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KAFFEE: Nestlé sucht die Hilfe von Starbucks

Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé kommt im US-Kaffeegeschäft seit Jahren nur schleppend voran. Darum holt er jetzt mit Starbucks einen Rivalen ins Boot.
Daniel Zulauf
Ein Starbucks-Angestellter leert einen Kaffeeröster in Seattle. (Bild: David Ryder/Bloomberg (3. Dezember 2014))

Ein Starbucks-Angestellter leert einen Kaffeeröster in Seattle. (Bild: David Ryder/Bloomberg (3. Dezember 2014))

Daniel Zulauf

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé stärkt sein US-Kaffeegeschäft über eine Lizenzvereinbarung mit der Rösterei- und Kaffeehauskette Starbucks. Gegen eine Vorauszahlung von 7,15 Milliarden Dollar sichert sich der Multi die weltweiten Vertriebsrechte aller Kaffeemarken und anderer Starbucks-Produkte im Einzelhandel – also ausserhalb der vom Abkommen nicht tangierten Starbucks-Kaffees. Damit gewinnt Nestlé ein zusätzliches jährliches Umsatzvolumen von rund 2 Milliarden Dollar, das sich zu rund 90 Prozent auf die USA konzentriert. An der Börse kam das Geschäft gut an. Die Nestlé-Aktien legten um 1,7 Prozent auf gegen 78 Franken zu. Die Starbucks-Papiere avancierten sogar um fast 3 Prozent. Eine Mehrheit der Finanzanalysten sieht in der Transaktion bedeutende Vorteile für beide Seiten. Während Nestlé von der Beliebtheit der Starbucks-Marken bei den US-Konsumenten profitiere, ziehe Starbucks Nutzen aus den Kompetenzen von Nestlé im Einzelhandelvertrieb.

Um die Tragweite des Deals zu verstehen, muss man etwas zurückblicken: Im riesigen Nestlé-Sortiment ist kein Produkt bekannter als Nescafé. Die Erfindung des gefriergetrockneten Kaffeepulvers liegt schon 80 Jahre zurück. Und dennoch ist Nescafé bis heute die erfolgreichste Innovation des Nahrungsmittelmultis geblieben. Die kleinen braunen Körnchen im Glas sind Gold wert für den Konzern. Wie viel Gewinn sie abwerfen, gibt Nestlé konkret zwar nicht bekannt. Doch verschiedene Angaben im Geschäftsbericht lassen erahnen, dass Nestlé pro Franken verkauften Nescafé mindestens 30 Rappen Betriebsgewinn einfährt. Bezogen auf den letztjährigen Nescafé-Umsatz von 9,3 Milliarden Franken wären dies 2,8 Milliarden Franken oder mehr als ein Viertel des gesamten Betriebsgewinns. Nespresso war die zweite grosse Kaffee-Innovation von Nestlé, und sie reicht rund 30 Jahre in die Geschichte zurück. Auch das Kapselsystem erwies sich als Gross­erfolg. Es bringt Nestlé aktuell rund 5 Milliarden Franken Umsatz und dürfte einen operativen Gewinn gegen 1,5 Milliarden Franken generieren. Alles in allem erwirtschaftet Nestlé also gut 40 Prozent des Gewinns mit Kaffee. Und weil nur noch das Geschäft mit Haustiernahrung ähnlich hohe Margen abwirft, nimmt das Gewicht von Kaffee in der Erfolgsrechnung von Nestlé laufend zu.

Innovation alleine reicht nicht

Kein Wunder, identifizierte Nestlé-Konzernchef Ulf Mark Schneider die Kaffeesparte bald nach seinem Amtsantritt Anfang 2017 als einer der Geschäftsbereiche neben Tiernahrung, Mineralwasser und Säuglingsnahrung, die es wachstumsorientiert zu führen gelte, um den Expansionskurs beizubehalten. Und Schneider liess seiner Analyse auch gleich Taten folgen. Im vergangenen Jahr kaufte der Konzern in den USA einen Mehrheitsanteil am hippen Kaffeeröster und Fachhändler Blue Bottle Coffee für 500 Millionen Dollar. Dazu erwarb man die auf kalt gebrauten Biokaffee spezialisierte Chameleon Cold-Brew zu einem ungenannten Preis. Man habe sich mit diesen Akquisitionen den Zugang zu neuen Geschäftsmodellen erworben und auf die Nachfrage der Konsumenten nach neuen Kaffee-Erfahrungen reagiert, erklärte Nestlé die bisherigen Zukäufe.

Dass diese in Amerika erfolgten, war freilich kein Zufall. Während Nestlé fast überall auf der Welt zu den zwei grössten Anbietern im Kaffeegeschäft gehört, liegen die Schweizer im 10-Milliarden-Dollar-Markt USA nur auf dem fünften Platz. Der Grund ist einfach, wie Professor Chahan Yeretzian, Leiter des Coffee Excellence Centers der Zürcher Fachhochschule ZHAW, erklärt. Während Nescafé in den USA nie eine sonderlich grosse Beliebtheit genossen habe, sei auch die italienische Espresso-Kultur, an der sich Nespresso anzulehnen versucht, am Geschmack vieler Amerikaner vorbeigegangen. Nes­presso blieb gegen die Macht der US-Platzhirsche im Kapsel­geschäft chancenlos, so Yeretzian.

Viele Jahre lang habe sich Nestlé diese Schwäche im US-Markt nicht eingestehen wollen, weiss Yeretzian, der lange Zeit für Nestlé tätig war. Es gab ein Selbstverständnis, mit Hilfe von Innovationen das Wachstum aus eigener Kraft zu stemmen. Von diesem Grundsatz ist der Konzern unter Schneiders Führung nun offensichtlich abgerückt.

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