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JAHRESZAHLEN: Erfolg und Misserfolg hängen in Industriebranche nicht nur vom Wechselkurs ab

Der tiefe Graben zwischen den Ikonen der Schweizer Industrie – Georg Fischer und Sulzer – zeigt: Über Erfolg und Misserfolg entscheidet in der Branche längst nicht nur der Franken.
Daniel Zulauf
Ein Mitarbeiter der Georg Fischer Agie Charmilles testet die Rechtwinkligkeit eines Maschinenteils. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Losone, 16. April 2012))

Ein Mitarbeiter der Georg Fischer Agie Charmilles testet die Rechtwinkligkeit eines Maschinenteils. (Bild: Gaetan Bally/Keystone (Losone, 16. April 2012))

Daniel Zulauf

Ist die Schweiz als Industriestandort noch überlebensfähig? Diese Frage geistert seit Jahrzehnten durch das Land, und seitdem die Nationalbank vor drei Jahren die Euro-Wechselkursuntergrenze aufgehoben hat, ist sie virulenter denn je.

Die Angst vor einer Deindustrialisierung des Landes ist kein Phantom. Die Wechselkursverwerfungen im Zug der internationalen Finanz- und Schuldenkrise haben Tausende von industriellen Arbeitsplätzen vernichtet. Die häufigen Hilferufe aus der Industrie belegen, dass das Erfolgs­modell der Schweizer Wirtschaft auf dem Prüfstand steht. Nicht nur ist die traditionelle Industrie immer noch ein zentraler Pfeiler für den Arbeitsmarkt. Die Exporterfolge sind seit Jahrzehnten auch ein Garant für Wohlstand und Wachstum im Land.

Georg Fischer investiert in den Standort Schweiz

Doch der Erfolg ist nicht nur eine Funktion von Wechselkursvor­teilen und anderen Rahmen­bedingungen. Das belegt die Schaffhauser Industrie-Ikone Georg Fischer, die gestern ihre Jahreszahlen vorlegte. Der über 200-jährige Konzern hat im Berichtsjahr eine abermals starke Leistung abgeliefert und ist aus eigener Kraft um 10 Prozent gewachsen – doppelt so schnell, wie sich das die Geschäftsleitung unter Führung des Franzosen Yves Serra vorgenommen hatte.

Der Erfolg von Georg Fischer ist insbesondere das Ergebnis einer langfristigen Strategie, mit der sich das Unternehmen sowohl geografisch als auch produktemässig auf vielversprechende Märkte konzentriert hat. Ein Beispiel dafür ist der Geschäftsbereich Machining Solutions, in dem Georg Fischer hochspezialisierte Fräsmaschinen für anspruchsvolle Anwendungen in der Luftfahrt und in der Informationstechnologie fabriziert. Der Bestellungseingang für Georg-­Fischer-Maschinen hat im Berichtsjahr auf über 1 Milliarde Franken zugenommen. Serra freute sich vor versammelter Presse über das höchste Auftragsvolumen seit zehn Jahren.

Und mit Maschinen verdient Georg Fischer richtig gutes Geld: Um 32 Prozent auf 82 Millionen Franken hat sich das Betriebsergebnis der Division im Berichtsjahr verbessert – die Marge ist mit über 8 Prozent komfortabel. Und Georg Fischer, obwohl international aufgestellt, investiert auch in der Schweiz weiterhin kräftig: 35 Millionen Franken flossen 2017 in den Aufbau eines neuen Maschinenentwicklungszentrums in der Uhrenstadt Biel, und weitere 40 Millionen Franken sollen im laufenden Jahr folgen. Und von den weltweit fast 16'000 Angestellten sind über 2000 in der Schweiz tätig – Tendenz steigend. Hilfreich sind enge Beziehungen zu den Kunden», erklärt Serra den Geschäftserfolg. Man müsse frühzeitig erkennen, in welchen Segmenten man noch erfolgreich tätig sein kann und die Weichen entsprechend stellen. Georg Fischer hätte das Fräsmaschinengeschäft vor mehr als zehn Jahren zu einem billigen Preis verkaufen können und dafür erst noch Applaus von der Finanzgemeinde geerntet, denn damals sah die Rendite weniger vorteilhaft aus.

Genau diesen Weg ging die andere Industrie-Ikone Sulzer schon vor langer Zeit. Das Unternehmen blieb zu lange in seinem Selbstverständnis als Grosskonzern verhaftet und wurde so zum Objekt von allerlei Finanzinvestoren, die den Konzern mit einer kurzfristigen Optik ins Abseits manövrierten. Inzwischen hat Sulzer unter dem französischen CEO Greg Poux-Guillaume wieder Tritt gefasst, doch der Graben zu Georg Fischer ist tief.

Obschon Sulzer als Industriebetrieb in der Schweiz kaum noch eine Rolle spielt und fast nur noch im Ausland produziert, liegt deren Rentabilität weit hinter jener von Georg Fischer zurück. Der Umstand, dass Sulzer längst nicht mehr zu den ersten Adressen für Talente gehört, zeigt sich auch am Lohndifferenzial: Poux-Guillaume wird für seine Arbeit mit 4,4 Millionen Franken entschädigt, Serra erhält als CEO der umsatzmässig grösseren GF «bloss» 3,5 Millionen Franken.

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