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Jens Alder soll Präsidium beim Luzerner Stahlkonzern Schmolz+Bickenbach übernehmen

Der frühere Swisscom-Chef ist als Präsident des Luzerner Stahlherstellers Schmolz+Bickenbach nominiert. Sein Arbeitgeber Alpiq sieht darin kein Problem. Andere schon.
Maurizio Minetti
Soll Verwaltungsratspräsident bei Schmolz+Bickenbach werden: Jens Alder. (Bild: Gaetan Bally / Keystone, Trimbach, 18. Mai 2017)

Soll Verwaltungsratspräsident bei Schmolz+Bickenbach werden: Jens Alder. (Bild: Gaetan Bally / Keystone, Trimbach, 18. Mai 2017)

Jens Alder ist einer der bekanntesten Manager und Verwaltungsräte der Schweiz. Der Appenzeller war Präsident der Sanitas und der Goldbach Group, leitete sieben Jahre lang die Swisscom als Konzernchef und ist aktuell mit dem Umbau des kriselnden Stromkonzerns Alpiq beschäftigt. Seit Anfang Jahr führt er Alpiq in einem Doppelmandat als CEO und Verwaltungsratspräsident.

Komplett ausgelastet ist der 61-Jährige mit seiner Aufgabe bei Alpiq aber offenbar nicht. Denn nun soll Alder beim Luzerner Stahlhersteller Schmolz+Bickenbach (S+B) das Verwaltungsratspräsidium übernehmen, wie am Mittwoch bekannt geworden ist. Die Generalversammlung findet Ende April in Luzern statt.

Expertin Roth: «Rückfall ins Mittelalter»

Schon Alders Doppelmandat bei Alpiq sorgte für Kritik. Dass er nun eine weitere Aufgabe übernimmt, kommt bei der Corporate-Governance-Expertin Monika Roth nicht gut an. «Ich halte schon von der Doppelrolle bei Alpiq rein gar nichts – das ist ein Rückfall ins Mittelalter der Corporate Governance», sagt die Rechtsprofessorin. Dass dieser Zustand bis zu fünf Jahre lang andauern soll, sei zudem «eine weitere Zumutung». Die Übernahme des VR-Präsidiums bei S+B hält sie für eine schlechte Idee: «Schon rein von der Beanspruchung her.»

Die Frage der zeitlichen Belastung des zusätzlichen Mandats habe man mit Jens Alder genau geklärt und positiv beantwortet, heisst es dazu bei Alpiq auf Anfrage. Mit seiner breiten operativen und strategischen Erfahrung bringe er ideale Voraussetzungen für das neue Mandat mit. «Alpiq steht auf einem stabilen Fundament und hat den Turnaround geschafft. Wir sind besser aufgestellt als jemals zuvor in der zehnjährigen Geschichte des Konzerns», heisst es. Mitglieder der Alpiq-Geschäftsleitung können bis zu drei Verwaltungsrats-Mandate in börsenkotierten Firmen wahrnehmen. Die Funktion bei S+B sei demnach mit den Alpiq-Statuten vereinbar.

Kontakte in die Politik

Alders Wahl bei S+B dürfte Formsache sein, denn die wichtigsten Aktionäre unterstützen ihn. Dazu zählt die Liwet Holding um Hauptaktionär Viktor Vekselberg, die fast 27 Prozent der Anteile kontrolliert. Amag-Inhaber Martin Haefner, der Alder gut kennt, besitzt 17 Prozent der Aktien. Die GmbH, in der die ehemaligen Gründerfamilien ihre Interessen gebündelt haben, hält rund 10 Prozent. Die restlichen 46 Prozent befinden sich in Streubesitz.

Das heisst aber nicht, dass es aus den Reihen der Aktionäre keine Kritik an der Nomination gibt. Einer der Kleinaktionäre von Schmolz+Bickenbach ist der Aargauer Treuhänder Alex Stäuble. Er stellt die Frage, ob man so viele anspruchsvolle Aufgaben – Doppelmandat bei Alpiq und Präsidium bei S+B – gleichzeitig mit vollem Engagement ausführen kann.

«Ich wünsche mir für S+B einen Präsidenten, der für die Firma und deren Weiterentwicklung mit vollem Engagement einsteht und keine Eigeninteressen verfolgt», sagt Stäuble auf Anfrage. Ob er Jens Alder an der GV wählen wird, lässt er offen.

Unter Kleinaktionären gibt zudem auch zu reden, dass der ETH-Elektroingenieur keine Erfahrung in der Stahlindustrie hat. Positiv hervorgehoben werden dafür seine Kontakte in die Politik. So hat Alder nach seiner Karriere als Swisscom-CEO unter anderem das Verteidigungsdepartement in Informatikfragen beraten. S+B gerät immer wieder politisch zwischen die Fronten, etwa wegen dem Hauptaktionär Viktor Vekselberg oder wie letztes Jahr wegen den Stahlzöllen, die das Geschäft der Luzerner beeinträchtigen.

Sika-Finanzchef soll in den Verwaltungsrat

Neben Alder schlägt S+B Alexey Moskov und Sika-Finanzchef Adrian Widmer als neue Mitglieder des Verwaltungsrats vor. Der derzeitige Verwaltungsratspräsident Edwin Eichler sowie Verwaltungsrat Marco Musetti stellen sich nicht zur Wiederwahl. Als Vertreter des Grossaktionärs Liwet Holding, der Beteiligungsgesellschaft von Vekselberg, wird Moskov vorgeschlagen. Die bisherigen Mitglieder Michael Büchter, Martin Haefner, Isabel Corinna Knauf und Oliver Thum stellen sich zur Wiederwahl.

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