Raiffeisen-Präsidium
Kandidatur zurückgezogen: Wie sich Gantenbein ins Abseits manövrierte

Interims-Präsident Pascal Gantenbein zog seine Kandidatur für das Verwaltungsratspräsidium von Raiffeisen Schweiz zurück. Er war unentschlossen und zu nahe an Raiffeisen-CEO Patrik Gisel.

Andreas Möckli und Philipp Felber
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Raiffeisen-Übergangspräsident Pascal Gantenbein stärkte Patrik Gisel lange Zeit den Rücken. Walter Bieri/Keystone

Raiffeisen-Übergangspräsident Pascal Gantenbein stärkte Patrik Gisel lange Zeit den Rücken. Walter Bieri/Keystone

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Er will also doch nicht. Am Donnerstagabend gab Pascal Gantenbein bekannt, er ziehe seine Kandidatur für das Präsidium der Raiffeisen zurück. Er wolle seine Aufgabe als interimistischer Leiter des Verwaltungsrats unbelastet von jeglicher Art von Wahlkampf zu Ende führen.

Der Rückzieher hat eine längere Vorgeschichte. Im Frühling wurde Gantenbein mehrfach gefragt, ob er nach der Übergangszeit definitiv das Präsidium übernehmen will. Wie hin- und hergerissen er war, zeigen seine wechselnden Antworten. «Grundsätzlich bin ich offen, ein solches Engagement zu prüfen», sagte er Mitte April der «NZZ am Sonntag». Nur neun Tage später antwortete er im Schweizer Fernsehen auf die gleiche Frage: «Ich plane keine langfristige Präsidentschaft.» Der doppelte Salto rückwärts folgte sechs Tage später in der «SonntagsZeitung». Er lasse explizit offen, ob er als Präsident weitermache.

Nach der Delegiertenversammlung in Lugano schuf er dann immerhin Klarheit und meldete offiziell seine Kandidatur an. Doch auch hier verhielt er sich nicht sehr geschickt. Denn während der Versammlung selber liess er seinen Entscheid offen, indem er den Fragen der Delegierten dazu auswich. Erst danach gab er an einer Mediekonferenz bekannt, zu kandidieren. Damit verärgerte er manchen Delegierten. Mit seiner Geheimniskrämerei habe er sich fürs Amt disqualifiziert, sagte einer der «Schweiz am Wochenende».

Noch schwerer wog die Nähe zu Noch-Raiffeisen-Chef Patrik Gisel. Den beiden wird eine geradezu symbiotische Beziehung nachgesagt. So nahm Gantenbein den Chef mehrmals in Schutz. Es gäbe überhaupt keinen Grund, Gisel zu ersetzen.

Nicht nur unter den Delegierten machten sich Zweifel an Gantenbein breit, offenbar auch im Verwaltungsrat. Dieser erhielt an der Delegiertenversammlung im Juni mit Rolf Walker und Thomas Rauber zwei neue Mitglieder. Letzterer ist seither Präsident des Nominations- und Vergütungsausschusses. Er leitet damit die Suche nach einem neuen Präsidenten. Der Kandidat sei im Prinzip bekannt, sagte Rauber dem Branchenportal «Inside Paradeplatz» diese Woche. Er werde Mitte August bekannt gegeben.

Verzicht war unumgänglich

Gantenbein muss gedämmert haben, dass er nicht der Auserwählte ist. Eine Kampfwahl wäre für jede Firma höchst unüblich, im Fall der angeschlagenen Raiffeisen wollte die Bank einen medial geführten Wettstreit wohl um jeden Preis verhindern. Es habe Gantenbein stark beschäftigt, dass alles, was er tat, nur noch unter dem Aspekt seiner Kandidatur beurteilt worden sei, sagt ein Raiffeisen-Banker, der mit den Vorgängen um die Wahl des Präsidenten vertraut ist. Gantenbeins Verzicht wurde letztlich unumgänglich.

Als Anwärter fürs Präsidium gilt unter anderem der ehemalige Swiss-Life-Chef Bruno Pfister. Als aussichtsreicher Kandidat gilt auch Roland Ledergerber. Er leitet seit gut zehn Jahren die St. Galler Kantonalbank. Zu den möglichen Kandidaten zählen auch Urs Rüegsegger, ehemaliger Chef der Börsenbetreiberin SIX, und Antoinette Hunziker-Ebneter, Präsidentin der Berner Kantonalbank.

Fünf neue Verwaltungsräte

Nicht nur ein Präsident für den Verwaltungsrat fehlt der Raiffeisen. Nach einem Exodus von Verwaltungsratsmitgliedern, welche bereits während der Ära von Pierin Vincenz im Amt waren, ist das Aufsichtsgremium von Raiffeisen derzeit unterbesetzt. Laut den Statuten der Bank muss das Gremium mindestens neun Mitglieder umfassen. Im Maximum dürfen es zwölf sein. Momentan sind es nur sieben. Erschwerend kommt hinzu, dass zusätzlich Philippe Moeschinger, Daniel Lüscher und Urs Schneider auf die ausserordentliche Versammlung im Herbst zurücktreten. Dann müssen gleich fünf neue Verwaltungsräte gewählt werden: ein Präsident und vier ordentliche Mitglieder.

In den Statuten der Bank ist auch definiert, was die Neuen mitbringen müssen. So sollen neue Mitglieder die Qualifikationen des Verwaltungsrates ergänzen und erweitern. Zudem soll die Hälfte des Verwaltungsrats aus Vertretern der Raiffeisenbanken bestehen. Diese Regelung wurde allerdings bereits in der Vergangenheit nicht eingehalten. Unter den vier verbleibenden Verwaltungsräten ist nur der im Juni neu gewählte Rauber in einem Verwaltungsrat einer regionalen Raiffeisen-Genossenschaft. Das verkompliziert die Suche nach neuen Mitgliedern noch einmal.