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Vom Unternehmer zum Wohltäter: Jack Ma macht’s wie Bill Gates

Der Alibaba-Gründer macht sich bereit für seinen Ausstieg aus dem Unternehmen und will sich ehrenamtlich im Bildungsbereich betätigen. Philanthropen sind in China eine Rarität.
Felix Lee, Peking
Jack Ma an einer Philanthropie-Konferenz in der chinesischen Stadt Hangzhou. Bild: Getty (5. September 2018)

Jack Ma an einer Philanthropie-Konferenz in der chinesischen Stadt Hangzhou. Bild: Getty (5. September 2018)

Ein Rücktritt ist es zwar nicht. Ein Rückzug auf Raten schon. Chinas Superunternehmer Jack Ma hat am Montag erklärt, dass er auf den Tag genau in einem Jahr den Vorsitz des Alibaba-­Imperiums abgeben werde. Ma feierte am Montag seinen 54. Geburtstag. Mit 55 sei Schluss, schrieb er seinen Mitarbeitern. 2020 wolle er dann auch auf seinen Verwaltungsratsposten verzichten. «Ich werde immer zu Alibaba gehören», versicherte Ma. Künftig wolle er sich aber mehr als Philanthrop betätigen und sich um Bildung kümmern.

Dabei dementierte am Wochenende ein Alibaba-Sprecher noch den Rückzug des Alibaba-Gründers. Die «New York Times» hatte vorab darüber berichtet. Als «faktisch falsch» bezeichnete der Sprecher den Bericht. Ma werde noch über einen «beträchtlichen Zeitraum» an der Spitze des Konzerns bleiben, hiess es in der «South China Morning Post», der Hongkonger Zeitung, die Ma gehört. Er werde am Montag lediglich eine Nachfolgestrategie präsentieren. Nun heisst es in dem Brief an seine Mitarbeiter: «Das Verantwortungsvollste für mich und das Unternehmen ist es, dass jüngere, talentiertere Leute die Führung übernehmen.»

In den USA entdeckte er das Internet

Für Ma nachrücken wird Daniel Zhang. Der hatte schon seit mehreren Jahren das operative Geschäft geleitet. Ma ist dennoch all die Jahre das Gesicht des grössten chinesischen Onlinekonzerns ­geblieben. Und das dürfte auch noch eine ganze Weile so bleiben.

Schliesslich hat der charismatische, zuweilen auch wunderliche Selfmade-Mehrfachmilliardär mit den Handelsplatt­formen Taobao und Tmall das Konsumverhalten der Chinesen komplett auf den Kopf gestellt. Selbst in den abgelegensten Dörfern Chinas lässt sich binnen weniger Stunden so ziemlich jede Ware erstehen. Der Börsenwert von Alibaba liegt derzeit bei rund 420 Milliarden Dollar.

Doch in letzter Zeit häuften sich für Alibaba die Negativschlagzeilen. Der drohende Handelskrieg zwischen China und den USA lastet ebenso auf die Geschäfte wie die wiederholten Vorwürfe, Alibaba würde auf seinen Plattformen nicht ausreichend gegen gefälschte Waren vorgehen. Ma bestreitet jeglichen Zusammenhang seines Rückzugs mit den aktuellen Problemen. Vielmehr schliesse sich für ihn ein Kreis. Bildung sei schon immer sein zentrales Anliegen, schreibt er in dem Brief. «Die Welt ist gross und ich bin immer noch jung, also will ich neue Dinge ausprobieren.» Vielleicht könnten noch neue Träume erfüllt werden? Tatsächlich wollte Ma, der auf Chinesisch Ma Jun heisst, in seinen jungen Jahren Englischlehrer werden. Er brauchte mehrere Anläufe, um in seiner Heimatstadt Hangzhou die Hochschulaufnahmeprüfung zu bestehen und ein Englischstudium zu beginnen. Ein Job als Übersetzer führte ihn 1995 in die USA. Angeblich hatte Ma keinen blassen Schimmer, als ein Bekannter ihm das Internet zeigte. Ma gab «Bier» und «China» ein. Die Suche ergab kein Ergebnis. Er war dennoch begeistert. Zurück in China wollte er die Technik unbedingt ausprobieren. Ein Modem hatte er sich aus den USA mitgebracht. Doch die Verbindung war schlecht. «Wir warteten dreieinhalb Stunden und sahen eine halbe Seite», erinnert sich Ma später. Er habe sich dennoch gefreut. Denn er hatte bewiesen, dass Internet auch in China möglich ist.

Zeitgleich bekam er mit, dass in der Zeit in Hangzhou jede Menge mittelständische Unternehmen entstanden. Ma wusste von vielen Firmen, die Geschäftskontakte zu ausländischen Unternehmen suchten. Doch die sprachlichen Barrieren waren für viele hoch. Er gründete von seinem Wohnzimmer aus die Onlineplattform Alibaba. Einkäufer fanden über sie ihre Zulieferer für Schuhe, Jeans oder Plastikblumen, Mittelständler ihre Geschäftspartner.

Heute ist Jack Ma mit dem Alibaba-Imperium einer der reichsten Männer Chinas. Das auf Taobao und Tmall gehandelte Volumen war zeitweise grösser als das von Amazon und Ebay zusammen. Mit eigenen Musik-, Video-stream- und Clouddiensten ist Alibaba ebenso erfolgreich wie mit Alipay, einem Bezahldienst für Smartphones, das inzwischen von mehr als einer halben Milliarde Menschen genutzt wird. «Forbes» bewertet Mas Nettovermögen derzeit mit 36,6 Milliarden Dollar.

Chinas Superreiche spenden kaum

Mit seinem Rückzug und seinem angekündigten ehrenamtlichem Engagement will er zugleich der eigenen Zunft in China ein Zeichen setzen. In keinem Land gibt es so viele Superreiche wie in der Volksrepublik. Die Spendenbereitschaft hält sich dennoch in Grenzen. «Forbes» hat ausgerechnet, dass die Chinesen 2016 nicht einmal 0,03 Prozent ihrer jährlichen Wirtschaftsleistung für wohltätige Zwecke ausgaben. Zum Vergleich: Die Deutschen spendeten im selben Jahr rund 1,7 Prozent, US-Amerikaner fast 2 Prozent. Selbst in Angola, Nepal oder Burundi spenden die Menschen relativ zu ihrem Einkommen mehr als die Chinesen. Wenn überhaupt, finanzieren chinesische Superreiche Privatunis oder gründen andere Bildungseinrichtungen, die wiederum den eigenen Firmen dienten. Wofür sich Ma im Bildungssegment konkret einsetzen will, hat er bislang nicht erklärt.

In den chinesischen sozialen Medien wird er dennoch bereits als Chinas Bill Gates gefeiert. Der Microsoft-Gründer hatte sich 2008 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und widmet sich seitdem mit seiner Frau Melinda der von ihnen ins Leben gerufenen Stiftung für wohltätige Zwecke. Auf die Frage, ob sich Ma von Gates inspiriert fühle, antwortete der Alibaba-Chef: «Ich werde nie so viel Geld haben wie Bill.» Aber eine Sache könne er besser: «Früher in Rente gehen.»

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