Gastronomie
Kaffee-Frust in der Beiz: Nun kommt die Qualitäts-Offensive

Schweizer Gastronomen sollen besseren Kaffee servieren, fordert der Kaffeeverband. Der Grund: Zu Hause ist die Zubereitung des aromatischen Brühgetränks einfach geworden. Der Verband hat nun eine Qualitäts-Offensive lanciert.

Niklaus Vontobel
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Besser als daheim? Die Ansprüche an Kaffee sind gestiegen.

Besser als daheim? Die Ansprüche an Kaffee sind gestiegen.

Thinkstock

Der spielend leicht zubereitbare Kapselkaffee hat die Schweizer Haushalte im Sturm erobert. Diesen Grosserfolg des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé und seiner zahlreichen Nachahmer haben nun die Gastronomen und Hoteliers in der Schweiz zu spüren bekommen. Sie müssen die Qualität ihres eigenen Kaffees verbessern, fordert der Verband «Cafetier Suisse».

«Die Ansprüche an die Qualität sind deutlich gestiegen», sagt Verbands-Präsident Hans-Peter Oettli. Das gelte insbesondere deshalb, weil der Kunde in der Schweiz meist vier oder gar fünf Franken für den Kaffee zahlen müsse. «Dann muss der Kaffee im Restaurant natürlich mindestens so gut schmecken wie der Kapselkaffee daheim.»

Qualitäts-Offensive lanciert

Die Gastronomen würden nun reagieren müssen, glaubt Oettli. «Wenn man schaut, wie die Qualität unseres Kaffees schweizweit ist, dann genügen wir den Anforderungen heute leider nicht immer. Wir haben Nachholbedarf.» Diese Einschätzung gelte insbesondere für den Café Crème, nach wie vor eines der liebsten Kaffeegetränke in der Schweiz.

Der Verband «Cafetier Suisse» hat daher eine Qualitäts-Offensive lanciert. Mit einem neuen Lehrgang zum «Kaffee-Sommelier» soll die Ausbildung verbessert werden. «Der Kaffee wird in der heutigen Gastronomie- und Hotellerie-Ausbildung leider vernachlässigt», sagt Oettli. Die wenigen Lektionen, die heute unterrichtet würden, seien nicht ausreichend. «Guter Kaffee entsteht nicht auf Knopfdruck.»

Mit dem neuen Kurs will der Verband eine Lücke im heutigen Angebot an Ausbildungen schliessen. Denn es gebe heute sehr gute Kurse für die Barista-Szene und eigentliche «Freaks» der Kaffeekultur. Der neue Lehrgang solle sich hingegen an Generalisten richten. Café- und Barbetreiber, Wirte, aber auch Bäckereibetreiber sollen lernen, wie sie ein eigenes Kaffee-Konzept auf die Beine stellen können.

Rückstand zum Ausland?

Der Schweizer Kaffeeverband will insbesondere beim Café Crème ansetzen. Diese Schweizer Spezialität ist nach wie vor eines der beliebtesten Kaffeegetränke – auch in Zeiten von Latte macchiato und Cappuccino. Mehr als jeder dritte bestellte Kaffee in der Schweiz ist ein Café Crème. «Wir wollen eine Qualitätsoffensive für diese Schweizer Spezialität», sagt Oettli. Dazu gibt der Verband eine Empfehlung für die ideale Zubereitung heraus.

Die Schweiz hat Nachholbedarf, so der Kaffee-Verband – hat sie gar einen Rückstand zum Ausland? «Das kann man so nicht sagen: Die Qualität lässt sich schlecht vergleichen», sagt Oettli. Zudem seien im umliegenden Ausland die Kaffee-Vorlieben anders. «Der Café Crème etwa ist eine Schweizer Spezialität. Die Italiener ziehen den Espresso vor. Café Crème kennen sie gar nicht.»

Der Kaffee in der Schweiz ist vergleichsweise teuer, aber immerhin blieben die Preise zuletzt einigermassen konstant. Schweizweit schlugen sie im Durchschnitt nur um einen Rappen auf. Den teuersten Kaffee gibt es im Kanton Zürich, für Fr. 5.50 die Tasse. Im Kanton Bern ist der Durchschnittspreis mit 4 Franken am tiefsten.

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