Kommentar
«Nach wie vor hervorragend» sei seine Bank, behauptete der Chef der Credit Suisse Thomas Gottstein

Die Aktionäre teilen dieses Urteil sicher nicht. Viele Mitarbeitende und Kunden dürften es auch nicht tun.

Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
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Thomas Gottstein

Thomas Gottstein

Keystone

«Die Credit Suisse ist nach wie vor ein hervorragendes Finanzinstitut mit einer langen Tradition», lässt sich CEO Thomas Gottstein in der Mitteilung zitieren, mit der die Bank am Montag ihren jüngsten Milliardenverlust bekanntgeben musste. Doch über die Qualität und den Wert von Firmen entscheiden nicht die Manager, sondern deren Aktionäre, die Kunden und die Öffentlichkeit.

Das Urteil der Aktionäre ist einigermassen berechenbar. Mit dem US-Hedge-Fonds Archegos hat die Credit Suisse innert weniger Tage 4,4 Milliarden Franken verzockt und nach der Greensill-Pleite von Anfang März drohen der Bank Schadenersatzforderungen von Fondsinvestoren ebenfalls in Milliardenhöhe. Diese Verluste haben den Unternehmenswert des Konzerns um ein Viertel auf gerademal 25 Milliarden Franken verringert. Das sind 18 Milliarden Franken weniger als das, was die Bank Ende Jahr als Eigenkapital ausgewiesen hat. Diese Diskrepanz gibt einen Hinweis darauf, in welchem Umfang die Bank Aktionärswert vernichtet.

Ungleich schwerer zu fassen ist das verspielte Vertrauenskapital. Was soll beispielsweise ein vom teuren Franken geplagter Unternehmer denken, der seinen Betriebskredit auch in schwierigen Zeiten stets pünktlich bedient hat, um keine Kündigung zu riskieren? Gewissenhafte Kunden erwarten auch von ihrer Bank eine entsprechende Tugendhaftigkeit. Die Credit Suisse und der sparsame Unternehmer passen offensichtlich nicht mehr zusammen.

Das ist auch tragisch für viele Bankmitarbeitende, die eigentlich eine gute Arbeit verrichten möchten. Sie müssen nun in einer Bank weiterarbeiten, von der offensichtlich nur noch der oberste Chef behauptet kann, sie sei «nach wie vor ein hervorragendes Finanzinstitut».