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KARRIERE: Das unheimliche Comeback des Peter Wuffli

Peter Wuffli war UBS-Chef bis zum Tag, als sich vor der Grossbank der Abgrund auftat. Als Präsident von Partners Group fliegt dem Ex-Banker der Erfolg schneller zu, als ihm lieb sein kann.
Daniel Zulauf
Ex-UBS-Chef Peter Wuffli (59). (Bild: Chris Iseli/AZ (Zürich, 22. November 2016))

Ex-UBS-Chef Peter Wuffli (59). (Bild: Chris Iseli/AZ (Zürich, 22. November 2016))

Daniel Zulauf

Jenen Sommer vor zehn Jahren wird Peter Wuffli niemals vergessen können. Am 28. Juni 2007 hatte sich der UBS-Verwaltungsrat unter Führung von Marcel Ospel im Hotel Las Arenas in Valencia eingefunden mit der Absicht, Wuffli zum neuen Präsidenten und Ospels Nachfolger zu küren. Das war jedenfalls das Verständnis des Zürchers, der 2003 im Alter von 46 Jahren CEO von UBS und damit jüngster Chef einer Schweizer Grossbank geworden war. Es sollte anders kommen. Am 6. Juli 2007 gab die UBS bekannt: «Der Verwaltungsrat sieht die automatische Ämternachfolge nicht als zwingend, sondern sucht unvoreingenommen nach der in seiner Einschätzung jeweils besten personellen Konstellation für die Bank.»

Entschlüsselt bedeutete die kryptische Botschaft ganz simpel: Wuffli ist nicht der beste Mann für das UBS-Präsidium. Der Manager mit der schnurgeraden Glanzkarriere, dessen Lebenslauf seit dem Studium und der Promotion zum Doktor der Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen keine Lücke erkennen lässt, jener Senkrechtstarter, der mit 27 Jahren bei McKinsey anheuerte und zehn Jahre später als Finanzchef des Schweizerischen Bankvereins auf der Kommandobrücke einer Grossbank stand, sah sich zum ersten Mal mit einer schweren Niederlage konfrontiert. Selbstredend quittierte Wuffli seine Nichtwahl zum Präsidenten mit der Kündigung als UBS-CEO. In den darauffolgenden Jahren war er nicht mehr zu sehen.

Wuffli ist zurück in seinem Element

2013 wurde er Präsident des Verwaltungsrates der Zuger Investmentgesellschaft Partners Group. Ein nicht ganz neutraler Beobachter behauptet, Marcel Erni, einer der drei Gründungspartner und der strategische Kopf der Firma, habe dem gefallenen Banker aufgrund der gemeinsamen Vergangenheit bei McKinsey 2009 den Einzug in das Aufsichtsgremium ermöglicht. Ganz egal ob wahr oder nicht: Wuffli scheint in Zug wieder ganz in seinem Element zu sein.

Die Partners Group ist auf Anlagen in nicht börsengehandelte Vermögenswerte spezialisiert. Das sogenannte Private-Equity-Geschäft brummt, wie wenn es die Finanzkrise nie gegeben hätte. «Ein routinemässig aussergewöhnliches Jahr», heisst es in einem aktuellen Lagebericht eines Beratungsunternehmens.

Auch bei der Partners Group geht die Post ab: In den Jahren 2011 bis 2016 sind die verwalteten Kundenvermögen dieser Gesellschaft mehr als doppelt so schnell wie der Durchschnitt gewachsen. Der Gewinn hat sich mehr als verdoppelt, nichts deutet auf eine Verlangsamung hin. Finanzanalysten und die Investorengemeinde sind begeistert. Seit dem Börsengang im Frühjahr 2006 hat sich der Marktwert der Firma verzehnfacht. Zurzeit billigt die Börse dem Finanzunternehmen einen Marktwert von über 16 Milliarden Franken zu. Gemessen am Kriterium der Kapitalisierung könnte die Partners Group schon heute in den Club der 20 wertvollsten Unternehmen an der Schweizer Börse einziehen. Gut möglich, dass die Titel schon bald in den Swiss-Market-Index aufgenommen werden.

Die weltweit grosse Nachfrage nach sogenannten Private-Equity-Anlagen hat natürlich gute Gründe. Anhand einer 30-jährigen statistischen Datenreihe im amerikanischen Markt kann zum Beispiel aufgezeigt werden, dass Privatanlagen im Mittel deutlich höhere Renditen abwerfen als börsenkotierte Wertpapiere. Zudem verläuft die Wertentwicklung von Privatanlagen stabiler, weil sie nicht den ständigen Preisschwankungen der Finanzmärkte ausgesetzt sind. Allerdings ist das Geld in einer Private-Equity-Anlage in der Regel während zehn oder sogar 15 Jahren gebunden. Kleinanleger sind in diesem Markt deshalb nicht oder mindestens nicht direkt anzutreffen. Die Mehrheit der Investoren sind Pensionskassen, zum Teil auch Versicherungsgesellschaften oder superreiche Privatpersonen.

Doch die Methoden zur Berechnung von Private-Equity-Performance-Indices sind stark fehleranfällig. Deshalb werden die von der Industrie gemachten Renditeversprechungen von wissenschaftlicher Seite auch immer wieder stark in Zweifel gezogen. Zuverlässig sind allein die individuellen Informationen der einzelnen Investoren, die wissen, wie viel Geld sie in eine Private-Equity-Anlage investieren und wie viel sie zehn Jahre später netto, nach Abzug der typischerweise hohen Verwaltungsgebühren, zurückerhalten haben. Kaum erhältlich sind Daten zur historischen Performance von einzelnen Private-Equity-Fonds. Eine Verpflichtung, diese offenzulegen, gibt es nicht. Die Daten werden normalerweise nur den Investoren des jeweiligen Fonds zugänglich gemacht. Mit anderen Worten: Es ist sogar für einen professionellen Investor ziemlich schwierig, die beste Private-Equity-Firma ausfindig zu machen. Ein entscheidendes Erfolgskriterium ist deshalb die Mundpropaganda und der Ruf einer Firma. Hier macht die Partners Group offensichtlich eine vorzügliche Figur. Nach Aussagen von Brancheninsidern betreiben die Zuger eine Marketingmaschine, die ihresgleichen sucht.

In Marktkreisen heisst es, die Kunden von Partners Group seien im Durchschnitt deutlich kleiner als jene anderer etablierter Private-Equity-Firmen. Davon leiten manche Mitbewerber zu Ungunsten von Partners Group ab, dass die Firma von der fehlenden Transparenz und dem unterdurchschnittlichen Kenntnisstand der eigenen Kunden profitiere und mit überzogenen Renditeversprechen Kunden gewinne. Belegen lässt sich dieser Verdacht nicht. Partners Group macht auch auf Anfrage keine detaillierten Aussagen über den eigenen Kundenstamm. Augenfällig bleiben die weit überdurchschnittlichen Wachstumsraten, die es in einem transparenten und effizienten Markt eigentlich gar nicht geben dürfte.

Aus der UBS-Erfahrung gelernt

In der Chefetage von Partners Group hat der Erfolg zählbare Konsequenzen: Die Ansprüche des Managements auf erfolgsabhängige Verwaltungsgebühren haben sich im Blick auf die kommenden fünf Jahre mehr als verdoppelt. Und mehr noch: Der Wert der rund 10 Millionen Aktien (37 Prozent aller ausstehenden Aktien), die vom Verwaltungsrat und vom Management gehalten werden, haben sich in den vergangenen zwölf Monaten um gegen 40 Prozent auf über 5,5 Milliarden Franken verteuert.

Im Dezember sagte Wuffli der «Schweiz am Sonntag» in einem seiner seltenen Interviews über die Lehren aus der UBS-Erfahrung: «Ein Punkt ist sicher: Alles, was sehr schnell wächst, muss man besonders kritisch hinterfragen. Worauf beruht das Wachstum, und ist es nachhaltig? Wo liegen die Risiken?» Es war der gleiche Wuffli, unter dem die Grossbank in den Jahren nach dem Platzen der Technologieblase bis zum Ausbruch der Finanzkrise ihre Bilanz um atemberaubende 1100 Milliarden Franken aufgebläht hatte und sich dafür lediglich 10 Milliarden Franken mehr Eigenkapital beschaffte. Auf dieser Grundlage konnte die Bank während fünf Jahren in Folge Rekordergebnisse vorweisen. Vor diesem Hintergrund erscheint Wufflis Comeback in der Finanzindustrie wahrhaftig etwas unheimlich.

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