Kolumne
Jungunternehmen machen Mut

Maurice Pedergnana zur Schweizer Startup-Szene.

Maurice Pedergnana*
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Als am Mittwochabend die besten Jungunternehmen der Schweiz gekürt wurden, war die Maag Halle in der Stadt Zürich rappelvoll und die Bühne beleuchtet wie an einem Rockkonzert. Das Publikum war jung und international. Es roch nach ETH-Inspirationen und der Uni-Groove war überall spürbar. Herausragende Ideen wurden vorgestellt, die ersten Stolpersteine beleuchtet, die Wachstumsfantasien verkündet und mancherorts auch Schwächen entblösst. Gemeinsam war den Anwesenden das positive Denken, häufig gleich in einem globalen Kontext.

Wenn man nicht mehr an die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz glaubt, dann sollte man eine derartige Veranstaltung besuchen. Da wird die Zukunft konkret in die Hand genommen, von Menschen mit Schweizer Wurzeln und solchen mit anderen Pässen, finanziert von Privatinvestoren und Institutionen aus dem In- und Ausland.

Wettbewerb ist ein immenser Treiber.

Schweizer Pensionskassen waren allerdings keine vertreten; da wird das Geld lieber in «sichere» Werte investiert – mit 0.75 Prozent als Zielrendite. Die Präsentationen waren am Mittwoch allesamt auf Englisch, und teils mit dickem Geldbeutel unterwegs. Natürlich träumt manch einer davon, dass er wie Larry Page und Sergey Brin vor 20 Jahren die Skizze einer Suchmaschine einem interessierten Investor auf dem Parkplatz zeigen kann. Damals war es der Mathematiker Andreas von Bechtolsheim, der den beiden Uni-Absolventen nach 30 Minuten einen Check über 100000 US-Dollar, lautend auf die Firma Google, ausgestellt hatte. Das war der Startschuss zu einer sagenhaften Entwicklung und der Rest ist geschichte. Dabei darf allerdings nie vergessen werden, dass es damals schon Suchmaschinen gab, doch deren Funktionsweise vermochte nicht zu befriedigen. In einem intensiven Wettbewerb wurde Altavista, Infoseek und Yahoo überholt und Google zum Standard. Seit 2004 steht «googeln» bereits im deutschsprachigen Duden – als Kurzform, um nach Informationen zu suchen.

Nicht jede Idee wird derart erfolgreich umgesetzt, aber der Wettbewerb ist ein immenser Treiber: wer ist der erste, wer der schnellere, wer der clevere? In der Schweiz gibt es immer mehr junge Menschen, die sich solchen Startup Unternehmern anschliessen. Sie suchen die Dynamik einer aufstrebenden Gesellschaft mit einem sinnstiftenden Hintergrund. Manch grosses Unternehmen ist zu behäbig geworden, allzu saturiert und wenig inspirierend. Die Siegerunternehmung, erkoren von einer 100-köpfigen Jury, kommt aus der Medizintechnik und heisst ava. Mit einem Multisensor werden dabei neun Vitalfunktionen von Frauen aufgezeichnet mit dem Ziel die Chancen einer Schwangerschaft zu erhöhen. Das verbesserte Timing verdoppelt dabei gleich die Chancen für eine Empfängnis, und mittlerweile nutzen immer mehr Frauen von den Vereinigten Staaten bis nach China das Tool, das noch viel Entwicklungspotenzial hat. Nur vier Jahre nach der Gründung arbeiten bereits 85 Personen in Zürich-Wiedikon, San Francisco, Belgrad und Hongkong bei dem Startup.

Aber das Interesse global ist heute dermassen gross, dass die Top 100 Startup Unternehmen erstmals auch in englischer und chinesischer Übersetzung porträtiert worden waren.

Mit Flyability zählt auch ein Westschweizer Unternehmen zu den Top-Unternehmen, die am Mittwochabend vorgestellt wurden. Deren kollisionssicheren Kugeldrohnen sind international gefragt. Das Vorzeigeunternehmen der Schweizer Drohnenszene wurde erst im Jahr 2014 aus der Eidgenössisch Technischen Hochschule Lausanne herausgegründet und zählt bereits 70 Mitarbeitende. Derzeit verdoppelt sich die Belegschaft alle sechs Monate.

Ein weiteres Unternehmen ist in den vergangenen Jahren aus der Universität Zürich hervorgegangen: Cutiss, mit der studierten Biotechnologin Daniela Marino an der Spitze. Ihr und zwei Ärzten des Kinderspitals Zürich ist es als weltweit erstes Team gelungen, ein Verfahren zu entwickeln, mit dem sich aus wenigen Zellen in nur vier Wochen handtellergrosse Hautstücke herstellen lassen. Die daraus ergehenden Vorteile wie weniger Operationen, weniger Vernarbungen, geringere Gesundheitskosten, sind immens für die Genesung von Patienten.Auch Risikokapital, vor allem auch aus dem Ausland, gibt es mehr. Gewiss wird es keine Einbahnstrasse des Erfolges sein, das war es selbst beim heutigen Weltkonzern Google nicht. Aber das Interesse global ist heute dermassen gross, dass die Top 100 Startup Unternehmen erstmals auch in englischer und chinesischer Übersetzung porträtiert worden waren.

*Maurice Pedergnana ist Professor für Banking und Finance an der Hochschule Luzern und Studienleiter am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ).