Kennzahlen sind das Goldsieb des Aktienmarktes

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Aktienkurse sind in ständiger Bewegung. Was heute teuer ist, kann schon morgen günstig sein – und umgekehrt. Aber was heisst schon teuer? Eine absolute Grösse ist das nicht. Aktien eines Unternehmens können teuer sein, weil sie mehr kosten als die Titel eines vergleichbaren Konkurrenzunternehmens. Oft erhalten Aktien auch das Attribut teuer, wenn sie ein im historischen Vergleich unerreichtes Bewertungsniveau erreicht haben. Das wahrscheinlich populärste Mass zur Bewertung von Aktien ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV). Diese Kennzahl setzt den Aktienkurs ins Verhältnis zum Gewinn pro Aktie. Der Schweizer Gesamtmarkt wird derzeit mit einem KGV von etwa 18 bewertet. So gesehen wären die Titel des Zuger Schraubenherstellers Bossard (KGV 20) also relativ teuer. In die gleiche Richtung deutet auch das Kurs-Buch-Verhältnis (KBV), das den Aktienkurs ins Verhältnis zum Eigenkapital pro Aktie setzt.

Bei Bossard ist diese Verhältniszahl mit dem Faktor 8,1 etwa doppelt so hoch wie bei ABB. Doch aufgepasst: Wenn Bossard eine Firma übernimmt, schreibt sie den Kaufpreis zu Lasten der Erfolgsrechnung ab, als ginge es um einen Computer, der nach einigen Jahren wertlos ist. So verschwindet Eigenkapital aus der Bilanz. Bei ABB wird der Wert von eingekauften Firmen nicht abgeschrieben, solange der Wert durch die Geschäftszahlen der Firma gestützt wird. So können unbesehene KBV-Vergleiche schwer in die Irre führen. Dasselbe lässt sich auch über Eigenkapital-Quoten (das ausgewiesene Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme) oder über Eigenkapital-Renditen (Gewinn in Prozent des Eigenkapitals) aussagen. Solche Kennzahlen sind für Profiinvestoren wie das Sieb des Goldwäschers: Sie helfen im Geröll, das seltene und wertvolle Mineral zu finden. Doch ebenso wie ein Goldsucher nur mit geübtem Auge das begehrte Nugget erkennen kann, geht es auch dem Aktieninvestor. Das Sieben ist nur der Anfang des Ausleseprozesses. Der schwierigere Teil kommt danach.

Daniel Zulauf