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Julius Bär findet «faule Äpfel» im Kundenkreis

Im Bestreben um gesundes Wachstum übt die Zürcher Privatbank Julius Bär einen anspruchsvollen Spagat. Die Investoren zeigen sich wenig glücklich.
Daniel Zulauf

«Atlas» nennt Julius Bär das Projekt, unter dem die Zürcher Vermögensverwaltungsbank ihren eigenen Kundenkreis seit 2016 auf verdächtige Adressen durchforstet. Das Unterfangen habe die Bank bereits 47 Millionen Franken gekostet, und der Aufwand im laufenden Jahre werde voraussichtlich nochmals rund 35 Millionen Franken verschlingen, sagte CEO Bernhard Hodler am Montag in Zürich.

Der hohe finanzielle Einsatz, mit dem sich die Bank im Kampf gegen Geldwäsche, organisierte Kriminalität und Steuerbetrug engagiert, hat einen einfachen Grund. Fehlleistungen in diesem Bereich stellen heutzutage ein existenzielles Risiko für Finanzinstitute dar. Allein auf dem Schweizer Finanzplatz dürften die Banken in den letzten zehn Jahren in verschiedenen Ländern weit über 10 Milliarden Franken für Bussgeldzahlungen und Anwaltskosten auf den Tisch gelegt haben. Ganz zu schweigen vom Reputationsschaden, der den Instituten dadurch entstanden ist.

Auch Julius Bär musste tief in die Tasche greifen. Im Februar 2016 einigte sich die Bank auf eine Vereinbarung mit den amerikanischen Justizbehörden, den Steuerstreit gegen eine Zahlung von 547 Millionen Dollar beizulegen, unter der Bedingung, dass sich die Bank während dreier Jahre nichts mehr zuschulden kommen lässt. Diese Frist ist nun abgelaufen und Julius Bär atmet auf. Ein Rückfall in der Bewährungsphase hätte schwerwiegende Konsequenzen nach sich gezogen.

135 Arbeitsplätze werden gestrichen

Das glimpfliche Ende der Affäre war keine Selbstverständlichkeit. Schliesslich war der frühere Julius-Bär-Kundenberater und Leiter der inzwischen geschlossenen Panama-Niederlassung, Matthias Krull, im Oktober von einem US-Gericht zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Krull wurde der Teilnahme an einem Bestechungs- und Betrugsschema rund um den staatlichen Erdölkonzern PDVSA für schuldig befunden. Der Fall rief auch die Finanzmarktaufsicht (Finma) auf den Plan, die im April 2018 ein Verfahren gegen die Bank einleitete.

Julius-Bär-CEO Bernhard Hodler an der Pressekonferenz zur Präsentation der Jahreszahlen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 4. Februar 2019)

Julius-Bär-CEO Bernhard Hodler an der Pressekonferenz zur Präsentation der Jahreszahlen. (Bild: Ennio Leanza/Keystone, Zürich, 4. Februar 2019)

Bislang sind aber offenbar keine Hinweise aufgetaucht, dass Krull die Bank für seine kriminellen Aktivitäten missbraucht hat. Derweil forscht die Bank eifrig nach «faulen Äpfeln» im eigenen Kundenkreis, wie sich Hodler ausdrückte. Zwei Drittel des gesamten Portefeuilles habe man inzwischen durchforstet und auch einiges gefunden. Zahlen nannte der CEO keine. Er sagte aber, verdächtige Kunden seien verabschiedet worden, das habe sich auch im Neugeldzufluss niedergeschlagen. 2018 vereinnahmte Julius Bär neue Kundengelder im Umfang von 17,4 Milliarden Franken. 2017 waren es noch 22,2 Milliarden gewesen. Im Bestreben um ein gesundes Wachstum übt die Bank allerdings einen anspruchsvollen Spagat. Die Investoren zeigten sich vom vorliegenden Jahresabschluss wenig begeistert und hätten sich mit Blick auf den um 3,6 Prozent gestiegenen Betriebsertrag ein deutlich überproportionales Gewinnwachstum gewünscht. Stattdessen stieg das Ergebnis lediglich um 4,6 Prozent.

Die Bank sieht sich nun zum Sparen genötigt. 100 Millionen Franken will Hodler heuer wegstreichen und dafür 135 Arbeitsplätze eliminieren. Die Finanzanalysten hätten gern noch etwas mehr gesehen, doch Hodler warnte: «Wir dürfen unsere Franchise nicht gefährden.»

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