Bremgarten
Keine Angst vor Zürichs Einkaufsmöglichkeiten

Dank der Westumfahrung ist das Freiamt näher an Zürich und dessen Einkaufsmöglichkeiten gerückt. In Bremgarten machen sich Migros und Coop aber keine Sorgen, dass ihre Kunden in Zukunft nicht mehr im Freiamt einkaufen werden.

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Franz Huber

Franz Huber

Aargauer Zeitung

Roman Schenkel

Es ist verlockend: In 25 Minuten erreicht der Einkäufer mit dem Bus aus Bremgarten die Shoppingmeile Sihlcity. Mit dem Auto ist man sogar noch schneller (siehe Box). Der Schnellbus sei sehr gut ausgelastet, bestätigt Severin Rangosch, Direktor von BDWM, die den Bus betreibt. «In den Stooszeiten fahren 50 bis 60 Personen nach Zürich», so Rangosch.

Die erwartete Auslastung sei bis jetzt mehr als übertroffen worden. Wenn die Anzahl der Fahgäste auf diesem Niveau bleibt, werde die Busstrecke nach der zweijährigen Testphase definitiv weitergeführt. «Wir würden dann auch gerne am Samstag und Sonntag Verbindungen anbieten», so Rangosch.

Langsamer Schnellbus?

Statt bis anhin 53 Minuten sei der Freiämter mit dem Schnellbus bereits in 28 Minuten in Zürich. Der Reisende spare ganze 25 Minuten. Ausserhalb der Stosszeit funktioniert es bestens. In den Stosszeiten aber müssen sich die Pendler angeblich gedulden.

Aus verschiedenen Quellen hat die AZ gehört, dass der Schnellbus mit über 20 Minuten Verspätung in Zürich eintreffe. Der Grund: Es gibt keine Busspur und der Schnellbus bleibt, wie die Personenwagen auch, im Stau stecken.

Der PräsidentSeverin Rangosch von BDWM widerspricht: «Die Fahrtzeit ist eigentlich recht gut bemessen. In Lieli muss der Bus zwar um die vielen Ecken herum und komme nicht so zügig vorwärts und der Brunau-Stau halte den Bus manchmal etwas auf. «Aber von Seiten der Postauto AG sind mir keine nennenswerten Verspätungen gemeldet worden», so Rangosch. Zudem sei in der Fahrtzeit von 28 Minuten 10 Minuten Puffer für Stau eingerechnet. (ros)

Eröffnung genau Beobachtet

Sie hätten die Eröffnung der Westumfahrung und das neue Angebot mit dem Schnellbus schon genau beobachtet, sagt Franz Huber, Präsident der Ladengemeinschaft Sunnemärt in Bremgarten. «Die Leute reden von der neuen Verbindung und auch von der Sihlcity», so Huber. «Doch seit der Eröffnung der Westumfahrung haben wir keine Veränderungen bemerkt». Beim Umsatz, wie auch bei den Kundenzahlen seien keine Einbussen festgestellt worden. «Ich bin positiv überrascht», so Huber.

Ausverkauf zieht Kunden an

Er glaubt, dass die Leute vor allem nach Zürich gingen um ein wenig zu «lädele». «Die grossen Einkäufe machen sie aber weiterhin hier in Bremgarten». Deshalb habe er keine Angst, dass Kunden abwandern. Einzig in der Ausverkaufszeit, werde die Sihlcity wohl eine grosse Anziehungskraft für Freiämter Schnäppchenjäger haben, denkt Huber.

Auch der Marktleiter des Migroscenters Bremgarten, Ernst Heiniger, bezweifelt, dass die Sihlcity das Gewerbe speziell in Bremgarten und allgemein im Freiamt stark konkurrenzieren werde. Es gebe sicher Leute, die einen Ausflug in die Sihlcity machen. Man gehe aber eher in die Sihlcity, um sich die Mode oder die Trends anzuschauen.

Auch die Gastronomie sei gut. «Dafür war ich auch schon da», gibt Heiniger zu. Man müsse zudem wissen, dass die Sihlcity vermehrt ein höheres Preissegment anspreche. «Die meisten Kleiderläden bieten nur Markenartikel an». Das könne sich nicht jeder leisten, so Heiniger.

Je näher desto besser

Die Einkäufe tätigten die Leute aber weiterhin in Bremgarten. «Bremgarten ist attraktiv zum Einkaufen. Hier findet man alles für den täglichen Bedarf», so Heiniger. Zudem sei alles in zehn Minuten erreichbar. Wem das Angebot hier nicht genüge, der sei schon ein sehr anspruchsvoller Einkäufer. «Ich glaube nicht, dass die Menschen in Zukunft lange Wege für einen Einkauf auf sich nehmen. Je näher desto besser».

Als weiteren Pluspunkt für das Einkaufen in der Nähe betrachtet Heiniger die Verkehrssituation. «Hier gibt es keinen Stau und genügend Parkplätze zu einem vernünftigen Preis». Auch könne der Einkauf mit einem Besuch des Sädtchens und einem Spaziergang an der Reuss kombiniert werden.

Sihlcity ist näher als Spreitenbach

Wer Lust auf einen Ausflug ins Shoppingcenter verspürt, hat nun die Qual der Wahl. Bis Jetzt war das Shoppi Tivoli in Spreitenbach das Einkaufsziel Nummer eins für Freiämter. Nun ist auch die Sihlcity mit dem Öffentlichen Verkehr und dem Auto schnell erreichbar. Gemäss Routenplaner ergeben sich folgende Fahrtzeiten:

Bremgarten-Spreitenbach:
Auto: 23 Minuten
Zug/Bus: 37 Minuten
Bremgarten-Sihlcity:
Auto: 20 Minuten
Bus: 25 Minuten

Für das obere Freiamt ist die Sihlcity und das Shoppi Tivoli zu weit weg. Hier orientiert man sich in Richtung Zug und Luzern. Das Shoppingcenter Emmen erreicht man von Sins aus in einer knappen Viertelstunde. (ros)

Kein anderes Einkaufsverhalten

Thomkas Bornhauser, Kommunikationsleiter der Migros bestätigt den Eindruck des Marktleiters: «Wir spüren, zumindest für den Moment, keine direkten Auswirkungen der Eröffnung der Westumfahrung». Die Umsatzzahlen deuten überhaupt nicht auf einen Einbruch hin. Der eine oder die andere werde wohl von Bremgarten aus in die Sihlcity fahren. «Wir gehen aber nicht davon aus, dass es Verschiebungen im Einkaufsverhalten der Kundschaft geben wird», so Bornhauser.

Von wohlen eher nach Aarau

Die Läden in Wohlen werden von der Westumfahrung nicht gross tangiert, schätzt Laurent Hugentobler vom Manor Wohlen. «Unsere Kunden gehen eher nach Aarau oder Spreitenbach», so Hugentobler. Peter Brünggel von der Bücher Boutique. teilt diese Vermutung. «Der Schoppingtourismus von Wohlen geht in Richtung Aarau». Die Konkurrenz für sein Geschäft ist aber nicht in Zürich, sondern mit der Ex-Libris in Wohlen selber.