Wirtschaft
Knall bei der Credit Suisse – Tidjane Thiam tritt zurück

Also doch: Im Führungsgremium der Credit Suisse kommt es zum Sesselrücken. An der Sitzung vom Donnerstag hat Tidjane Thiam seinen Rücktritt bekanntgegeben. Der Verwaltungsrat macht Schweiz-Chef Thomas Gottstein zum Nachfolger.

Drucken
Teilen
Für Tidjane Thiam hat am Donnerstag die letzte Stunde als CEO der Credit Suisse geschlagen. (Archivbild)

Für Tidjane Thiam hat am Donnerstag die letzte Stunde als CEO der Credit Suisse geschlagen. (Archivbild)

Alessandro Della Valle / KEYSTONE

(gb.) Per 14. Februar tritt Tidjane Thiam als CEO der Credit Suisse (CS) zurück. Dies meldet die Bank am Freitagmorgen in einer Mitteilung. Thiam sei mit dem Verwaltungsrat übereingekommen, dass er die Bank verlassen werde, heisst es in der Mitteilung. Thiam war seit 2015 CEO der Credit Suisse.

Die Aktien der CS reagierten empfindlich auf die Nachricht. Sie fallen am Freitag um 4 Prozent.

Einen direkten Zusammenhang des Rücktritts mit der Beschattungsaffäre der letzten Monate ist der Mitteilung nicht zu entnehmen. Doch in einem Statement betont Thiam erneut seine Unschuld in der Sache: «Ich hatte keinerlei Kenntnisse von der Beschattung zweier ehemaliger Kollegen. Zweifellos hat dies der Credit Suisse geschadet und zu Verunsicherung und Leid geführt. Ich bedauere das Vorgefallene und es hätte nie passieren dürfen.»

Der derzeitige CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein wird Nachfolger von Tidjane Thiam als Konzernchef. (Archiv)

Der derzeitige CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein wird Nachfolger von Tidjane Thiam als Konzernchef. (Archiv)

KEYSTONE/GAETAN BALLY

Letzten Herbst war publik geworden, dass die CS den damaligen Top-Manager und Leiter der internationalen Vermögensverwaltung, Iqbal Khan, von Detektiven überwachen liess. Khan reichte Ende September eine Strafanzeige wegen Drohung und Nötigung gegen die CS ein. Drei Monate stellte sich heraus, dass es sich bei Khan nicht wie von der Konzernleitung behauptet um einen Einzelfall gehandelt hatte. Auch der ehemalige Personalchef der Bank, Peter Goerke, wurde beschattet. Die CS machte Olivier Bouée, Thiams Stabschef und Vertrauten, für die Beschattung verantwortlich und kündigte ihm fristlos. Thiam wie auch Rohner beteuerten stets, nichts von der Beschattung der früheren CS-Mitarbeiter gewusst zu haben.

Der Beschattungsskandal bei der CS und seine Folgen – was bisher geschah: Im Juli gibt die Credit Suisse bekannt, dass Iqbal Khan, Chef der Vermögensverwaltung, die Bank verlässt.
14 Bilder
Als im August der Wechsel Khans zur UBS öffentlich wird, veranlasst CS-Manager Pierre-Olivier Bouée dessen Überwachung.
Er befürchtet, Khan (im Bild) werde wichtige Mitarbeiter und Kunden von der CS abwerben.
Khan wird im September während knapp zwei Wochen von einer Detektivfirma überwacht.
Dann stellt er einen seiner Beschatter in der Nähe des Zürcher Paradeplatzes. Khan fühlt sich bedroht und erstattet Anzeige bei der Polizei.
CS-Präsident Urs Rohner gibt eine Untersuchung in Auftrag.
Soll von der Beschattung nichts gewusst haben: CS-Chef Tidjane Thiam.
Die Affäre nimmt eine tragische Wende, als ein Detektiv des Zürcher Büros, das Iqbal Khan beschattet hat, aufgrund des zunehmenden auch medialen Drucks das Leben nimmt.
An einer Medienkonferenz orientieren Verwaltungsrat John Tiner (links) und CS-Präsident Urs Rohner über die Ergebnisse und Konsequenzen der Untersuchung: Die Grossbank trennt sich per sofort von Sicherheitschef Remo Boccali sowie COO (Chief Operating Officer) Pierre-Olivier Bouée.
Später wird bekannt: Der Grund für Khans Abgang liegt in einem Streit zwischen ihm und Thiam bei einer Cocktailparty Anfang Jahr.
Dann kommt aus: Es soll einen zweiten Beschattungsfall eines CS-Kadermitglieds gegeben haben. Der damalige oberste Personalchef Peter Goerke ist im Februar 2019 ebenfalls überwacht worden.
Die Finanzmarktaufsicht Finma wollte im Rahmen ihrer Untersuchung zum CS-Beschattungsskandal prüfen, ob etwa der Konzernchef der CS Tidjane Thiam seine Kontrollfunktionen ordnungsgemäss ausgeführt hat. (Archivbild)
Im Februar 2020 nun der Paukenschlag: CEO Tidjane Thiam nimmt nach monatelangen Spekulationen und Aufforderungen zum Rücktritt den Hut.
In seine Fussstapfen tritt Thomas Gottstein, der derzeitige CS-Schweiz-Chef.

Der Beschattungsskandal bei der CS und seine Folgen – was bisher geschah: Im Juli gibt die Credit Suisse bekannt, dass Iqbal Khan, Chef der Vermögensverwaltung, die Bank verlässt.

Keystone

Chef der Credit Suisse Schweiz rückt nach

Im Communiqué lobt Verwaltungsratspräsident Urs Rohner den scheidenden CEO für seine Arbeit. Unter seiner Leitung habe die CS unter anderem eine strategische Neuausrichtung vorgenommen, die Kapitalreserven gestärkt, die Kosten reduziert und die Vielfalt gefördert.

Nachfolger Thiams wird das bisherige Geschäftsleitungsmitglied Thomas Gottstein. Seit 2015 ist er Leiter des Schweizer Geschäfts der Credit Suisse. Insgesamt ist er seit 20 Jahren bei der Credit Suisse. Gottsteins Position als CEO der Credit Suisse Schweiz und als Geschäftsleitungsmitglied des Konzerns Credit Suisse Group wird André Helfenstein besetzen.

Aktuelle Nachrichten