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JULIUS BÄR: Boris Collardi ist schon vergessen

Während sich der Ex-Bär-Chef auf sein neues Leben als «Unternehmer» freut, weint ihm die Börse keine Träne nach.
Daniel Zulauf
Boris Collardi an einer Pressekonferenz in Zürich. (Bild: Walter Bieri/Keystone (1. Februar 2017))

Boris Collardi an einer Pressekonferenz in Zürich. (Bild: Walter Bieri/Keystone (1. Februar 2017))

Daniel Zulauf

Der überraschende Rücktritt des ehemaligen Julius-Bär-Chefs Boris Collardi löste Ende November beträchtliche Unruhe unter den Investoren aus. Der Aktienkurs sackte innert Stunden um mehr als 6 Prozent ab, und der Börsenwert des Unternehmens schmolz um über 800 Millionen Franken zusammen. Knapp zwei Monate später ist die Scharte vollständig ausgewetzt. Seit dem Abgang Collardis haben die Bär-Aktien rund 12,5 Prozent zugelegt und Konkurrenten wie Vontobel, UBS und Credit Suisse hinter sich gelassen. Mit einer kleinen Verspätung auf den Gesamtmarkt erreichten diese Woche auch die Bär-Aktien ein neues Allzeithoch von über 64 Franken.

Im Wissen um die aufgehellte Stimmung unter den Julius-Bär-Aktionären kann sich Collardi umso mehr auf seinen neuen Job als Teilhaber bei der noblen Genfer Privatbank Pictet freuen. Gestern trat Collardi in Bern an der Jahrespressekonferenz der Vereinigung Schweizer Assetmanagement- und Vermögensverwaltungsbanken auf, deren Präsident er immer noch ist. Dort erklärte sich der Westschweizer erstmals selber öffentlich zu seinem Wechsel. Seine Begründung ist so plausibel, wie sie klingt: «Ich werde vom Mitarbeiter zum Unternehmer. Das hat für mich einen höheren Stellenwert», wird Collardi von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert. Selbst als oberster Chef der Bank Julius Bär sei er letztlich bloss ein Mitarbeiter gewesen. Bei Pictet erhält er als Teilhaber zusätzliche Rechte – und Pflichten.

Künftige Spielwiese bereits gefunden

Ein offenes Geheimnis ist freilich, dass Collardi gerne bereit gewesen wäre, auch als Angestellter weiterzumachen, wenn ihm eine Grossbank den Job eines CEO angeboten hätte. Kaum zufällig erinnerten Teile seiner Ausführungen über die Entwicklungsmöglichkeiten der Schweizer Bankenbranche frappant an die Anregungen zur Schaffung einer Schweizer «Superbank», mit denen UBS-Chef Sergio Ermotti im Herbst 2016 für Aufsehen gesorgt hatte. Die Automobilindustrie habe erfolgreich vorgemacht, was auch in der Geldwirtschaft in puncto Industrialisierung und Effizienzsteigerung möglich sei, ohne die Angebotsvielfalt zu gefährden, sagte Collardi. «Vor allem bei der bankübergreifenden Zusammenarbeit in nicht differenzierbaren Aktivitäten sehe ich Möglichkeiten.»

Während Ermotti seine ursprünglichen Pläne für eine umfassende Kooperation mit dem Finanzplatzinfrastrukturunternehmen SIX inzwischen aber in der Schublade verschwinden liess, sagte Collardi im Namen seiner Mitgliedsbanken: «An dieser Stelle möchte ich hervorheben, dass wir die Neupositionierung der SIX Group mit der Schaffung des neuen geschäftlichen Standbeins Netzwerkservices sehr begrüssen und dieses Momentum für eine bankenseitige Bündelung der Kräfte nutzen sollten.» Das klingt gerade so, als habe der Neo-Unternehmer seine künftige Spielwiese bereits gefunden.

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