KOMMUNIKATION: Harter Kampf im Tablet-Markt

Gestern präsentierten Microsoft und Apple ihre neuen Tablets. Neu im Geschäft mit den flachen Computern ist auch Nokia. Die Finnen gewinnen Marktanteile.

Bernard Marks
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Präsentierte gestern das erste Tablet des finnischen Unternehmens: Nokia-Chef Stephen Elop. (Bild: AFP/Karim Sahib)

Präsentierte gestern das erste Tablet des finnischen Unternehmens: Nokia-Chef Stephen Elop. (Bild: AFP/Karim Sahib)

Nokia hätte sich für seinen Einstieg in den Tablet-Markt wohl keinen schlechteren Tag als den gestrigen aussuchen können. Denn nicht nur Nokia, sondern auch Microsoft sowie Rivale Apple präsentierten gestern ihre neuen Produkte. Microsoft bringt die zweite Generation seines Surface-Tablets in die Läden, der frühere Handy-Spitzenreiter Nokia zeigt erstmals ein eigenes Tablet. Am Abend präsentierte dann auch Marktführer Apple seine neuen iPad-Modelle.

Apple verliert Marktanteile

Die Veranstaltungen der grossen ­Player am selben Tag zeigen, dass in dem Geschäft inzwischen mit harten Bandagen gekämpft wird. Nach dem Start der ersten iPad-Generation vor dreieinhalb Jahren beherrschte Apple zunächst den Markt. Inzwischen machen laut Marktforschern jedoch günstigere Tablets verschiedener Hersteller mit dem Google-Betriebssystem Android über die Hälfte des Geschäfts aus.

Laut den Marktforschern der International Data Corporation (IDC) erreichten alle Windows-Tablets zusammen einen Marktanteil von 4,5 Prozent. Tablets mit Google-Android-System kamen dagegen auf 62,6 Prozent Marktanteil. Der Marktanteil von Apple am Tablet-Markt ist im zweiten Quartal 2013 auf 32 Prozent gesunken. Dabei könnte das Fehlen eines neuen iPad-Modells seit vergangenem Herbst den gesamten Markt gebremst haben. Die Hoffnungen Apples liegen nun auf dem bevorstehenden Weihnachtsgeschäft.

Der weltweite Absatz werde in diesem Jahr um 53,4 Prozent auf über 184 Millionen Geräte steigen, prognostizieren Experten des Unternehmens für Marktforschung Gartner. Für 2014 rechnen die Marktforscher mit einem Wachstum in ähnlicher Grössenordnung. Damit werde die Lücke zwischen verkauften PCs und Tablets immer kleiner. Davon profitieren wollen jetzt auch Apple-Konkurrenten Microsoft und Nokia mit ihren neuen Produkten. Zuletzt musste Microsoft wegen grosser Bestände nicht verkaufter Geräte rund 900 Millionen Dollar abschreiben. Ein deutlicher Misserfolg für den Software-Giganten in einem boomenden Tablet-Markt. Jetzt nimmt Microsoft mit seinen neuen Windows-Tablets einen zweiten Anlauf.

Schützenhilfe für Microsoft

Knapp ein Jahr nach der Premiere bringt das Unternehmen rundum erneuerte Nachfolger seiner Tablet-Computer Surface auf den Markt. Damit versucht der Windows-Riese die Tablet-Marktführer Apple und Google herauszufordern. Der erste Versuch war vergleichsweise bescheiden ausgefallen. Nun sollen es Surface 2 und Surface Pro 2 richten. Die neuen Modelle warten mit etlichen Verbesserungen auf. Vor allem die RT-Variante Surface 2 hat in Testberichten schon einige Vorschusslorbeeren geerntet.

Schützenhilfe erhält Microsoft von seinem Übernahmepartner Nokia. Der einstige Handy-Weltmarktführer aus Finnland kündigte gestern bei seiner Präsentation im Emirat Abu Dhabi mit dem Lumia 2520 sein erstes Tablet mit Windows RT 8.1 an, das vorerst aber nur in Finnland, Grossbritannien und den USA auf den Markt kommen soll.

Das Lumia 2520 ist 10,1 Zoll gross und sieht aus wie ein übergrosses Lumia-Smartphone. Es hat ein Mobilfunkmodul, das sogar LTE beherrscht – die Surface Tablets von Microsoft selbst können bislang nur über den Standard WLAN ins Netz, Geräte mit Funkmodulen sollen erst noch kommen. Verbaut wird im Lumia 2520 ausserdem eine 6,7-Megapixel-Kamera – für ein Tablet ist das viel. Damit ist es durchaus ein Konkurrent zu Microsofts Surface-Tablets. Das Betriebssystem ist aber das gleiche wie beim Surface 2.

Zu wenig Apps bei Windows

Ein Problem der Windows-Plattform ist aber nach wie vor das begrenzte Angebot an Apps. Im Windows Phone Store finden sich derzeit 165 000 Apps, das sind deutlich weniger als bei Apple und Google. Eine Reihe populärer Apps der Konkurrenz-Plattformen wie beispielsweise eine eigenständige Youtube-App gibt es bis heute für die Windows-Geräte noch nicht. Immerhin wird es nun neben dem Messenger-Dienst Whatsapp auch Instagram und Vine für Windows Phone 8 geben, wie Nokia gestern bekannt gab.