UBS
Kommt Ospel doch noch dran?

Immer mehr UBS-Aktionäre wollen verhindern, dass die miserablen Leistungen der früheren UBS-Leitung unter Marcel Ospel und Co. einfach abgenickt werden. Die Chancen, dass die Bankmanager an der Generalversammlung vom 14. April doch noch dran kommen, steigen.

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Ihm will Ethos noch keine Absolution erteilen: Ex-UBS-VR-Präsident Ospel (Archiv)

Ihm will Ethos noch keine Absolution erteilen: Ex-UBS-VR-Präsident Ospel (Archiv)

Keystone

Sabina Sturzenegger

UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger muss sich gut vorbereiten auf die Generalversammlung (GV) der UBS, die morgen in einer Woche in Basel stattfinden wird. Denn es könnte zu einem Eklat kommen in der St.-Jakobs-Halle: Immer mehr Aktionäre der Grossbank signalisieren, dass sie nicht bereit sind, dem Verwaltungsrat bei der Erteilung der Décharge sowie bei den neuen Vergütungsregeln Folge zu leisten. Mit ihren Gegenstimmen wollen die Aktionäre verhindern, dass die miserablen Leistungen der früheren Bankleitung unter Marcel Ospel und Co. sowie die neuerlichen Boni-Exzesse einfach abgenickt werden.

Federführend unter den oppositionellen Aktionären ist die Genfer Anlagestiftung Ethos. Ihr Direktor, Dominique Biedermann, sagte vor zwei Wochen im Interview mit dieser Zeitung, er hoffe, eine «grosse Minderheit» oder gar «eine Mehrheit» der Aktionäre mobilisieren zu können, damit diese gegen die Entlastung der UBS-Führung der Jahre 2007 bis 2009 stimmen. Für den Vergütungsbericht hätte gemäss Biedermann «schon ein Stimmenanteil von zehnProzent ein deutliches Signal an den Verwaltungsrat».

Biedermann glaubte selber kaum daran

Noch vor 14 Tagen war der Ethos-Direktor selber vorsichtig, ob sich seine Pläne umsetzen lassen. Denn die Beteiligung von Ethos an der UBS beträgt lediglich 0,1 Prozent. Jetzt zeigt sich aber: Der Plan der «kleinen» Anlagestiftung könnte aufgehen. Immer mehr institutionelle Anleger orientieren sich nämlich an den Vorgaben von Ethos. Auch der Wirtschaftsrechtler Peter V. Kunz zeigt sich erstaunt: «Vor zwei Wochen habe ich nicht daran geglaubt, dass die Stimmen der kritischen UBS-Aktionäre an der GV überwiegen könnten. Heute sehe ich das anders. Ich wäre nicht absolut überrascht, wenn eine Mehrheit der Aktionärsstimmen der UBS-Führung der Jahre 2007 und 2008 die Décharge verweigern würde.»

Für Dominique Biedermann war immer klar, dass die ausländischen Aktionäre bei der Entscheidung am 14. April eine wichtige Rolle spielen werden. Das sieht auch Rechtsprofessor Kunz so: «Die amerikanischen Investoren haben viel Gewicht unter den UBS-Aktionären.» Gemäss der «NZZ am Sonntag» werden die beiden US-amerikanischen Anlegervereinigungen RiskMetrics Group und Glass Lewis gegen den Vergütungsbericht stimmen sowie der UBS-Führung des Jahres 2007 die Décharge verweigern.

Daneben haben auch das Gemeinschaftsunternehmen der schweizerischen Kantonalbanken, die Swisscanto, sowie die Anlegervereinigung Actares aus Freiburg ihre Opposition gegen die UBS in den Punkten der Décharge und des Vergütungsberichts bekräftigt. Swisscanto verwaltet Kundenvermögen von rund 60 Milliarden Franken.

Es wäre ein historisches Ereignis

Kommt es tatsächlich dazu, dass die oppositionellen Aktionäre sich gegen den Verwaltungsrat durchsetzen, wäre das ein «historischer Vorgang», wie Peter V. Kunz es nennt. Allerdings ist auch unklar, was dann genau passiert. UBS-Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger hat im Dezember entschieden, keine Klage gegen die ehemalige Führung der Bank einzureichen. «Wird die Entlastung nicht erteilt, müsste der VR wohl nochmals über die Bücher», sagt Kunz.