Kommentar
Das Schweizer Gesundheitswesen hat digitalen Aufholbedarf

An ideenreichen Anbietern fehlt es nicht. Es sind vor allem behördliche Vorschriften und veraltete Gesetzgebungen, die Innovationen hemmen.

Maurizio Minetti
Maurizio Minetti
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Allein in Europa gibt es 300 Millionen Menschen mit ernährungsbedingten gesundheitlichen Problemen. Zu viel Zucker und zu wenig Bewegung führen zu Diabetes und Fettleibigkeit. Um solche chronischen Erkrankungen zu bekämpfen, braucht es vor allem Aufklärung. Ernährungsberaterinnen und -berater spielen hier eine grosse und wichtige Rolle.

Vermehrt kommen aber auch technische Hilfsmittel zum Einsatz wie zum Beispiel Apps, die das persönliche Coaching ergänzen. Es gibt dabei Spielereien, aber auch viele seriöse Angebote, die das Potenzial haben, die Bekämpfung der Volkskrankheit Nummer eins auf ein neues Level zu hieven. Oviva aus dem Kanton Schwyz ist so ein Beispiel. Das Jungunternehmen hat von Investoren viel Geld erhalten und gehört zu den Schweizer Start-ups mit dem grössten Wachstumspotenzial.

Doch das hiesige Gesundheitswesen ist träge. In der Schweiz geht es seit Jahren bei der Einführung digitaler Werkzeuge im Gesundheitswesen kaum vorwärts. An ideenreichen Anbietern fehlt es nicht. Es sind vor allem behördliche Vorschriften und veraltete Gesetzgebungen, die Innovationen hemmen. Deutschland zum Beispiel ist viel weiter. Ärztinnen können dort seit kurzem speziell zugelassene Apps auf Rezept verschreiben. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten. Abwegig? Überhaupt nicht. Die Schweiz sollte bei der Gesetzgebung im Gesundheitswesen mutiger vorgehen.