lösungen ergeben. Entweder hätten die Betroffenen selbst gekündigt oder seien intern versetzt worden.

Für die von der Entlassung betroffenen Mitarbeiter sei ein externes Jobzenter mit allen Dienstleistungen zur Stellensuche eingerichtet worden. Für Beschäftigte ohne Berufsausbildung sei es nicht einfach, einen entsprechenden Arbeitsplatz zu finden.

Ein weiterer Stellenabbau sei nicht vorgesehen. Inzwischen sei auch die Kurzarbeit aufgehoben worden. «Wir verzeichnen aktuell einen kleinen Auftragsschub, weil die Händler ihre leeren Lager auffüllen müssen», begründet Bärtschi. Aber wie lange diese Phase anhalte, sei sehr ungewiss. Aktuell beschäftigt der deutsche Bosch-Konzern am Standort Zuchwil 730 Angestellte.

Das kleine Auftragshoch habe auch keinen Einfluss auf die neue Strategie, in Zuchwil ein Kompetenzzentrum für das Wachstumssegment gewerbliche Holzbearbeitung aufzubauen. Es wäre falsch, aufgrund von kurzfristigen Entwicklungen die Strategie immer wieder zu ändern. «Der Entscheid ist richtig, sich in einem Hochlohnland wie die Schweiz auf die Stärken zu spezialisieren und zu konzentrieren.»

Künftig will Bosch in Zuchwil die Herstellung von Werkzeugen für die Holzbearbeitung und Oberflächenbearbeitung zusammenfassen. Kreissägen und Oberfräsen werden das bestehende Segment von Stichsägen, Hobelmaschinen usw. ergänzen. Nicht mehr hergestellt werden dagegen Schlagbohrmaschinen und Akkugeräte.