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KOMMUNIKATION: Wenn Notenbanken zu viel informieren

Seit dem Beginn der Finanzkrise hat eine Transparenzwelle die Notenbanken erfasst. Der Ausbau der Information sorge eher für Konfusion statt für Klarheit, warnen nun zwei Ökonomen der Nationalbank.
Die Zentrumslasten der Stadt Luzern belaufen sich auf rund 40 Millionen Franken. (Symbolbild Keystone)

Die Zentrumslasten der Stadt Luzern belaufen sich auf rund 40 Millionen Franken. (Symbolbild Keystone)

Mit der Aufhebung der Euro-Untergrenze hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) am 15. Januar 2015 Schockwellen auf den Finanzmärkten ausgelöst und die Schweizer Wirtschaft in Bedrängnis gebracht. Massive Kritik gab es an der Kommunikation, hatte SNB-Vizepräsident Jean-Pierre Danthine den Mindestkurs doch drei Tage zuvor noch als Eckpfeiler der Geldpolitik bezeichnet. Dass so wichtige Währungsentscheidungen nicht im Voraus angedeutet werden können, ist allerdings nachvollziehbar, wenn der Spekulation nicht Tür und Tor geöffnet werden sollen. Davon können auch Finanzminister ein Lied singen, wenn sie im Vorfeld von Auf- oder Abwertungen zu Notlügen griffen. Dennoch lösten die abrupte Aufhebung des Euro-Mindestkurses und der Medienauftritt von SNB-Präsident Thomas Jordan eine breite Diskussion darüber aus, ob und wie die Nationalbank besser hätte informieren können.

Nun legen zwei Ökonomen der SNB in einer Studie Antworten vor. Es geht zwar nicht direkt um den sogenannten Frankenschock, aber um die damit verbundene Grundsatzfrage, wie sich Information und Transparenz der Notenbanken auf die Zuverlässigkeit von Finanz- und Wirtschaftsprogosen auswirken. Die SNB-Ökonomen Thomas Lustenberger und Enzo Rossi erhoben hierfür Daten aus 73 Ländern vom Zeitraum 1998 bis 2014. Das Resultat fällt für die Anhänger einer grösseren Transparenz ernüchternd aus. «Wir haben kaum Beweise dafür gefunden, dass Transparenz die Genauigkeit von privaten Voraussagen verbessert», heisst es in dem 60-seitigen Arbeitspapier. Die Auswirkung sei bestenfalls mehrdeutig. Erhöhte Transparenz kann laut der Studie sogar kontraproduktiv sein. So führe die Veröffentlichung von Abstimmungsergebnissen in den Entscheidungsgremien der Notenbanken in westlichen Ländern zu ungenaueren Zinsprognosen.

Forscher warnen vor Kakofonie

Man sollte von grösserer Transparenz und ausgebauter Information nicht zu viel erwarten, schreiben die Autoren weiter. Die Offenheit einer Notenbank sei grundsätzlich kein taugliches Instrument, um die privaten Wirtschaftsprognosen zu verbessern. «Mehr Kommunikation sorgt für Fehlprognosen und erhöht die Streuung der Prognosen», heisst es in der Untersuchung. Als Gradmesser für die Kommunikation erhoben die Forscher die Zahl der Reden von Notenbankern. Sie erhöhte sich in den 73 untersuchten Ländern von rund 150 Reden im Jahre 1998 auf fast 900 in den Jahren 2013 und 2014. Spitzenreiter sind die USA mit total 1386 Reden im Untersuchungszeitraum, gefolgt mit deutlichem Abstand von Indien und Japan mit 648 beziehungsweise 453 Ansprachen. Für die SNB wurden 281 Reden gezählt; das waren mehr als in Frankreich und in Italien, aber weniger als in Schweden, Grossbritannien und Deutschland.

Die Häufigkeit der Reden ist laut Studie mit der Gefahr einer Kakofonie verbunden. Eine Zentralbank, die mit einer Kakofonie von Stimmen spreche, riskiere, die Stimme ganz zu verlieren. «Weniger reden kann für eine Zentralbank von Vorteil sein, wenn sie die Voraussagekraft und die Homogenität von Finanz- und Wirtschaftsprognosen fördern will», so die SNB-Ökonomen. Das gelte vor allem für Notenbanken, deren Transparenz bereits hoch sei. Nichts gebracht habe auch die von vielen Notenbanken seit der Finanzkrise praktizierte Politik der «forward guidance», mit der sich die Zentralbanken für die Zukunft verpflichten. Dadurch seien weder Fehler noch Streuung der Zins- und Renditenprognosen beeinflusst worden.

Das Arbeitspapier ist zwar mit dem Vorbehalt versehen, dass die Ansichten sich nicht notwendigerweise mit jenen der SNB decken müssten. Die Resultate sind aber Wasser auf die Mühlen des Nationalbank-Direktoriums.«Wir setzen alles daran, uns möglichst deutlich und verständlich auszudrücken und Konfusion zu vermeiden», hatte Thomas Jordan schon 2007 versichert. Transparenz und Kommunikation könnten sich allerdings dem Gesetz des abnehmenden Grenznutzens nicht entziehen. Mehr Offenheit bedeute nicht zwangsläufig eine Verbesserung. Zu viel Information könne auch Verwirrung stiften und unerwünschte Reaktionen auf den Märkten auslösen.

Balz Bruppacher

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