Gastronomie
Kein Heineken-Bier mehr in den SBB-Speisenwagen – dafür kommen diese Brauereien zum Handkuss

Kleinere, regionale Bierbrauereien werden künftig im Vier-Monats-Rhythmus ihre Bierspezialitäten in den Speisewagen anbieten.

Philipp Felber
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Ein Speisewagen der SBB

Ein Speisewagen der SBB

Keystone

In den Speisewagen der SBB gibts ab April neues Bier. Zum Handkuss kommen kleinere, regionale Bierbrauereien und Branchenprimus Feldschlösschen. Ein Prestigeauftrag für Schweizer Brauereien.

Die SBB lancierten 2016 ein neues Gastrokonzept. Ab Frühjahr 2018 soll es flächendeckend im Fernverkehr eingeführt werden. Zum neuen Konzept gehört unter anderem der Verkauf von regionalen Biersorten für jeweils vier Monate pro Jahr.

Den lukrativen Auftrag erhielten die Brauerei Schützengarten und die Brauerei Rosengarten. Die St. Galler Schützengarten Brauerei wird laut Firmenchef Reto Preisig das eigene «Landbier» liefern und «La Nostra», ein Tessiner Bier. Jeweils für vier Monate pro Jahr gibts das Bier «äs Gäächs» der Schwyzer Brauerei Rosengarten. Ein Bier mit einer leichten Heunote, wie der Rosengarten-Chef Alois Gmür sagt.

Die SBB rechnet laut der Ausschreibung mit einer Menge von 40 000 Bieren, die innert den Vier-Monats-Perioden über die Theke gehen. Eine beachtliche Menge. Vor allem wenn man bedenkt, dass etwa «La Nostra» in einer kleinen Brauerei mit nur wenigen Angestellten hergestellt wird. Das sei zwar eine Herausforderung, werde aber klappen, ist Schützengarten-Chef Reto Preisig überzeugt.

Neben den regionalen Bierspezialitäten haben die SBB zudem Lieferanten für den restlichen Bierbedarf gesucht. So darf sich die Brauerei Falken aus Schaffhausen freuen. Sie wird künftig Amber-Bier und Weissbier liefern. Beim Amber-Bier rechnen die SBB mit 95 000 Flaschen pro Jahr, beim Weizenbier mit 170 000.

Ittinger gibts nicht mehr

Falken verdrängt damit das Amber-Bier von Ittinger aus dem Sortiment. Ittinger gehört zum Bierkonzern Heineken: Vom Branchenriesen gibts ab April also kein Bier mehr in den SBB-Speisewagen. Bisher lieferte Heineken die Sorten Calanda und Heineken Premium Lager.

Heineken-Mediensprecher Urs Frei sagt auf Anfrage, dass man den Entscheid bedaure, aber die nächste Ausschreibung ins Visier nehme. Heineken muss sich jedoch gedulden: Die Verträge für die neuen SBB-Lieferanten laufen bis 2021.

Den grössten Auftrag holt sich Feldschlösschen. Die zu Carlsberg-Gruppe gehörende Grossbrauerei in Rheinfelden wird künftig gegen eine halbe Million Biere pro Jahr liefern. Von Feldschlösschen werden künftig die Sorten Original, alkoholfrei und Carlsberg angeboten, wie Feldschlösschen-Sprecherin Gabriela Gerber sagt.

Noch im November brach die einen ersten Versuch ab, neue Bierpartner zu finden. «Wesentliche Anpassungen der Ausschreibungsunterlagen sowie des Bedarfs», wurden als Gründe für den Abbruch genannt. Der Abbruch kam zu einem brisanten Zeitpunkt: Im August wurde Wolfgang Winter, Elvetino-Chef, freigestellt. Im Oktober wurde ein Strafverfahren wegen Vermögensdelikten gegen ihn eröffnet.