Eklat mit Ansage
Knall auf dem Bankenplatz Schweiz! Raiffeisen tritt aus der Bankiervereinigung aus

Die Raiffeisen Gruppe will ihre Interessen künftig eigenständig vertreten und kündigt ihren Austritt aus der Schweizerischen Bankiervereinigung aus, die von den Grossbanken UBS und Credit Suisse geprägt ist.

Dario Pollice und Patrik Müller
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Will per Ende März 2021 aus der Schweizerischen Bankiervereinigung austreten: die Raiffeisen Gruppe.

Will per Ende März 2021 aus der Schweizerischen Bankiervereinigung austreten: die Raiffeisen Gruppe.

Keystone

Die genossenschaftliche Bankengruppe will per 31. März 2021 aus der Vereinigung austreten, wie es in einer Mitteilung vom Dienstag heisst. Künftig werde Raiffeisen sich eigenständig zu gesetzgeberischen und aufsichtsrechtlichen Themen äussern.

«Die Bankenbranche und die Interessen der verschiedenen Akteure auf dem Schweizer Finanzplatz haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert», schreibt Raiffeisen zu ihrem Entscheid. Das Unternehmen habe deshalb ihre Rolle in der Mitgestaltung der politischen Rahmenbedingungen «kritisch überprüft». Raiffeisen sei dennoch an einem «einvernehmlichen Verhältnis» mit allen relevanten Akteuren interessiert, wie sie weiter schreibt.

Der CEO der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg), Jörg Gasser, bedauert diesen Entscheid «ausdrücklich», wie es in einer Stellungnahme auf der Website der Vereinigung heisst. «Wir sind überzeugt, dass wir gemeinsam für unseren Finanzplatz mehr erreichen können. Wir halten deshalb die Türen für Raiffeisen weiterhin offen», so Gasser weiter.

Heinz Huber, CEO von Raiffeisen.

Heinz Huber, CEO von Raiffeisen.

Keystone

Der Eklat kam mit Ansage

Der Schritt von Raiffeisen ist die letzte Konsequenz einer Kontroverse, die seit rund zehn Jahren in der Bankiervereinigung herrscht. Diese sei zu stark auf die Interessen der Gross- und Privatbanken konzentriert, hiess es bei Raiffeisen schon in der Ära von Ex-CEO Pierin Vincenz, der bei Auftritten oft und gern gegen die Grossbanken schoss.

2012 gründete Raiffeisen deshalb mit anderen Nicht-Grossbanken die Interessengemeinschaft (IG) Inlandbanken. Die Interessensgruppe verstehe sich als «informelle Plattform» innerhalb der Bankiervereinigung, teilte Raiffeisen damals mit. Analog zu den Privatbankiers und zu den Auslandbanken bekamen die Retailbanken somit ihre eigene Gruppierung.
Gründungsmitglieder der IG Inlandbanken waren nebst der Raiffeisen-Gruppe unter anderem die Migros-Bank, der Verband Schweizerischer Kantonalbanken (VSKB), die Zürcher Kantonalbank (ZKB). Nun fragt sich, ob nach Raiffeisen auch weitere dieser IG-Mitglieder aus der Bankiervereinigung austreten. Dann bekäme diese ein ernsthaftes Finanzierungsproblem, denn die Vereinigungsmitglieder zahlen hohe Abgaben.

Die Schweizerische Bankiervereinigung vereint laut eigenen Angaben als Dachverband sämtliche acht Bankengruppen und damit bislang nahezu alle Banken hierzulande.