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JOSEF ACKERMANN: Reizfigur der Bankenwelt gibt sich wenig selbstkritisch

Der ehemalige Chef der Deutschen Bank wird heute 70 Jahre alt. In seinen jüngsten Äusserungen zeigt sich der Ostschweizer wenig selbstkritisch.
ARCHIV - 21.01.2004, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann, scherzt vor Prozessbeginn des Mannesmann-Prozess im Landgericht und macht ein Victory-Zeichen. (zu dpa «Buhmann und Staatsmann: Der Banker Josef Ackermann» vom 05.02.2018) Foto: Oliver Berg/dpa/Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Oliver Berg) (Bild: Oliver Berg / DPA / Keystone (Düsseldorf, 21. Januar 2004))

ARCHIV - 21.01.2004, Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf: Der damalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG, Josef Ackermann, scherzt vor Prozessbeginn des Mannesmann-Prozess im Landgericht und macht ein Victory-Zeichen. (zu dpa «Buhmann und Staatsmann: Der Banker Josef Ackermann» vom 05.02.2018) Foto: Oliver Berg/dpa/Pool/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ (KEYSTONE/DPA/Oliver Berg) (Bild: Oliver Berg / DPA / Keystone (Düsseldorf, 21. Januar 2004))

Allen Versuchen von Image-Korrektur zum Trotz: Josef «Joe» Ackermann wird bei den meisten im besten Fall das Bild des überheblich strahlenden Deutsche-Bank-Chefs hervorrufen. Im schlechtesten Fall taucht die ikonische Fotografie aus dem Jahre 2004 vor dem inneren Auge auf, als der Schweizer über beide Ohren grinsend im Gerichtssaal mit Zeige- und Mittelfinger ein V zum Siegeszeichen formt.

Die Geste von damals mag aus dem Kontext gerissen sein. Doch sie repräsentierte perfekt die Stimmung um den damaligen Deutsche-Bank-Chef. Sie zeigt die höhnende Unbeschwertheit angesichts des Vorwurfs der Untreue bei der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone, die durch Ackermanns zynische Aussage verstärkt wurde, dass Deutschland das einzige Land sei, «in dem diejenigen, die Werte schaffen, bestraft werden». Über allem schwebte das Mantra von der «Arroganz der Macht».

Anlässlich seines 70. Geburtstags hat der gebürtige Ostschweizer der deutschen Presseagentur DPA ein Interview gegeben. Darin gibt sich Ackermann, der 2012 die Grossbank verlassen hat, mit sich selbst im Reinen: «Ich habe seinerzeit eine Bank an meine Nachfolger übergeben, die für die Zukunft gut aufgestellt war.» Eine erstaunliche Aussage, angesichts dessen, dass Deutschlands grösstes Geldhaus seit Jahren mit teuren Altlasten (die auch aus der Ära Ackermann stammen) kämpft und in den letzten drei Jahren Verluste geschrieben hat. Fast schon zynisch mutet das Statement mit dem widersprüchlichen Nachschub an, dass «öffentlich, mit dem Finger auf Nachfolger zu zeigen», nicht sein Stil sei.

Keinen Korrekturbedarf erkennt er auch bei einer anderen Kontroverse um seine Business-Strategie. Knallhart hielt Ackermann an seiner 2005 geäusserten dogmatischen Idee von 25 Prozent Eigenkapital-Rendite vor Steuern um jeden Preis fest. Die gleichzeitige Bekanntgabe von Rekordgewinnen und der Abbau von Tausenden von Stellen führte auch zu öffentlicher Kritik seitens des damaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder. In seinem jüngsten Interview hält der Schweizer das Rendite-Ziel rückblickend nicht für einen Fehler: «Ganz im Gegenteil, es war für die finanzielle Gesundheit der Bank unabdingbar.»

Doch auch Ackermann bringt zum 70. Geburtstag noch so etwas wie Konzessionen an sein Handeln hin. Leider verpasst der Mann mit dem Siegeszeichen den Anflügen von Weisheit erneut seinen ganz persönlichen Anstrich: «Gewiss waren auch wir nicht ohne Fehl und Tadel und haben Fehler gemacht – welcher Mensch macht keine? – aber diese hielten sich vergleichsweise doch sehr in Grenzen.»

Sasa Rasic

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