Brady Dougan
Keiner wurde häufiger zum Rücktritt aufgefordert

Brady Dougan wird in die Schweizer Wirtschaftsgeschichte nicht nur als langjähriger Chef der Credit Suisse eingehen, sondern auch als der Unternehmensführer, der öffentlich wohl am häufigsten zum Rücktritt aufgefordert wurde.

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Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: 2014 musste Brady Dougan als Zeuge im Steuer-Streit vor dem US-Senat aussagen.

Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit: 2014 musste Brady Dougan als Zeuge im Steuer-Streit vor dem US-Senat aussagen.

Keystone

Dabei galt der Amerikaner lange als fast unantastbar, weil die Credit Suisse unter seiner Führung besser durch die Finanzkrise gekommen ist als andere Grossbanken.

Der Reigen der öffentlichen Rücktrittsforderungen und -spekulationen begannen denn auch erst beträchtliche Zeit nach dem grossen Bankenbeben.

Ein erstes Mal flammten sie Anfang 2012 auf. Dougan musste damals ein enttäuschendes Jahresergebnis und einen Quartalsverlust bekannt geben. Die Analysten zeigten sich alles andere als erfreut, dies vor allem weil Dougan zuvor wiederholt euphorisch vorgetragene Ankündigungen einer Geschäftsverbesserungen nicht eingehalten hatte.

Danach brachen die Forderungen nach einem Wechsel an der Spitze der CS nicht mehr ab. Fast im Monatstakt wurde in irgend einem Medium über mögliche Veränderungen auf der Teppichetage der Grossbank spekuliert.

Nationalbankrüge befeuerte Rücktrittsforderungen

Nächster Höhepunkt war, als die Schweizerische Nationalbank (SNB) Mitte 2012 öffentlich die CS für ihr zu knappes Kapitalpolster rügte. Dougan liess dies vorerst kalt, um danach dann doch der Forderung der SNB nachzugeben.

Damals gab es auch zum ersten Mal das Gerücht, der CS-Verwaltungsrat diskutiere über Dougans Abgang. Keine Unterstützung für den gelernten Investmentbanker war auch der Kurs der CS-Aktie. Diese stürzte in diesem Jahr ab. Das Papier notierte so tief wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Dougan überstand aber auch diesen Rückschlag. Auf Fragen nach einem möglichen Abgang antwortete er stets mit der Formel: "Ich stehe voll hinter meiner Aufgabe und glaube, dass dies auch im Interesse unserer Kunden und Aktionäre ist."

CS-Präsident giesst Öl ins Feuer

Die nächste Welle von Rücktrittsforderungen sollte jedoch alle vorangegangen in den Schatten stellen. Es war ein eigentlicher Tsunami, der über Dougan und Verwaltungsratspräsident Urs Rohner hereinbrach. Im Mai 2014 einigte sich die Credit Suisse und die USA im Steuerstreit. Nach Bekanntgabe der Milliardenbusse und des Schuldeingeständnisses gab es in den Medien kein Halten mehr.

Dies vor allem nachdem Präsident Rohner sich selbst und Dougan aus der Verantwortung nahm. "Persönlich haben wir eine weisse Weste," sagte Rohner gegenüber Radio SRF.

Die "NZZ" titelte daraufhin "Uneinsichtige Manager" und forderte in zwei Artikeln offen einen Wechsel an der CS-Spitze. In den anderen Zeitungen machten Ausdrücke wie "Sesselkleber", "unterentwickelte Führungskultur" und "Eine Frage der Ehre" die Runde.

Aber auch diesen Sturm überstand der CS-Chef. Ende August 2014 entschied der Verwaltungsrat keine personellen Änderungen vorzunehmen. Wie sich ein halbes Jahr später zeigen sollte, war es ein Entscheid auf Zeit.