Kommentar
Es braucht Zeit, um eine Handelskette wie Vögele Shoes umzubauen

Die polnischen Besitzer von Vögele Shoes haben sich schnell zurückgezogen; ein deutsches Unternehmerpaar hat übernommen. Nun ist Durchhaltewillen gefragt.

Maurizio Minetti
Maurizio Minetti
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Wenn Schweizer Modehändler den Besitzer wechseln oder eine Restrukturierung beginnen, tönt es immer gleich. Es gibt zwar subtile Differenzen zwischen den verschiedenen Strategien der Handelsunternehmen, aber im Grunde genommen lassen sich die sogenannten Neuausrichtungen relativ einfach zusammenfassen: Man müsse die Digitalisierung vorantreiben, schlecht laufende Filialen schliessen – aber grundsätzlich seien stationäre Standorte nach wie vor wichtig, heisst es jeweils. Manchmal setzt man auch einen besonderen Fokus auf Ware im oberen Preissegment, weil, nun ja, die Kaufkraft hierzulande vorhanden ist.

So geht es seit Jahren – und meistens geht es schief. Die neuen Firmenbesitzer wollen nämlich in vielen Fällen nicht wahrhaben, dass sie ein totes Pferd reiten. Sie glauben an die Strahlkraft einer Marke, obschon die Marke ihre Strahlkraft längst verloren hat. Nicht besser wird die Situation, wenn der Käufer von ausserhalb kommt: Ausländische Investoren merken oft relativ schnell, dass die Schweiz anders tickt. Und ziehen sich dann wieder zurück.

Wie es nun nach dem Verkauf an ein deutsches Unternehmerpaar bei Vögele Shoes weitergeht, wird sich zeigen. Den neuen Besitzern sei das Beste gewünscht. Gut funktionierende Schuhfilialen haben durchaus ihre Daseinsberechtigung, aber ein richtiger strategischer Umbau braucht Zeit. Zu hoffen ist, dass die neuen Eigner zumindest mehr Durchhaltewillen haben als ihre Vorgänger.