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JUBILÄUM: Gegründet in der Gründerzeit

Die Industrie- und Handelskammer weibelt seit 125 Jahren für die regionalen Firmen. In ihrer Geschichte tauchen gewisse Themen immer wieder auf.
Rainer Rickenbach
Beim alten Gebäude (oben) handelt es sich um die erste Fabrikationshalle von Schindler Ende des 19. Jahrhunderts auf der Reussinsel in Luzern, wo landwirtschaftliche Maschinen hergestellt wurden. Die weiteren Bilder zeigen Schindler-Mitarbeiter in späteren Zeiten, als sich der Konzern auf Aufzüge spezialisiert hatte. Schindler war von Anfang an bei der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz dabei. (Bilder Schindler-Archiv)

Beim alten Gebäude (oben) handelt es sich um die erste Fabrikationshalle von Schindler Ende des 19. Jahrhunderts auf der Reussinsel in Luzern, wo landwirtschaftliche Maschinen hergestellt wurden. Die weiteren Bilder zeigen Schindler-Mitarbeiter in späteren Zeiten, als sich der Konzern auf Aufzüge spezialisiert hatte. Schindler war von Anfang an bei der Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz dabei. (Bilder Schindler-Archiv)

Es spielte sich am 16. Februar 1894 ab. Ein erlauchtes Gremium mit Luzerner Bankdirektoren, Fabrikbesitzern und Hoteliers liess sich von Oberst A. Geisshüsler über die Vorzüge einer einheitlichen Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) informieren. Die Herren gehörten alle der Gesellschaft für Handel und Industrie Luzern an. Geisshüslers Argumente müssen sie sehr überzeugt haben. Noch am gleichen Abend einigten sich die regionalen Wirtschaftshonoratioren auf eine Eingabe an die Stadt- und Kantonsregierungen.

Wichtigste Forderung: Ab dem 1. Juni des gleichen Jahres soll die Mitteleuropäische Zeit das einzige Mass der Zeit im ganzen Kanton sein. « ... und zwar in einer Weise, dass die Stundenbezeichnung unverändert beibehalten werde», wie es in der Eingabe hiess.

Kampf für die Sommerzeit

Schon einen Monat später kam das Kantonsparlament den Wünschen der Gesellschaft nach. Gerade rechtzeitig, bevor die Eisenbahnen ab dem 1. Juni 1894 nach den Vorgaben der vereinheitlichten Zeitmessung unterwegs waren.

Die politischen Abläufe wurden in der Zwischenzeit träger. Doch die Themen blieben. Fast hundert Jahre später sah sich der damalige Direktor der inzwischen in Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) umbenannten Wirtschaftsorganisation mit einem Zeitthema konfrontiert. Mit der Sommerzeit nämlich, die das Volk 1978 wuchtig verworfen hatte, worauf das Bundesparlament 1981 die Entscheidungskompetenz dem Bundesrat übertrug, der die Sommerzeit dann im Frühjahr 1981 trotz des deutlichen Volksentscheids einführte – vor allem zum Ärger der Landwirte. «Die Wirtschaft hatte ein grosses Interesse an einer einheitlichen Zeitmessung in Europa übers ganze Jahr. Es gab damals darum heftige Diskussionen mit den Bauernvertretern, die verständlicherweise aus ihrer Sicht eine andere Meinung vertraten», erinnert sich Bruckert (70). Er war von 1986 bis 2009 Direktor der Kammer und schon vorher für sie tätig.

Budget von 2 Millionen Franken

Für die Wirtschaftsinteressen weibeln, den Standpunkt der Privatunternehmen deutlich machen und die Folgen von politischen Entscheiden für die Arbeitswelt erklären war vor 125 Jahren das Kerngeschäft der Kammer und ist es heute immer noch. «Wir sehen die Wirtschaftspolitik als integralen Prozess, bei der wir auf der Stufe von Gemeinde bis Bund dabei sein wollen», sagt der heutige IHZ-Direktor Felix Howald (44). Er ist seit fünf Jahren Kammer-Direktor. Egal ob die Mindestlohninitiative von 4000 Franken oder Steuererhöhungen in Kantonen oder Nadelöhre für den Verkehr: Die Zentralschweizer Industrie- und Handelskammer gibt ihre Meinung dazu ab, und ihre Leute stehen an Podien und in Medien für ihre Sache ein.

Die Kammer verfügt über ein Jahresbudget von zwei Millionen Franken. Ein Viertel davon kommt über Mitgliederbeiträge in die Kammer-Kasse, den grossen Rest verdient sie mit Dienstleistungen für ihre 687 Mitglieder (siehe Kasten). «Von den zwei Millionen Franken fliesst rund ein Drittel in die politische Arbeit», so Howald.

Eine freisinnige Domäne

Die Industrie- und Handelskammer hat ihre Wurzeln in der freisinnig-liberalen Gründergeneration des 19. Jahrhunderts. Die meisten der 18 regionalen Kammern in der Schweiz sind noch heute Domänen der FDP. Howalds Vorgänger Bruckert etwa politisierte für die FDP im Grossen Rat (heute Kantonsrat). Der heutige IHZ-Präsident Hans Wicki ist FDP-Regierungsrat in Nidwalden. Was die parteipolitische Zuordnung, angeht, wiegelt Howald ab. «Wir sind sehr unabhängig, sind auch nicht eine politische Partei und brauchen nicht gewählt zu werden. Deshalb sind wir in der Lage, uns wirklich für jene Themen einzusetzen, die aus Sicht der Wirtschaft wichtig sind», so der Kammer-Direktor.

Was Unternehmer an IHZ schätzen

Ein schöner Teil der Unternehmer, die der Kammer angehören, mögen zwar den Liberalen nahestehen. Doch als parteipolitische Organisation nehmen sie sie nicht wahr. Erwin Bolt etwa findet die IHZ darum eine «tolle Organisation», weil er sich an ihren Anlässen mit anderen Unternehmern trifft, die ebenfalls Exporterfahrungen mit China und Indien haben. «Der Erfahrungsaustausch ist sehr wertvoll», so Bolt. Er ist Chef der KNF Flodos in Sursee. Das Unternehmen produziert und vertreibt weltweit Membranpumpen.

Die Schweizer Firma beschäftigt in der Schweiz 210 (Sursee: 150) und weltweit 650 Mitarbeiter. «Die Handelskammer leistet auch mit ihren Kursen auf Mitarbeiterebene wertvolle Dienste für unser Unternehmen», so Bolt.

Voll des Lobes über die IHZ ist Ramon Naef, Geschäftsführer derNaef-Gruppe in Freienbach. Die Firma mit 70 Mitarbeitenden saniert Trinkwasser- und Fussbodenheizungsleitungen. Dass sie im Einzugsgebiet Zürichs zu Hause ist, wirkt nicht störend. Naef: «Wir bieten unsere Dienstleistungen in der ganzen Schweiz an. Viele unserer Lieferanten und Partner sind ebenfalls in der IHZ.»

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