Umfrage
Kein Ende der Managerlohn-Debatte

Trotz Minderinitiative sind die Schweizer nach wie vor der Meinung, Manager erhalten zu viel.

Andreas Schaffner
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Der Protest auf der Strasse gegen Managerlöhne nahm ab. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung blieb. Keystone

Der Protest auf der Strasse gegen Managerlöhne nahm ab. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung blieb. Keystone

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Gut drei Jahre nach dem Volks-Ja zur Minder-Initiative sind die neuen Regeln weitgehend umgesetzt. Die Generalversammlungen der börsenkotierten Firmen haben es in den letzten Wochen eindrücklich an den Tag gelegt: Die Zahl der Abstimmungen nahm gegenüber der Zeit «vor Minder» deutlich zu. Manche Firmen beklagen schon die hohen Kosten, die mit der geforderten Rapportierung der Zahlen einhergehen.

Trotz der neuen Transparenz hat sich die Haltung der Schweizer Bevölkerung gegenüber den Managersalären nur wenig geändert: Sie werden von einer deutlichen Mehrheit in der Schweiz als zu hoch empfunden. Dies ergibt eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsunternehmens Demoscope im Auftrag des Beratungsunternehmens Hostettler & Company, die gestern in ihrer siebten Ausgabe publiziert wurde.

Für Firmengründer Stephan Hostettler ist dieses Resultat nicht erstaunlich. Seiner Meinung nach hängt dies auf der einen Seite damit zusammen, dass es bei der Minder-Initiative gar nie um eine Beschränkung der Löhne gegangen sei, sondern um eine Kompetenzverlagerung vom Verwaltungsrat hin zu den Aktionären. Und dies trotz der offiziellen Deklaration des Minder-Vorstosses als «Abzocker-Initiative».

Gegen Staatsinterventionen

Auf der anderen Seite zeige das Ergebnis der Umfrage jedoch auch, dass aus Sicht der Bevölkerung nach wie vor Handlungsbedarf bestehe. Angesprochen seien dabei die Unternehmen und nicht die Politik. In diesem Punkt hat sich zumindest die Haltung in der Bevölkerung seit der Minder-Initiative verändert. «Es ist in den Unternehmen zwar in den letzten Jahren aufgrund der Umsetzung der Minderinitiative viel passiert. So wird über die Entschädigung abgestimmt und jeder einzelne Verwaltungsrat muss separat gewählt werden. Doch offenbar kommt das in der Bevölkerung nicht an.»

Wohin die Richtung gehen könnte, zeigen andere Resultate der Befragung: So wird eine Lohnobergrenze zwar von der grossen Mehrheit — 71 Prozent — begrüsst. Die Antworten bezüglich Höhe des Managerlohns liegen jedoch weit auseinander. Nur rund ein Drittel der Befragten verlangt eine absolute Lohnobergrenze. Eine Mehrheit ist skeptisch, wenn es um weitere staatliche Interventionen geht: «Das zeigt, wieso Volksinitiativen, die starre Obergrenzen verlangt hatten, keine Chancen in der Bevölkerung hatten,» sagt Hostettler.

Zu denken gibt auch, dass es bei der Kritik an den Managerlöhnen auch nicht um die Frage von Einzelfälle geht — also die Ospels und Dougans dieser Welt — sondern die Frage der überrissenen Bonuszahlungen wird als Systemproblem gewertet. Auch hier sieht Hostettler, der bei vielen Unternehmen solche Vergütungssysteme als Berater konzipiert hat, einen Ansatzpunkt für die Unternehmen: «Vergütungssysteme sollen offenbar besser konzipiert und umgesetzt werden.»

Eine Frage der Kultur

Laut Hostettler ergibt sich auch aus der Umfrage auch, dass es letztlich um eine Frage der Unternehmenskultur geht. Zwei Drittel der Befragen, sind denn auch der Meinung, dass die Höhe der Boni einen Einfluss auf die Kultur eines Unternehmens hat. Drei Viertel finden gar, dass die Bonus-Kriterien einen Einfluss auf das Verhalten und die Entscheidungsfindung in einem Unternehmen haben. «Leistung soll zwar belohnt werden. Das sieht auch einer Mehrheit der Bevölkerung so. Doch die Art und Weise wie in einer Unternehmung gearbeitet wird, ist auch wichtig,» sagt Hostettler zu dem Resultat.

Für den Experten ist klar: Bonussysteme, die nur auf die Einzelleistungen ausgerichtet sind und nicht das Gesamtresultat berücksichtigen, können mehr Schaden anrichten. Vergütungssysteme müssen so konzipiert sein, dass sie die Kernelemente der Unternehmenskultur unterstützt.

Hohe Zustimmung bei Aktionären

Das Schweizer Stimmvolk hatte im März 2013 die Minder-Initiative «gegen die Abzockerei» angenommen. Danach verabschiedete der Bundesrat eine Anwendungsverordung. Diese ist 2014 in Kraft getreten, liess den kotierten Gesellschaften eine Frist bis zu ihrer Generalversammlung 2015 für die vollständige Umsetzung.

Das Beratungsunternehmen Hostettler & Partner (HP) analysiert seither die Generalversammlungen (GV) im Hinblick auf die Umsetzung der Bestimmungen. Für das laufenden Jahr wurden 195 Unternehmen unter die Lupe genommen: Der neue Rechtsrahmen schreibt bindende Aktionärsabstimmungen über die Vergütungen vor. 59 Prozent der unternehmen liessen ihre Aktionäre auch konsultativ über den Vergütungsbericht abstimmen.

Zu den Resultaten im Einzelnen: Im Schnitt nahmen 93 Prozent der Aktionäre die Vergütungen von Verwaltungsräten an, bei den Löhnen der Konzernleitungen waren es 92 Prozent. Gänzlich abgelehnt wurden Verwaltungsratshonorare und das Vergütungssystem nur im Fall Sika, wobei hier der Streit im Aktionariat ausschlaggebend war. Durchgefallen ist das Vergütungssystem bei Swiss Prime Site. Nach Aktionärsprotest zurückgezogen wurde die Abstimmung über die Managerlöhne bei Gategroup.

Laut den Berechnungen von HP lag die durchschnittliche Zustimmungsrate bei den bindenden Abstimmungen weitaus höher als bei den konsultativen Abstimmungen über die Vergütungsberichte. Deutlich wurde diese Differenz etwa an den die Generalversammlung bei der ABB, CS, GAM, Gategroup oder Partners Group oder Valora. (ASC)