Sihlcity
Keine Angst vor Zürichs Einkaufsmöglichkeiten

Nach der Eröffnung der Westumfahrung ist das Freiamt näher an die Grossstadt Zürich und deren Einkaufsmöglichkeiten gerückt. In Bremgarten machen sich Migros und Coop aber keine Sorgen, dass ihre Kunden in Zukunft nicht mehr im Freiamt einkaufen werden. Für Wohler Läden ist die Konkurrenz eher in Aarau.

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Aargauer Zeitung

Roman Schenkel

Es ist verlockend: In 25 Minuten erreicht ein Einkäufer mit dem Schnellbus aus Bremgarten die Shoppingmeile Sihlcity. Mit dem Auto ist man sogar noch schneller (siehe Box). Der Schnellbus sei sehr gut ausgelastet, bestätigt Severin Rangosch, Direktor der BDWM, die den Bus betreibt. «In den Stosszeiten fahren 50 bis 60 Pendler nach Zürich», so Rangosch. Die erwartete Auslastung sei bis jetzt mehr als übertroffen worden. Wenn die Anzahl der Fahrgäste auf diesem Niveau bleibt, werde die Busstrecke nach der zweijährigen Testphase definitiv weitergeführt. «Wir würden dann auch gerne am Samstag und Sonntag Verbindungen anbieten», so Rangosch.

Eröffnung genau Beobachtet

Langsamer Schnellbus?

Statt bis anhin 53 Minuten sei der Freiämter mit dem Schnellbus bereits in 28 Minuten in Zürich. Der Reisende spare ganze 25 Minuten. Ausserhalb der Stosszeiten funktioniert es bestens. In den Stosszeiten aber müssen sich die Pendler angeblich gedulden. Aus verschiedenen Quellen hat die AZ gehört, dass der Schnellbus mit über 20 Minuten Verspätung in Zürich eintreffe. Der Grund: Es gibt keine Busspur und der Schnellbus bleibt, wie die Personenwagen auch, im Stau stecken. Der Präsident Severin Rangosch von BDWM widerspricht: «Die Fahrzeit ist eigentlich recht gut bemessen. In Lieli muss der Bus zwar langsam um die vielen Ecken herumfahren und auch der Brunau-Stau hält den Bus manchmal etwas auf. Aber vonseiten der Postauto AG sind mir keine nennenswerten Verspätungen gemeldet worden», so Rangosch. Zudem seien in der Fahrzeit von 28 Minuten 10 Minuten Puffer für Stau eingerechnet. (ros)

Ausverkauf zieht Kunden an

Er glaubt, dass die Leute vor allem nach Zürich gehen, um ein wenig zu «lädele». «Die grossen Einkäufe machen sie aber weiterhin hier in Bremgarten.» Deshalb habe er keine Angst, dass Kunden abwanderten. Einzig in der Ausverkaufszeit, werde die Sihlcity wohl eine grosse Anziehungskraft für Freiämter Schnäppchenjäger haben, denkt Huber.

Höheres Preissegment in Sihlcity

Auch der Marktleiter des Migros-centers Bremgarten, Ernst Heiniger, bezweifelt, dass die Sihlcity das Gewerbe speziell in Bremgarten und allgemein im Freiamt stark konkurrenzieren werde. Es gebe sicher Leute, die einen Ausflug in die Sihlcity machten. Man gehe aber eher in die Sihlcity, um sich die Mode oder die Trends anzuschauen. Auch die Gastronomie sei gut. «Dafür war ich auch schon da», gibt Heiniger zu. Man müsse auch wissen, dass die Sihlcity ein höheres Preissegment anspreche. «Die meisten Kleiderläden bieten nur Markenartikel an.» Das könne sich nicht jeder leisten.

Je näher desto besser

Die Einkäufe tätigten die Leute aber weiterhin in Bremgarten. «Bremgarten ist attraktiv zum Einkaufen. Hier findet man alles für den täglichen Bedarf», so Heiniger. Zudem sei alles in zehn Minuten erreichbar. Wem das Angebot hier nicht genüge, der sei schon ein sehr anspruchsvoller Einkäufer. «Ich glaube nicht, dass die Menschen in Zukunft lange Wege für einen Einkauf auf sich nehmen. Je näher, desto besser.» Als weiteren Pluspunkt für das Einkaufen in der Nähe betrachtet Heiniger die Verkehrssituation. «Hier gibt es keinen Stau und genügend Parkplätze zu einem vernünftigen Preis.» Auch könne der Einkauf mit einem Besuch des Sädtchens und einem Spaziergang an der Reuss kombiniert werden.

Kein anderes Einkaufsverhalten

Thomas Bornhauser, Kommunikationsleiter der Migros, bestätigt den Eindruck des Marktleiters: «Wir spüren, zumindest für den Moment, keine direkten Auswirkungen der Eröffnung der Westumfahrung.» Die Umsatzzahlen deuten überhaupt nicht auf einen Einbruch hin. Der eine oder die andere werde wohl in die Sihlcity fahren. «Wir gehen aber nicht davon aus, dass es Verschiebungen im Einkaufsverhalten der Kunden geben wird», so Bornhauser.

Von Wohlen eher nach Aarau

Die Läden in Wohlen werden von der Westumfahrung nicht gross tangiert, schätzt Laurent Hugentobler vom Manor Wohlen. «Unsere Kunden gehen eher nach Aarau oder Spreitenbach», so Hugentobler. Peter Brünggel von der Bücher-Boutique. teilt diese Vermutung: «Der Schoppingtourismus von Wohlen geht in Richtung Aarau.» Die Konkurrenz für sein Geschäft sei aber nicht in Zürich, sondern mit der Ex Libris in Wohlen selber.